Löhne Wenn der Hund so richtig ziehen darf

Hundefachfrau Anett Kämpfer ist im Zughundefieber und bietet in Löhne Dogscooting-Workshops an

VON SUSANNE BARTH

Anett Kämper (46), Inhaberin der Hundeschule Aport, lässt sich von Pelufo, einem neunjährigen kanarischen Schäferhundmix, auf einem Scooter ziehen. Das ist ein Roller für Erwachsene. - © Foto: Susanne Barth
Anett Kämper (46), Inhaberin der Hundeschule Aport, lässt sich von Pelufo, einem neunjährigen kanarischen Schäferhundmix, auf einem Scooter ziehen. Das ist ein Roller für Erwachsene. | © Foto: Susanne Barth

Löhne. Pelufu hat Feuer gefangen. Dem kanarischen Schäferhundmix steht das Grinsen ins Gesicht geschrieben, seine Zunge hängt raus, er hechelt, wedelt aufgeregt mit dem Schwanz. ?Es macht nicht nur mir, sondern auch dem Hund einen höllischen Spaß?, sagt Halterin Anett Kämpfer lachend. Die Löhnerin hat sich soeben von Pelufu auf einem Roller durch die Landschaft ziehen lassen. Dogscooting nennt sich der neue Hundesport, bei dem die Tiere mal so richtig rennen dürfen.

Anett Kämpfer und ihr Hund Pelufu sind im Zughundefieber. Jetzt im Herbst ist der perfekte Zeitpunkt dafür. Ohne Regen, dafür weht ein kühler Wind - perfekt, so Kämpfer, die erst seit diesem Jahr mit dem Rüden trainiert. ?Eigentlich wollte ich Dogscooting mit meiner Hündin machen, doch die verletzte sich?, erzählt die 46-Jährige, die in Löhne die Hundeschule Aport führt.

Regelmäßig geht sie mit Pelufu scootern, denn nur so kann der Vierbeiner Kondition aufbauen. Auf die Straße darf das Gespann nicht: ?Doch hier in Löhne gibt es viele tolle Ecken.? Im Wald ist Kämpfer zum Beispiel unterwegs: ?Am besten dort fahren, wo nicht viele Menschen laufen?, gibt sie einen Tipp.

Ein Hund kann das Vierfache seines Gewichts ziehen

Scootern könne man mit jedem Hund. Die oberste Regel ist allerdings: Das Tier muss gesund sein. ?Das ist zwingend erforderlich?, macht Kämpfer deutlich. Auch brauchen die Hunde für die Ziehfahrzeuge ein gewisses Gewicht - ab 20 Kilogramm aufwärts. ?Vor allem aber ist das Verhältnis zwischen Hund und der zu ziehenden Person wichtig?, so Kämpfer. Pelufu wiegt 25 Kilogramm und kann - wie jeder Hund - das Vierfache seines Gewichts ziehen. ?Aber natürlich keinen 120-Kilo-Mann.?

Dogscooting - der Haken
Dogscooting - der Haken

Dogscooting leitet sich vom Schlittenhunderennen ab. Genau dort - beim Bielefelder Rennen in der Senne - ist sie auf den Sport aufmerksam geworden. ?Zum Schlittenhunderennen gehe ich regelmäßig, doch erst letztes Jahr hat es mich gepackt.? Die gute Erinnerung, von einem Hund durch die Gegend gezogen zu werden, liegt bei Kämpfer aber noch länger zurück: ?Als Kind habe ich mich auf dem Rad immer von zwei Hunden ziehen lassen.?

Zeitgleich mit der Lust auf Dogscooting kam Hund Pelufu nach Löhne. Der Schäferhundmix ist neun Jahre alt, sechs davon hat er ?hinter Gittern? verbracht. Pelufu kam als Pflegehund zu Kämpfer: ?Er war nicht vermittelbar, jetzt lebt er bei uns?, sagt sie und streichelt liebevoll das Tier, das brav neben ihr im Gras sitzt. Pelufu lebt seit zehn Monaten im Rudel der 46-Jährigen. Kämpfer hat noch vier andere Hunde.

Wichtig ist ein Panikhaken

Bevor Pelufu sein Frauchen mit dem Tretroller ziehen kann, muss Kämpfer ihm das Geschirr anlegen. "Es ist ganz wichtig, das es genau auf den Hund passt und richtig sitzt, nichts sollte einschneiden." Außerdem benötigt sie eine so genannte Ruckdämpferleine. Die schont nicht nur den Rücken des Menschen, sondern auch den Hals-Nacken-Rücken-Bereich des Hundes. "Und ein Panikhaken ist ganz wichtig." Wenn sie diesen löst, das kann sie stehend vom Roller aus machen, ist der Hund sofort vom Gefährt getrennt.

Kämpfer hat ihre Hundeschule 2009 eröffnet. Sie hat eine zweijährige Ausbildung zur Fachfrau für Hundeerziehung gemacht. Auch hat sie sich zum Zughundecoach ausbilden lassen und darf Workshops durchführen. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Gefährten, die ein Hund ziehen kann. Fahrrad oder Schlitten, Bollerwagen oder Roller: ?Gut 99 Prozent aller Hunde wollen rennen, man muss sie nur anleiten und ihnen zeigen, wie es geht. Das Rennen ist ein Kick für die Hunde, wann kann er es sonst machen?? Dabei stehe der Spaß immer im Vordergrund: ?Es muss dem Hund gefallen.?

Dogscooting habe nicht nur körperliche Vorteile, sondern beansprucht die Tiere auch geistig: ?Bei dieser Sportart ist der Hund vorne, er führt, kann sich beweisen, hat eine Aufgabe, wird selbstbewusst.? Besonders für Vierbeiner, die nicht gut mit Umweltreizen umgehen können oder ängstlich sind, ist es geeignet: ?Der Hund ist in einem Arbeitsmodus, konzen-triert sich voll auf die Aufgabe.? Dabei müsse er aber auch auf den Halter hören. ?Hunde haben beim Scootern immer angelegte Ohren, sodass sie die Anweisungen hören können.?

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