Auf der Suche nach Grün: Im Mittelpunkt des Naturgartenforums stand die Pflanzenbörse von Michael Lenger. Mehr als 220 heimische Arten gab es hier zu erwerben. Neben den heimischen Gärten profitiert davon auch die Insekten- und Vogelwelt. Fotos: Felix Eisele - © Felix Eisele
Auf der Suche nach Grün: Im Mittelpunkt des Naturgartenforums stand die Pflanzenbörse von Michael Lenger. Mehr als 220 heimische Arten gab es hier zu erwerben. Neben den heimischen Gärten profitiert davon auch die Insekten- und Vogelwelt. Fotos: Felix Eisele | © Felix Eisele

Löhne Beim Löhner Naturgartenforum geht es um Austausch für die Artenvielfalt

Rund 1.500 Besucher informierten sich in der Werretalhalle über Möglichkeiten zur naturnahen Gestaltung von Lebensräumen. Die Organisatoren sprechen von einem Gewinn für Mensch und Tier

Felix Eisele

Löhne. Als Jan Garschow vor vier Jahren nach Löhne zog, bot sich ihm trauriges Bild. Im Garten nämlich, so erinnert er sich, herrschte selbst im Frühjahr oft eine beklemmende Stille. „Es waren so gut wie keine Vögel zu hören", fand Garschow schnell den Grund für die gespenstische Atmosphäre. Es war der Moment, in dem er den Entschluss fasste, seine Grünanlage naturnah umzugestalten. Und weil der 42-Jährige noch immer an seinem Vorhaben arbeitet, verschlug es ihn am Sonntag wieder einmal zum Naturgartenforum – ebenso wie rund 1.500 gleichgesinnte Besucher. Zum mittlerweile sechsten Mal hatten der Löhner Aktivist Karl Heinz Niehus und sein 30-köpfiges Team in die Werretalhalle geladen, um für ein ökologisches Bewusstsein und den Erhalt der Artenvielfalt zu werben. „Mit dem Naturgartenforum", so beschrieb Niehus, „wollen wir einen Beitrag für die Biodiversität leisten." Und obwohl im Mittelpunkt der Veranstaltung insbesondere die heimische Flora stand, lag das Augenmerk des Organisationsteam in Wahrheit eher auf der Fauna: „Uns geht es um das Insektensterben", so Niehus. „Ohne sie kann die Welt nicht überleben. Und wenn mittlerweile 90 Prozent der eingekauften Pflanzen hier nicht heimisch sind, dann wird den Insekten nach und nach ihr Lebensraum entzogen, weil sie mit dem Pflanzenangebot nichts anfangen können." Insekten als Futterquelle für Vögel Ähnliches muss sich einst im Garten von Jan Garschow abgespielt haben. Denn nach den ersten Bepflanzungen mit heimischen Pflanzen strömten auch die Insekten zurück in sein Kleinod – und boten somit auch der Vogelwelt eine reichhaltige Futterquelle.Genau an dieser Stelle setzt das Naturgartenforum seit Jahren an. Gärten und Innenstädte wieder mit heimischen Gewächsen zu bestücken, haben sich die Organisatoren auf die Fahne geschrieben. In der Werretalhalle selbst wurden zu diesem Zweck nicht nur rund 250 heimische Arten angeboten, sondern auch wertvolle Tipps zum Bestücken von Grünanlagen gegeben. „Glücklicherweise haben wir mittlerweile Gärtner an Bord, die aus dem konventionellen Gartenbau ausgestiegen sind und sich auf Naturgärten spezialisiert haben", freute sich Niehus. „Das zeigt auch, dass Wirtschaftlichkeit und Ökologie heute keine Gegensätze mehr sein müssen." Umrahmt wurde das Forum von diversen Fachvorträgen, Ausstellungen und Informationsständen. Der Löhner Imkerverein etwa berichtete von der Wichtigkeit der Bienen für Mensch, Tier und Pflanzenwelt, die Biogärtnerei Ulenburg bot die Ergebnisse ihrer naturnahen Arbeitsweise an und der Waldkindergarten „Die Waldwichtel" zeigte, wie man sich auch pädagogisch und spielerisch mit dem Thema Umwelt auseinandersetzen kann. „Ich bin ein Star – bau mir ein Haus" Die Stadtbücherei Löhne präsentierte zudem eine Auswahl an Fachliteratur. Und nicht zuletzt warben Aktionsgruppen wie der BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland oder der Naturschutzbund Deutschland (NABU) für ihre Anliegen. Letztere nahm auch den Faden der Nahrungskette wieder auf und bastelte unter dem Motto „Ich bin ein Star – bau mir ein Haus" mit Kindern Nistkästen für Vögel. „Die kommen auch nur in Gärten, in denen sie Insekten finden", begründete Willi Niemeier die Aktion.Das bestätigt auch Jan Garschow, der einst durch das Naturgartenforum „auf Kurs" gebracht wurde. Vier Jahre später, so sagt er, sei die Natur wieder „mit allem was dazu gehört" in seinen Garten zurück gekehrt. Warum er trotzdem Jahr für Jahr in die Werretalhalle kommt? „Ganz einfach: Ich will, dass es so bleibt und möglichst viele Leute auf den Geschmack kommen."

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