Schwerer Stoff: Die Segelmacherin Laura Anthony (56) in ihren neuen Räumen neben dem Bestattungsinstitut Rasche. Die Kanadierin repariert das Vorzelt eines Wohnwagens, der bereits auf dem Campingplatz in Borlefzen stand, als Sturmtief "Niklas" in der vergangenen Woche darüber hinweg fegte. - © FotoS: Ulf Hanke
Schwerer Stoff: Die Segelmacherin Laura Anthony (56) in ihren neuen Räumen neben dem Bestattungsinstitut Rasche. Die Kanadierin repariert das Vorzelt eines Wohnwagens, der bereits auf dem Campingplatz in Borlefzen stand, als Sturmtief "Niklas" in der vergangenen Woche darüber hinweg fegte. | © FotoS: Ulf Hanke

Löhne Sturmtief "Niklas" beschert Zeltmacherin viel Arbeit

Vor allem Camper vom Sturmtief betroffen

Ulf Hanke

Löhne. Die Sprechstunde in Borlefzen hat sich für Laura Anthony gelohnt: Auf dem Campingplatz an der Weser hat Sturmtief "Niklas" in der vergangenen Woche ordentlich hingelangt und viele Vorzelte zerfetzt. Der Schaden ist enorm. Für viele Camper ist das schlimm, aber für die Segelmacherin Laura Anthony von Vorteil. Seit Anfang des Jahres hat die 56-jährige Kanadierin beruflich ihre Zelte in Löhne aufgeschlagen. Sturmtief "Niklas" bringt nun richtig Schwung ins Geschäft. Vor der Doppelnahtmaschine in den Räumen der ehemaligen Tischlerei Rasche liegt ein großes Vorzelt aus Borlefzen. Anthony hat die Risse mit neuem Gewebe geflickt und auch den Reißverschluss erneuert. Die Maschine mit den mächtigen Nadeln näht eine doppelte Zickzackspur. Anthony führt die Maschine auf der alten Spur, damit die Reparaturnaht nicht so auffällt. "Das Zelt ist Qualitätsarbeit", sagt sie anerkennend. Günter Bollmann wird das gerne lesen, der Gohfelder hat das Vorzelt nämlich einst in Rehme gebaut, das ist auf einer Stoff-Ecke zu lesen. Laura Anthony zupft an der schweren Zeltplane, als wäre es der Stoff für ein leichtes Sommerkleid, dabei leisten einige Kilogramm Gewicht Widerstand. So ein Vorzelt ist kein Leichtgewicht und es kostet einige Mühe, das Gewebe auf den Tisch zu wuppen.Familienfreizeitplatz spricht von mehr als ein Dutzend zerstörten Vorzelten Es ist nur einer von vielen Reparaturaufträgen, den die Neu-Löhnerin durch das Sturmtief bekommen hat. Viele Camper hatten das schöne Wetter vor Ostern genutzt, um den Wohnwagen und das Vorzelt aufzubauen. Und dann kam der Sturm. Nadine Pölzl vom Familienfreizeitplatz Borlefzen berichtet von "etwa einem Dutzend" komplett zerstörter Vorzelte, außerdem seien "etwa 30 Pavillons" vom Wind verweht und das große Veranstaltungszelt "einige Meter verrückt worden". Die Parkbetreiber hätten sicherheitshalber ihren Fuhrpark so umgeparkt, dass das Veranstaltungszelt nicht weiter ausbüchsen konnte. Laura Anthony schätzt den Schaden auf "vielleicht 20.000 Euro". Ihre Sprechstunde in Borlefzen wurde zu einem regelrechten Sprech-Tag. Mehrere Stunden hat die gelernte Segelmacherin gebraucht, um die Schäden zu begutachten und gleich vor Ort Angebote für die Reparatur zu machen. Nicht alle haben sich dafür entschieden, mehrere Zelte waren wirtschaftlich betrachtet Totalschäden. Einige Risse und Löcher haben aber den Weg auf den Nähtisch in die Räume der ehemaligen Tischlerei Rasche in Gohfeld gefunden. "Ich habe gut zu tun", sagt Laura Anthony.In Niederbayern an der Donau hat die Kanadierin Deutsch gelernt Die 56-Jährige ist erst recht spät zum Segel- und Zeltbau gekommen. In Niederbayern an der Donau hat die Kanadierin Deutsch gelernt, "deshalb klinge ich so Bayerisch", sagt sie. Drei Kinder hat sie groß gezogen und erst 2002 in Budjadingen, das zwischen Wilhelms- und Bremerhaven an der Nordseeküste liegt, den Beruf der Segelmacherin gelernt. Zuletzt hat Anthony acht Jahre als Kulissenbauerin für das Staatstheater Braunschweig gearbeitet. Aus dieser Zeit am Theater hat sie auch die Idee mitgenommen, aus alten Planen schicke und wetterfeste Umhängetaschen zu nähen. Der nicht ganz leicht zu handhabende Werkstoff Polyvinylchlorid (PVC) liegt ihr besonders am Herzen. Laura Anthony spricht darüber wie ein Bäcker über seine Brötchen: "Ich liebe den Geruch von frischem PVC", sagt sie und lacht. Dass ihr Weg vom Theater Braunschweig ausgerechnet nach Löhne führt, findet die Kanadierin nicht weiter ungewöhnlich. Sie ist "der Liebe wegen" nach Gohfeld gekommen und hat die Fernbeziehung Anfang des Jahres zu einer Nahbeziehung gemacht. Ihr Liebster, das ist Hans-Ulrich Rasche. Der Gohfelder Bestatter hat ihr auch die Räume in der ehemaligen Tischlerei seines Vaters zur Verfügung gestellt und für ihre Bedürfnisse umgebaut. Statt Kreissäge und Hobel tickern nun mehrere Nähmaschinen in den Räumen an der Koblenzer Straße.

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