Es geht auch andersrum: Von Print zu Online: Mit einem Barcode wird der gelesenen Artikel angekündigt. Einfach drüber scannen und sich den Artikel in der Narando-App vorlesen lassen. - © Narando
Es geht auch andersrum: Von Print zu Online: Mit einem Barcode wird der gelesenen Artikel angekündigt. Einfach drüber scannen und sich den Artikel in der Narando-App vorlesen lassen. | © Narando

Löhne Hören statt lesen: Junge Unternehmer gründen Start up Narando

Wirtschaft im Werretal: Mit der App können sich Nutzer Artikel vorlesen lassen. Und zwar überall. Zum Beispiel beim Pendeln: So lässt sich die knappe Zeit optimal nutzen

Susanne Barth

Löhne. Ein dunkler Holztisch, drei Laptops und ein Rollcontainer aus dem Flugzeug: Mehr braucht es nicht, um in einem Unternehmen zu arbeiten. Das beweist das Start up Narando. Christian Brandhorst hat es zusammen mit dem Löhner Philip Kleimeyer gegründet. Mit im Team ist auch Priya Linke. Sie sitzt in München statt in Herford. „Wir vertreiben ein digitales Produkt. Da ist dezentrales Arbeiten kein Problem", sagt Brandhorst.Die Idee. Ob beim Spaziergang, im Auto oder beim Sport: Die Nutzer der App können sich Artikel vorlesen lassen. Dabei kommt die Stimme nicht automatisiert vom Band. Echte Vorleser stecken dahinter. Sie lassen die Artikel lebhaft, authentisch und vor allem einzigartig klingen. Über 80 Sprecher aus Deutschland und Österreich hat Narando mittlerweile in der Datenbank. Es könnten viel mehr sein: „Vor Anfragen können wir uns gar nicht retten."Verlage, Zeitungen, Zeitschriften und Blogs gehören zu den Kunden von Narando. Wie das Daimler-Blog, Ingenieur.de und Gründerszene. Sie leiten Narando den Artikel weiter, der vertont werden soll. Der kommt in den Sprecher-Pool und ist „unter fünf Minuten verteilt". Die Sprecher laden die Datei hoch, diese wird automatisch nachgearbeitet und kommt dann auf die jeweilige Homepage.„Das ist keine Zeiteffizienz" Was sich so einfach anhört, hat eine lange Vorgeschichte. Christian Brandhorst kam die Idee, als er für seine Bachelor-Arbeit bei der Firma Miele in Bielefeld arbeitete. Das war 2010. Er ist täglich mit dem Auto von Melle nach Bielefeld gefahren. Das dauert gut 30 Minuten: „Die muss man überbrücken und nur Radio zu hören, war mir auf Dauer zu langweilig", erzählt er. Außerdem fand er es schade, dass er Artikel erst Zuhause lesen konnte. „Das ist keine Zeiteffizienz."Die Ursprungsidee wurde immer komplexer und so entwickelte sie sich „vom Hirngespinst zum richtigen Projekt". Maßgeblich zur Umsetzung war die Digitalisierung: „Ich hatte recht früh schon ein Iphone und wusste was es kann", erzählt der 28-Jährige. „Doch damals gab es noch zu wenig mobiles Internet." Das sieht jetzt ganz anders aus. Laut der Website statista.com gibt es in Deutschland 46 Millionen Smartphonenutzer.2014 hat Brandhorst den ersten Antrag gestellt, um Fördergelder zu bekommen. „Dieser wurde abgelehnt", sagt er ganz offen. Damals war das Team von Narando noch mit drei Wirtschaftsingenieuren besetzt. „Man fragte mich zu recht, wo denn der Informatiker wäre." Neu mit im Team sind Philip Kleimeyer aus Löhne (Wirtschaftsinformatiker) und Priya Linke aus München (Logopädin). Damit lief es. Die Förderung vom Exist Gründerstipendium hat Narando bekommen. „Es ist unser Vollzeitjob, wir hängen uns richtig rein."Gründer sitzen im Denkwerk Herford Begonnen hat das Start up in den vier Wänden von Philip Kleimeyer. In seiner Löhner Wohnung haben die beiden das Büro von Narando eingerichtet. Im August 2015 wurde die GmbH gegründet. „Um es zu professionalisieren, sind wir nach Herford gezogen." Im Denkwerk, das erste Unternehmer- und Gründerzentrum in Herford, sitzen sie seit November 2015 in der obersten Etage, in einem Großraumbüro.Mit dabei sind aktuell die beiden Werksstudenten Johannes Vogelsang und Jan Nikolas Rolf. Sie kümmern sich um Akquise, Vertrieb und Marketing. Sie bearbeiten die Rückmeldungen der Kunden. „Wir versuchen das Produkt zu optimieren, was wird nachgefragt, wie lässt es sich interessanter machen und wie bekommen wir mehr Inhalte für die App", zählt Vogelsang auf.Laut Brandhorst kann sich Narando aus den Einnahmen tragen. Das Ziel ist: „Größer zu werden, die Sprecher mehr auszulasten, mehr Aufträge zu bekommen." Dazu sind Brandhorst und Kleimeyer auch mit Tageszeitungen im Gespräch, denken über Finanzierungsmodelle nach. Wichtig ist für die Jungunternehmer vor allem eins: Herzblut.

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