Hat Ärger mit der Bahn: Heinz Jürgen Rüberg betreibt seit 14 Jahren die Servicestelle im Löhner Bahnhof. - © Susanne Barth
Hat Ärger mit der Bahn: Heinz Jürgen Rüberg betreibt seit 14 Jahren die Servicestelle im Löhner Bahnhof. | © Susanne Barth

Löhne Streit um den Fahrkartenverkauf

Bahnhof: Heinz Jürgen Rüberg leitet die Servicestelle, wie lange noch, steht in den Sternen. Die Westfalenbahn hat den Vertrag gekündigt, Rüberg die Öffnungszeiten reduziert. Er steckt mitten in den Verhandlungen

Löhne. Wer samstags in der Servicestelle im Bahnhof ein Ticket kaufen möchte, steht vor verschlossener Tür. Heinz Jürgen Rüberg hat seit April die Öffnungszeiten reduziert. Hintergrund ist, wie berichtet, eine Vertragskündigung der Westfalenbahn. Die DB Vertrieb hat die Ausschreibung gewonnen und handelt gerade einen neuen Vertrag aus, bei dem die Konditionen laut Rüberg deutlich schlechter sind. Eine Zustimmung schließt er bisher aus. Die DB Vertrieb bestätigt die Verhandlungen. „Wenn es zu keiner Einigung kommt, müssen wir uns einen neuen Vertragspartner suchen“, sagt ein Bahnsprecher auf Anfrage. Im Schienengebiet Westfalen ist der NWL-Nahverkehr der Aufgabenträger für alle Strecken. „Die Kündigung hat mit einer Ausschreibung in ganz Westfalen zu tun“, sagt Pressesprecher Uli Beele. Diese hat die DB Vertrieb gewonnen. Beele: „Wir stellen die Vertriebsstruktur auf den neuen Dienstleister um, alle bisherigen Regelungen fallen weg.“ Die Kündigung flatterte ins Haus So flatterte für Rüberg eine Kündigung ins Haus. Nach eigenen Angaben musste er daraufhin sein Angebot kürzen. Weniger Geld bedeutet auch weniger Freiraum bei der Personaleinstellung. Zwei Mitarbeitern kündigte er. Im selben Atemzug hat er seine Öffnungszeiten von 42 Stunden in der Woche inklusive samstags, auf 35 Stunden verkürzt. Rüberg und die DB Vertrieb handeln aktuell neue Konditionen aus. „Es bewegt sich was“, sagt Rüberg, aber finanziell sei das noch nicht auskömmlich. Das erste Angebot sei weit unter der Gürtellinie gewesen, berichtet er. Unter dem gesetzlichen Mindestlohn wäre der Stundenlohn des Agenturinhabers gewesen. „Und davon hätte ich noch Krankenkassen- und Rentenkassenbeiträge zahlen müssen“, sagt er empört. Das zweite Angebot lag doppelt so hoch, „aber damit wäre es mir nicht möglich gewesen, eine weitere Kraft anzustellen“. Rüberg hat erneut abgelehnt. „Ich bestehe auf die Zahlungen, die mir anfangs zugesichert worden sind.“ Das wären 2.500 Euro im Monat. Rüberg: „Davon gehe ich nicht ab. Und die wollen das halbieren.“ Verhandlungen laufen Die DB Vertrieb hofft auf eine Einigung. „Wir sind in den Verhandlungen“, sagt ein Bahnsprecher, der weitere Details noch nicht nennen kann. „Es gibt sie noch nicht.“ In der Ratssitzung Mittwochabend war die Servicestelle ebenfalls Thema. Ulrich Adler von den Linken hat dazu eine Anfrage gestellt. Baudezernent und Mobilitätsbeauftragter Wolfgang Helten führte aus, dass die Stadt die Beschwerde von Heinz Jürgen Rüberg zum Anlass genommen hat, mit den Vertragspartnern ins Gespräch zu komme. „Es ist ein Vertragsdschungel.“ Der Stadt wurde zugesichert, dass ab Mitte Juni die Servicestelle wieder mindestens 40 Stunden in der Woche offen hat. „Ob mit oder ohne Rüberg“, so Helten. Auch das bestätigt die DB Vertrieb. „Am 10. Juni soll es starten. Zeitdruck ist also da. Gibt es keine Einigung mit dem aktuellen Vertragspartner, müssen wir einen anderen suchen. Der Ticketverkauf durch Mitarbeiter bleibt.“ Der Stadt sind die Hände gebunden Generell sind der Stadt bei der Mitsprache die Hände gebunden: „Wir haben keinen Einfluss, es ist ein privatrechtliches Unternehmen“, sagte Bürgermeister Bernd Poggemöller. Linkenchef Adler, pocht darauf, dass die Verwaltung am Ball bleiben soll: „Das erwarte ich. Schließlich ist der Service keinesfalls überflüssig.“ Eine ausgegliederte Verkaufslösung in Form eines Containers vor dem Bahnhof, weist die DB Vertrieb von sich: „Das ist Quatsch.“ Es gebe im Gebäude einen Raum und der soll auch weiterhin genutzt werden. Solche Lösungen werden nur bei Umbaumaßnahmen angewandt. Der Teil des Bahnhofsvorplatzes vom Eingang bis zu den Taxiständen gehört übrigens der Eigentümerfamilie Di Fede. Die schrägen Parkplätze Richtung Ausfahrt der Stadt, informiert Helten. Die Bahn bräuchte also eine Genehmigung.

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