Einkaufserlebnis: Dieses Foto entstand im Dorvladen in Jülich. - © Dirk Windmöller
Einkaufserlebnis: Dieses Foto entstand im Dorvladen in Jülich. | © Dirk Windmöller

Löhne Halstern: Hoffnung auf Nahversorger bleibt

Das Interesse an der Mitarbeit beim Dorvladen hält sich in engen Grenzen. Zur Bürgerversammlung kamen nur 20 Interessierte

Dirk Windmöller

Löhne. Bei der Auftaktveranstaltung, als das Projekt vorgestellt wurde, waren 140 Menschen in die Aula der Bertolt-Brecht-Gesamtschule gekommen. Am Dienstag Abend fehlte auch Experte Christian Klems, sein Auto war mit einem Motorschaden bei Bielefeld liegen geblieben. Die Präsentation der Umfrage übernahm Martina Vortherms von der Stadtverwaltung. Bürgermeister Bernd Poggemöller ließ sich von den leeren Stuhlreihen nicht entmutigen. „Wenn ich an den Dorvladen denke, dann wird mir warm ums Herz. Der Reiz ist so groß, dass wir uns mit dem Thema weiter befassen sollten." Ob genug Menschen aus Halstern ihr Herz ebenso für das Projekt erwärmen können ist fraglich. Die schwache Beteiligung bei der Bürgerversammlung deckt sich auch mit der Tatsache, dass nur 22 Prozent der 2.591 Einwohner von Halstern bei der Umfrage mitgemacht haben. Nach Einschätzung des Experten Christian Klems sei die Beteiligung „noch als ausreichend zu bezeichnen". Außerdem bewege sich die Rücklaufquote deutlich über dem Standard üblicher Haustürbefragungen. Allerdings hatte Klems noch vor Beginn der Umfrage davon gesprochen, dass Rücklaufquoten von 80 Prozent nicht selten sein. Verglichen damit stellt sich die Frage ob das Wort „ausreichend" nicht durch das Wort „ungenügend" ausgetauscht werden müsste. Und auch ein tieferer Blick in die Umfrage zeigt, dass man bei den Halsteranern nicht von einer überwältigenden Zustimmung für das Projekt sprechen kann. Zwar halten 68 Prozent das Projekt für eine tolle Idee, aber 27 Prozent der Haushalte gehen davon aus, dass das Projekt nicht umsetzbar ist. Es müsse „eine gewisse Grundskepsis" attestiert werden schreibt Klems in der Auswertung. Diese Skepsis zeigt sich auch am Einkaufsverhalten: Das würden nur rund 48 Prozent der Befragten ändern. Für Klems hat das Projekt dennoch gute Chancen. Wenn man die Umfrageergebnisse auf die Gesamtbevölkerung hochrechne, ergäben sich ganz andere Werte. Man könne mit einem Dorvladen in Halstern 1.448 Kunden erreichen, die dort regelmäßig einkaufen würden. Mit Blick auf die Auswahl der Lebensmittel wünschen sich die Befragten ein gut gemischtes Sortiment mit möglichst regionaler Herkunft der Produkte. Das reicht von Milchprodukten über Gemüse bis hin zu Fleisch und Backwaren. Auf Interesse stößt die Einrichtung eines Cafés. Es wäre immerhin für 133 Befragte wünschenswert. Auch Bank- und Postdienstleistungen fänden viele Teilnehmer im Dorvladen sinnvoll. Deutlich weniger Interesse herrscht an anderen Dienstleistungen wie Reparaturannahme oder Änderungsschneiderei. Auch eine Artpraxis wäre für 130 Befragte sinnvoll. Abgefragt wurde auch die Bereitschaft zur Beteiligung. 24 Prozent der Halsteraner, die bei der Umfrage mitgemacht haben, würden Geld geben. Die Finanzierung des Projekts ist eines der ungelösten Probleme, das die Projektgruppe jetzt noch einmal intensiv angehen will. „Wir müssen klären, ob wir die Finanzierung selber schaffen oder einen Investor finden", so Frank Bemmann von der Projektgruppe. Dafür wird ebenso ein Experte gesucht, wie jemand der sich mit Immobilien auskennt und sich bei der Standortsuche einbringt. Mit Frank Glanert gibt es bereits einen Einzelhandelsexperten, der sich der Gruppe angeschlossen hat. Ideal wäre, wenn bis zum nächsten Gruppentreffen am 3. März, 18 Uhr, (Ort wird noch bekannt gegeben) sich weitere Helfer finden, die sich einbringen wollen. Frank Bemmann hofft noch: „Denn dass ist die letzte Chance, für Halstern eine Nahversorger zu bekommen. Wenn das nicht gelingt, müssen wir woanders einkaufen."

realisiert durch evolver group