Schöne Bescherung: Wegen der schmalen Fahrbahn am Oberen Hellweg landen selbst Lkw am Straßenrand. Die hinterlassenen Schäden sind nicht zu übersehen. - © Sebastian Klein
Schöne Bescherung: Wegen der schmalen Fahrbahn am Oberen Hellweg landen selbst Lkw am Straßenrand. Die hinterlassenen Schäden sind nicht zu übersehen. | © Sebastian Klein

Oberer Hellweg: Und täglich grüßt 
der Lastverkehr

Trotz Sperrung fahren immer wieder Lkw durch den Oberen Hellweg

Felix Eisele

Löhne. Es ist groß, rot umrandet und eigentlich kaum zu übersehen: Das Straßenschild, das Lastwagen die Durchfahrt des Oberen Hellwegs in Bischofshagen untersagt. Dennoch, so beklagen Anwohner, verirren sich immer wieder Lkw in die schmale Straße. Die Folgen sind unübersehbar – und könnten selbst laut Ordnungsamt noch schlimmer werden. Maßnahmen aber sind trotzdem nicht geplant. Sebastian Kleins Geduld nähert sich dem Ende. Mehr als vier Wochen sind vergangen, seit sein Vermieter Horst Wehmeyer eine E-Mail an die Stadtverwaltung gesendet und auf das Problem am Oberen Hellweg aufmerksam gemacht hat. „Bis heute haben wir keine Antwort", sagt er. „Und das, obwohl der Zustand der Straße kaum schlimmer sein könnte." Tatsächlich gleicht der schmale Weg mittlerweile einer regelrechten Kraterlandschaft. Tiefe Risse, zerbröselte Ränder, scharfe Kanten und verstopfte Gräben zieren den Asphalt. Schäden, die laut Klein vornehmlich auf Lkw zurückzuführen sind. „Dabei dürfen die hier gar nicht durchfahren", sagt der Anwohner, der trotz des Verbots fast täglich Schwerlastverkehr an seinem Fenster vorbeirauchen sieht. Die geringe Breite des Oberen Hellwegs – sie scheint etliche Fahrer nicht zu stören. „Zumindest nicht die von außerhalb", sagt Klein. Die Anwohner selbst hingegen wissen längst um die Gefahren des Begegnungsverkehrs Bescheid – sei es beim Spazierengehen oder beim Ausweichen mit dem Auto. „Bei den Kanten hat man da schon manchmal Angst um seine Räder", sagt auch Anwohnerin Helga Henschel. Als Folge der riskanten Ausweichmanöver ergeben sich zuweilen kuriose Situationen. Wie etwa beim Blitzeis in der ersten Januar-Woche, als gleich mehrere Fahrzeuge im Graben landeten. „Ein Abschleppwagen kam und blieb seinerseits am Rand stecken", berichtet Sebastian Klein. „Natürlich nicht, ohne neue Spuren zu hinterlassen." Tatsächlich zeugen noch heute tiefe Reliefs von den Vorkommnissen. Und die einst vorhandenen Gräben sind kaum noch als solche zu erkennen. „Das führt dazu, dass die Druckentwässerung oft nicht mehr funktioniert und die Straße überschwemmt", sagt Horst Wehmeyer. „Und durch das neue Hermes-Logistikzentrum wird sich die Situation noch verschlimmern." Das sieht Ordnungsamtsleiter Wolfgang Greinke ähnlich. „Die Erfahrung zeigt, dass sich dann jeder den für ihn günstigsten Weg sucht", sagt er. Weil der dann häufig durch den Oberen Hellweg führe, habe die Stadt sich auch für eine Lkw-Sperrung der Straße entschieden. „Denn für Durchgangsverkehr ist die Fahrbahn wirklich nicht geeignet", räumt er ein. Dass manche Navigationssysteme davon nichts wissen, ist Greinke zwar bewusst. „Aber wir können nicht permanent jemanden abstellen, der das überwacht. Und auch die Personalsituation der Polizei verspricht wenig Hoffnung." Konkrete Maßnahmen für eine Verkehrsberuhigung vor Ort seien daher vorerst nicht geplant, sagt Greinke. „Wir werden aber demnächst wieder Messungen und Zählungen durchführen", verspricht er. „Dann haben wir objektive Zahlen, auf deren Grundlage wir weiterarbeiten können." Für die Anwohner des Oberen Hellwegs dürfte das ein nur schwacher Trost sein. Das Problem, so sagen sie, sei schließlich seit Jahren bekannt, ohne dass sich etwas ändere. Sie plädieren für eine Vollsperrung: „Anders scheint es nicht zu gehen."

realisiert durch evolver group