Krise: Die ehemalige Pächterfirma „Event + Sportcenter OWL" des Kaisercenters Löhne ist zahlungsunfähig. - © Ulf Hanke
Krise: Die ehemalige Pächterfirma „Event + Sportcenter OWL" des Kaisercenters Löhne ist zahlungsunfähig. | © Ulf Hanke

Löhne/Herford Mehrere Klagen gegen das Kaisercenter

Rechtsstreit: Vor dem Arbeitsgericht Herford fordern ehemalige Mitarbeiter nicht bezahltes Gehalt. Eigentümer Horst Plätzer stellt die Verhältnisse jedoch ganz anders dar

Ulf Hanke

Löhne/Herford. Das Kaisercenter kämpft gegen Klagen ehemaliger Mitarbeiter. Mehrere ehemalige Beschäftigte fordern Gehaltsnachzahlungen vor dem Arbeitsgericht Herford. Rechtlich betrachtet, war nicht das Kaisercenter selbst, sondern mehrere Firmen Arbeitgeber. Diese Firmen hielten den Betrieb im Kaisercenter aufrecht – und tun das immer noch. Gerade erst hat wieder eine dieser Firmen Insolvenz angemeldet. Das wirft Fragen auf. Zum Beispiel diese: Gibt es da eine Insolvenz-Masche? Der Eigentümer des Kaisercenters, der Geschäftsmann Horst Plätzer (74) aus Seelze bei Hannover, will sich zu den Gerichtsverfahren nicht äußern. Das machte er am Dienstag gegenüber der NW beim Arbeitsgericht Herford sehr deutlich. In öffentlicher Verhandlung erzählte Plätzer dem vorsitzenden Richter Joachim Kleveman dann jedoch von Strafermittlungen der Staatsanwaltschaft Bielefeld „in drei Richtungen" und von „einem Ausmaß des Betrugs", das ihn sprachlos mache. Die Behörde ermittle in der Sache auch bei einem Betrieb in Österreich. Plätzer kündigte an: „Da werden Sie noch Überraschungen erleben." Beweise lieferte Plätzer zunächst nicht. Beim Gütetermin am Dienstag ging es eigentlich um die Klage eines Rezeptionisten, der von der Firma „Fun und Sport" ein Monatsgehalt einklagt. Der Familienvater habe bereits für die Vorgängerfirma „Event und Sportcenter" gearbeitet und sei zweieinhalb Monate lang von „Fun und Sport" weiterbeschäftigt worden, erklärte sein Rechtsanwalt Ilkka-Peter Ahlborn. Ein Monatsgehalt in Höhe von 2.100 Euro stünde aus, gezahlt worden sei nur ein Zehntel der Summe. Die Vorwürfe Plätzers seien haltlos. Plätzer ist Geschäftsführer der jüngsten Kaisercenter-Betriebsfirma „Fun und Sport". In welchem Verhältnis er zu den anderen Betriebsfirmen steht, blieb zunächst unklar. Vor Gericht bestätigte Plätzer zwar grundsätzlich das Arbeitsverhältnis mit dem Rezeptionisten, nicht jedoch dessen Weiterbeschäftigung und seine Gehaltsforderung. Dem Gericht eröffnete Plätzer eine ganz andere Rechnung: Er machte den Rezeptionisten für fehlende Einnahmen und Kosten verantwortlich, so habe er „einer Tennisschule die Halle einen Tag kostenlos gegeben", Passwörter des Firmenrechners verändert, Telefone im Kaisercenter blockiert und damit IT-Kosten verursacht, außerdem habe er bereits 200 Euro Handgeld erhalten. Richter Kleveman wies Plätzer darauf hin, dass er als Arbeitgeber „nicht einfach das Gehalt kürzen" könne, sondern sich an geltende Pfändungsfreigrenzen zu halten habe und das Gehalt erst einmal auszahlen müsse. „Den strittigen Betrag können Sie ja nachher wieder einklagen", sagte Kleveman zu Plätzer. Weil beide Seiten sich nicht auf einen Vergleich einigten, entscheidet die Kammer – neben Kleveman zwei ehrenamtliche Richter – Mitte Juli über die Forderungen des Rezeptionisten. Im Sommer steht außerdem mindestens ein weiterer Kammertermin an. Auch der ehemalige Geschäftsführer einer Kaisercenter-Betriebsfirma hat offene Forderungen – an den Kaisercenter-Eigentümer Horst Plätzer.

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