Mit Gewinnspiel Kalle Pohl erzählt im Interview warum drei Witze nicht reichen

Am Freitag präsentiert der Comedian sein neues Programm "Selfie in Delfi"

Felix Eisele

Herr Pohl, wie erlangt man eigentlich mehr Weisheit: Durch das Orakel von Delfi oder über die Smartphone-App von Wikipedia? Kalle Pohl: Sehen, Hören, Denken. Aber Wikipedia kann ich auch sehr empfehlen. In Ihrem neuen Programm scheinen Sie beides zu verknüpfen, reisen für ein Handyfoto ins antike Griechenland. Ist das ein Versuch, Tradition und Moderne miteinander zu verknüpfen? Pohl: Auch aus der Vergangenheit zu lernen empfiehlt sich. So manches aus der Geschichte wiederholt sich ja doch, vor allem was Engstirnigkeit, Intoleranz und Fremdenhass angeht. Abgesehen von den technischen Möglichkeiten: Hat sich der komödiantische Sektor in Deutschland in den vergangenen Jahren stark gewandelt? Pohl: Allerdings. Er nähert sich einerseits mehr und mehr dem Karnevalstusch, andererseits wird er von Quoten regiert, wer keine Masse zieht hat keine Chance. Viele junge Komiker sind im Laufe der Zeit auf der Bildfläche erschienen und genau so schnell wieder verschwunden. Wie gehen Sie als "alter Hase" mit dieser Schnelllebigkeit des Geschäfts um? Pohl: Verschwunden bin ich sozusagen auch von der "Bild"-Fläche, wohl zu alt für junge aufstrebende TV-Macher. Dafür stehe ich aber nach wie vor auf der Bühne, und dazu reichen nicht nur drei gute Witze oder nur ein guter Sketch, nur gute, anspruchsvolle und humorvolle Abend-Programme gewähren jahrelangen Erfolg. Hat sich das Publikum stark verändert? Pohl: Wohl sehr viele schauen sich leider nur an was sie schon kennen, also immer Dieter Nuhr, immer Mario Barth, immer Atze und so weiter. Schade, denn es gibt andere wirklich originelle Kabarett-Comedy-Programme, wie zum Beispiel "Selfi in Delfi". Viele Zuschauer verbinden Sie noch immer mit "7 Tage, 7 Köpfe", wo Sie fast zehn Jahre lang das Wochengeschehen amüsant seziert haben. Wie viel ist aus dieser Zeit geblieben? Haben Sie noch Kontakt zu den Kollegen von damals? Pohl: Das ist nun zehn Jahre her und es gibt noch so einige Menschen, die sich daran mit Freude erinnern. Ich vermisse diese Sendung, ein ähnliches, so enorm erfolgreiches Format hat es seitdem nicht mehr gegeben, trotz vergeblicher Versuche der oben genannten Kollegen. Aber so ist das Leben, alles hat seine Zeit - und dann sieht man sich nicht mehr. Dürfen wir uns bei Ihrem Auftritt in Löhne auf ein Wiedersehen mit Hein Spack und Tante Mimi freuen? Pohl: Jammer-Tante Mimi und "Dumm-Sau" Hein Spack sind gut vertreten im neuen Programm obwohl es nicht immer gut ist was sie sagen, aber zumindest sehr lustig.

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