Niedlich oder eklig? In Löhne werden wieder mehr Ratten gesichtet. ? - © Foto: DPAFoto: dpa
Niedlich oder eklig? In Löhne werden wieder mehr Ratten gesichtet. ? | © Foto: DPAFoto: dpa

Löhne Löhne wehrt sich gegen Nager

In der Werrestadt werden seit einigen Jahren wieder vermehrt Ratten gesichtet

Felix Eisele

Löhne. In den Gebüschen rund um den Löhner Hauptbahnhof raschelt es in diesen Tagen verdächtig häufig. Ratten sind es, die Pendler und Passanten immer wieder aufschrecken. Was manche aber für niedliche Haustiere halten, treibt anderen den Ekel ins Gesicht. Tatsächlich nämlich können die kleinen Nager zu einer Gefahr für die Gesundheit werden. Kein Wunder also, dass die städtischen Behörden längst alarmiert sind. Die Hinweise auf gesichtete Ratten mehren sich, bestätigt etwa Wolfgang Greinke vom Löhner Ordnungsamt. Und das nicht erst seit Kurzem: Schon in den beiden Vorjahren sei es vermehrt zu Meldungen von Bürgern gekommen. „Fraglich ist dann allerdings, ob einfach nur die Sensibilität der Menschen gestiegen ist, oder ob wir es in Löhne tatsächlich mit einer erhöhten Population von Ratten zu tun haben", sagt er. Schließlich sei durchaus denkbar, dass sich die Tiere einfach häufiger in die Öffentlichkeit trauen, als üblich. Greinke selbst geht von einer Mehrung der kleinen Nager aus. Dafür spreche nicht nur die Sichtung von immer mehr Bürgern, sondern auch die Erfahrung in anderen Städten. „Löhne ist nicht die einzige Kommune, wo in den vergangenen Jahren mehr Ratten auftauchten", sagt er. Ein Blick in die Region gibt dem Ordnungsamtsleiter Recht: Erst kürzlich beklagten etwa die Gemeinde Hiddenhausen und die Stadt Spenge ein erhöhtes Rattenaufkommen. In Herford ging man im November 2014 sogar von zwei Tieren pro Bürger aus. In Paderborn kämpften die Behörden im letzten Herbst über Wochen hinweg gegen eine Rattenplage im Technischen Rathaus. Die Stadt Warburg im Kreis Höxter hat im vergangenen Jahr sogar erstmals einen eigenen Etat für die „flächendeckende Rattenbekämpfung im Kanalsystem der Hansestadt" bereit gestellt. 25.000 Euro finden sich dort als Posten im städtischen Haushalt. In Löhne ist man von derlei Maßnahmen derzeit noch weit entfernt – auch, weil die Bekämpfung von Ratten in der Werrestadt unterschiedlich gehandhabt wird, wie Greinke erklärt. „Grundsätzlich steht der Grundstückseigentümer in der Pflicht, aktiv zu werden", sagt er. Im aktuellen Fall des Bahnhofbereichs habe man demnach unterschiedliche Zuständigkeiten: Die Deutsche Bahn sei für das Bahngelände selbst zuständig, der gegenüberliegende Busbahnhof falle hingegen in den Aufgabenbereich der städtischen Straßenverwaltung. Die aber hatte im vergangenen Jahr nicht mehr, sondern sogar weniger Mittel für Straßenunterhaltung – und damit auch für Rattenbekämpfung – zur Verfügung. Sollten die Ratten wiederum durch Abwasserkanäle kommen, sagt Greinke, seien die Wirtschaftsbetriebe Löhne (WBL) zuständig. Deren Geschäftsbereichsleiter Udo Vogelsang spricht zwar von „keinem nennenswert geänderten Befall" von Ratten, dennoch werde das Abwassersystem regelmäßig auf Nager überprüft. Rund 70 Schächte stehen dabei auf dem Programm der WBL, die durchaus weiß, dass Ratten sich gerade dort sehr wohl fühlen. „Man findet sie aber genau so häufig in Gräben oder an Mülltonnen." Das bestätigt auch Wolfgang Greinke, der daher auch die Anwohner in die Pflicht nimmt. „Auch die haben eine Verantwortung", sagt er mit Blick auf Gaststätten und Imbissbuden im Bahnhofsumfeld. „Die werden wir jetzt alle informieren."

realisiert durch evolver group