Löhne Wenige Frauen engagieren sich in der Politik

100 Jahre Frauenwahlrecht: Zum heutigen Internationalen Frauentag blicken Monika Lüpke und Silke Glander-Wehmeier auf die Verteilung der Geschlechter in der Politik. Sie wünschen sich für die Frauen mehr Selbstbewusstsein

Jemima Wittig

Löhne. Am 8. März 1910 forderte die deutsche Sozialistin Clara Zetkin das Wahlrecht für Frauen. Ein Jahr später demonstrierten Frauen für ihre politische und gesellschaftliche Gleichstellung. 1918 war es dann endlich soweit: Am 12. November verkündete der Rat der deutschen Volksbeauftragten, dass „alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen" sind. Obwohl bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr mit mehr als 31 Millionen mehr als zwei Millionen Frauen mehr wählen durften als Männer, liegt der Frauenanteil im Bundestag bei 30,7 Prozent. „Je weiter es in der Politik runter geht, desto weniger Frauen sind in politischen Positionen", sagt Monika Lüpke, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Löhne. „Wenn es kein neues Wahlgesetz gibt, wird es auch so bleiben. Nur wenige Parteien wie die SPD, Grünen und Linken haben eine Frauenquote." Im Nordrhein-westfälischen Landtag liegt der Frauenanteil bei etwa 27 Prozent. In Ostwestfalen sind von 70 Bürgermeistern, fünf weiblich. Im Rat in Löhne sind 20 Prozent der Plätze mit Frauen besetzt. Dass so wenige Frauen politisch aktiv sind, erklärt sie sich damit, dass alte Rollenmuster noch immer aktuell sind. „Frauen arbeiten nach der Geburt weniger. Männer mehr. Da gibt es meist keine Verhandlungsprozesse. Die Kinder müssen halt betreut werden." Aus diesem Grund ist sie für eine Frauenquote, da sich ohne diese nichts verändern würde. „Frauen müssen da einfach mehr Stolz haben", sagt Lüpke. „Die Quotenfrau war immerhin genau so qualifiziert, wie der beste Mann, der sich für den Job vorgestellt hat." Silke Glander-Wehmeier, Fraktionsvorsitzende der Grünen in Löhne, ist gegen eine Quote. „Ich möchte durch meine Leistungen überzeugen und nicht durch mein Geschlecht", sagt sie. 2007 ist sie der Partei beigetreten. „Meine Kinder mussten damals in schimmeligen Räumen sitzen", sagt die dreifache Mutter. „Sie kamen mit angeschimmelten Bildern nach Hause. Dagegen musste ich etwas tun." Im Löhner Rat sei sie als Frau gut aufgenommen und mit Respekt behandelt worden. Trotzdem wünscht sie sich mehr Frauen an ihrer Seite. „Frauen haben einen anderen Blickwinkel auf die Geschehnisse", sagt sie. Aktuell sitzen neun Frauen und 36 Männer im Rat. Auch im Haupt- und Finanzausschuss ist sie eine von zwei Frauen, zusammen mit 19 Männern. „In dem Ausschuss hat man einen Überblick über alle Themen, die die Stadt betreffen", sagt Glander-Wehmeier. Ich hatte auch Angst vor meiner ersten Sitzung. Man kann sich aber in alles einarbeiten." Darum appelliert sie an die Frauen sich mehr zu trauen. „Jede Frau muss schauen, wo sie im Alltag etwas stört und das dann versuchen zu ändern.

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