Wohnungslos: Menschen ohne Obdach gibt es in Löhne kaum. Laut Sozialamtsleiter Peter Köhn sind aktuell sieben Personen in der Werre-stadt obdachlos. Unter freiem Himmel müssen sie aber nicht schlafen. Es gibt Obdachlosenheime. - © picture alliance / dpa
Wohnungslos: Menschen ohne Obdach gibt es in Löhne kaum. Laut Sozialamtsleiter Peter Köhn sind aktuell sieben Personen in der Werre-stadt obdachlos. Unter freiem Himmel müssen sie aber nicht schlafen. Es gibt Obdachlosenheime. | © picture alliance / dpa

Löhne Obdachlosenhilfe: Niemand muss auf der Straße schlafen

Peter Keusgen aus Bünde will in Herford einen Kältebus errichten

Susanne Barth
Meiko Haselhorst

Löhne. Peter Keusgen weiß, wie sich der Winter auf der Straße anfühlt: beschissen. Neun Jahre lang ist er als Obdachloser durch deutsche Städte gezogen. Ein Sommer auf Sylt gehört zu den schönen Erinnerungen. "Aber die Winter - ganz schlimm", sagt er. Und weil die Erinnerung daran noch so lebendig ist, möchte Keusgen hiesigen Wohnungslosen mit einem Projekt helfen, in dessen Genuss er einst selbst kam.Im winterlichen Saarbrücken machte er Bekanntschaft mit dem Verein "Kältebus": Ein ausrangierter Linienbus stand dort auf dem Betriebshof der Stadtwerke und bot Obdachlosen von 21 bis 6 Uhr etwas Wärme für die Nacht. "Außerdem haben wir morgens und abends Essen verteilt, das von gastronomischen Betrieben der Umgebung gespendet wurde", erzählt der 29-Jährige, der dort Kunde und ehrenamtlicher Helfer in Personalunion war. Das Projekt habe vielen Obdachlosen außer Wärme und Nahrung ein bisschen Würde und Hoffnung gegeben - nicht zuletzt ihm.Keusgen will zusammen mit seiner Bekannten Angelika Walters einen solchen Kältebus in die Region holen. Die Idee ist dem Löhner Sozialamtsleiter Peter Köhn nicht neu: "Die Frage nach Wärmestuben und Kältebussen kommt jedes Jahr beim ersten Schnee auf, das ist auch gut so", sagt er. Für Löhne ergebe ein solches Angebot aus seiner Sicht aber keinen Sinn.Aktuell sind laut Köhn in der Werrestadt "nur" sieben Personen obdachlos. Sechs Männer und eine Frau. Sie seien in den Übergangsheimen der Stadt untergebracht. Eine Szene wie in Großstädten gebe es in Löhne nicht. Köhn spricht dabei von Orten, "wo Personen ohne Obdach sesshaft sind". Sprich: Die zum Beispiel in Abbruchhäusern, Schuppen oder Hauseingängen nächtigen.In solchen Städten würde für Köhn eine Einrichtung wie ein Kältebus "bestimmt Sinn" machen. "In Löhne gibt es aus unserer Sicht eine solche Szene aber erfahrungsgemäß nicht, sodass entsprechende Angebote aus meiner Sicht entbehrlich sind", sagt der Leiter des Sozialamts.Niemand muss in Löhne draußen auf der Straße schlafen. Im Krisenfall hätte die Polizei die Möglichkeit, jemanden notfallmäßig mit einer warmen Unterkunft zu versorgen. Es gibt Notfallbetten in städtischen Unterkünften.Momentan leben angesichts der Flüchtlingssituation in den Obdachlosenheimen inzwischen überwiegend Flüchtlinge: "Freie Zimmer auf Vorrat für Obdachlose gibt es fast nicht mehr", so Köhn. Das scheint aber auch nicht nötig zu sein. Denn: In Löhne gebe es eine "offene" Szene von Menschen, die ohne Obdach sind, praktisch nicht.Sogenannte Durchreisende holen sich laut Köhn gelegentlich Hilfe zum Lebensunterhalt in Form von Tagessätzen beim Sozialamt - meist beim Jobcenter, da sie erst einmal als Erwerbsfähige zu behandeln sind. Danach wird das Sozialamt, die Fachstelle für Wohnungsnotfälle, aktiv und schaut, ob darüber hinaus Hilfe nötig ist und gewünscht wird. Meist reisten sie aber fast immer gleich weiter. "Die Löhner Infrastruktur scheint für diesen Personenkreis nicht sehr attraktiv zu sein."Peter Keusgen sieht in Herford für den Kältebus Bedarf. Seit Anfang Dezember arbeitet er mit Angelika Walters mit Hochdruck an der Umsetzung. Einen ausrangierten Linienbus von einem Unternehmer aus Paderborn hätten sie so gut wie sicher, sagt er. Eine Elektroheizung, einen Kühlschrank und einen kleinen Backofen will er einbauen. Stehen soll der Bus am Betriebshof der BVO an der Goebenstraße in Herford.Über die sozialen Netzwerke habe er bereits genügend Menschen kennengelernt, die sich engagieren möchten - praktisch oder finanziell. "Über Weihnachten haben wir eine Satzung geschrieben", sagt Angelika Walters. Der Notar habe das Dokument durchgewunken, sodass "Kältebus Bünde e.V." demnächst sogar Spendenquittungen ausstellen kann.Peter Keusgen ist ein eher ungeduldiger Mensch. Wenn man ihn fragt, ob seine Idee nicht eher etwas für kommende Winter ist, antwortet er entschieden: "Das Projekt startet am 2. Februar."Wer Peter Keusgen unterstützen möchte, kann über peter2986@web.de oder Tel.(01 75) 3 77 94 03 Kontakt zu ihm aufnehmen.

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