Löhne Dicke Geschäfte mit Kleidercontainern

Nur zwei von 70 Standorten in Löhne werden von gemeinnützigen Organisationen betrieben

NW-Praktikant Joshua Schürstedt wirft ausgediente Kleidung beim Behälter des Kolpingwerks weg. - © FOTO: CHRISTINA NAHRWOLD
NW-Praktikant Joshua Schürstedt wirft ausgediente Kleidung beim Behälter des Kolpingwerks weg. | © FOTO: CHRISTINA NAHRWOLD

Löhne. Altkleidercontainer in der Stadt, wohin man schaut. Schier täglich werden es mehr. "Dieser Eindruck stimmt", bestätigt die städtische Umweltbeauftragte Petra Schepsmeier. Seit etwa zwei Jahren explodiere die Zahl der Container geradezu.

Schepsmeier beobachtet die Entwicklung mit großer Skepsis, denn die wenigsten der Container würden von gemeinnützigen Organisationen betrieben: "Sobald die Erlöse schwinden, verschwinden auch die kommerziellen Anbieter wieder. Es besteht die große Gefahr, dass der Markt für karitative Altkleidersammlungen dann aber erledigt ist."

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Illegal

Illegale Kleidercontainer tragen häufig kuriose Aufkleber wie "Belohnung bei Diebstahl" oder "Dieser Container wird videoüberwacht".

Sie haben oft eine unzureichende Beschriftung, aus der nicht hervor geht, wer den Container betreibt. Manchmal ist nur eine Handynummer angegeben oder die Adresse liegt in einem entfernten Bundesland. (Report München)

Nach den Zählungen des Umweltamtes bestehen in Löhne derzeit 70 Standorte mit jeweils bis zu vier Altkleidercontainern. "Nur zwei dieser Standorte werden von gemeinnützigen Organisationen betrieben", so Schepsmeier. Der Grund für die Zunahme der Container liege auf der Hand: "Vor zwei Jahren erbrachte eine Tonne Altkleider einen Erlös von 156 Euro. Diese Summe ist auf derzeit bis zu 500 Euro gestiegen." Ein dickes Geschäft also. Die Aussicht darauf locke auch dubiose und teilweise sogar kriminelle Container-Anbieter an. Sie seien im gesamten Bundesgebiet tätig, auch in Löhne.

Mit einem solchen hat Axel Brinkmann, Inhaber des Neukaufs an der Königstraße, bereits unliebsame Erfahrung gemacht. "Eines Tages stand plötzlich ein Altkleidercontainer auf unserem Kundenparkplatz, ohne jede Ankündigung, ohne dass irgend jemand um Genehmigung gefragt hätte." Der Kaufmann beschwerte sich zunächst bei der Stadt und erfuhr dort, dass dieser Container von privat aufgestellt wurde. Brinkmann: "Ich habe dann eine Telefonnummer angerufen, die auf dem Container stand, aber da hob niemand ab."

Darauf hin ließ er den Container von einem Entsorgungsunternehmen abtransportieren und einlagern. Später habe er erfahren, dass dieser Container abgeholt und die entstandenen Kosten bezahlt worden seien.

Dass Container ohne Genehmigung aufgestellt werden, ist laut Petra Schepsmeier kein Einzelfall: "Wenn so etwas auf öffentlichem Gelände passiert, setzt die Stadt eine Frist zur Abholung und lässt sie, falls diese verstreicht, abtransportieren." Keinen Einfluss habe die Stadt jedoch, wenn so etwas auf Privatgrundstücken passiere.

Die Umweltamtsmitarbeiterin verweist auch noch auf andere illegale Praktiken. "Bei Altkleidersammlungen arbeitet die Stadt seit 2009 mit der Recyclingbörse zusammen. Wir haben mehrfach erlebt, dass die Sammelstellen von Fahrzeugen anderer Firmen angefahren und abgeräumt wurden." Das sei nichts anderes als Diebstahl.

Petra Schepsmeier warnt in diesem Zusammenhang auch ausdrücklich vor Korbsammlungen, bei denen oftmals überhaupt nicht klar sei, wer sie eigentlich durchführe: "Oft werden gar keine oder irgendwelche Fantasienamen angegeben, die an Mitleid und Hilfsbereitschaft appellieren. Doch es geht ausschließlich ums Geldverdienen." Sammelkörbe, die auf Bürgersteigen oder öffentlichem Grund abgestellt werden, lasse die Stadt stets entfernen.

Doch natürlich sind nicht sämtliche kommerziellen Altkleidersammlungen deshalb gleich illegal - ebenso wenig dienen die Sammlungen von gemeinnützigen oder öffentlichen Einrichtungen immer nur als Spenden. So stellte die FDP-Fraktion im Dezember 2013 im Rat den Antrag, die Stadt solle doch Altkleidercontainer in Eigenregie aufstellen - mit dem Ziel, die Einnahmen aus diesem offenbar blühenden Geschäft doch selbst zu machen.

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