Gerhard Jürgenlimke ist auf den Rollstuhl angewiesen. Vom Löhner Bahnhof kann er keinen Zug nehmen. - © Susanne Barth
Gerhard Jürgenlimke ist auf den Rollstuhl angewiesen. Vom Löhner Bahnhof kann er keinen Zug nehmen. | © Susanne Barth

Löhne Im Löhner Bahnhofstunnel ist Endstation für Rollstuhlfahrer

Die Arbeitsgruppe, die sich für Menschen mit Handicap einsetzt, hat sich mit Stadtvertretern und der Bahn am Bahnhof getroffen, um über Barrierefreiheit zu sprechen

Susanne Barth

Löhne. Hier ist Schluss. Treppenstufen türmen sich vor Wolfgang Linnemann und Gerhard Jürgenlimke auf. Für die beiden Männer, die auf Rollstuhl und Rollator angewiesen sind, ein Hindernis, das sie nicht ohne Hilfe bewältigen können. „Und auch mit Hilfe ist es kaum zumutbar", sagt Ute Brandt-Brüggemann, Mutter eines Kindes mit Glasknochen. Die Löhner stehen im Tunnel des Bahnhofs. Nur über Stufen sind die Züge zu erreichen. Für Menschen mit Gehhilfen schier unerreichbar. Ende 2019 soll sich das ändern. Mit dem Rhein-Ruhr-Express (RRX) gestaltet die Bahn den Bahnhof wie berichtet barrierefrei. Denn nur durch Anpassungen kann der Zug auch in Löhne halten. „Endlich", sagt die Arbeitsgruppe für Menschen mit Handicap. Linnemann, Jürgenlimke und Brandt-Brüggemann sind dort Mitglieder. Jetzt haben sie sich mit den anderen sieben Aktiven, Vertretern der Stadt und einem Mitarbeiter der Bahn getroffen, um sich über die anstehenden Umbauten zu informieren. Pläne hält die Gruppe schon länger in der Hand, doch ein Ortstermin lag den Mitgliedern am Herzen: „Durch direkte Erklärungen kann man die Projekte doch viel besser verstehen", sagt Ute Brandt-Brüggemann. Und natürlich konnten auch direkt Fragen geklärt werden, erzählt die Gruppe nach ihrem Gespräch mit der Bahn. Blindenleitsystem erst vor den Aufzügen Bevor der RRX in Löhne Halt machen kann, muss die Bahn diverse Umbauten erledigen. Barrierefreiheit steht dabei hoch im Kurs. Neben den drei Aufzügen, die gegenüber den Treppenaufgängen installiert werden sollen, benötigen Blinde und Menschen mit Sehschwäche eine taktile Wegeleitung. Diese beginnt aber erst vor den Aufzügen und an den Treppengeländern. Der Tunnel ist aufgrund der zu geringen Breite ausgenommen. Hier müssen sich Blinde wohl auch zukünftig anhand der Wände orientieren. Und auch die Eingangshalle soll kein Blindenleitsystem bekommen, da sie nicht Eigentum der Bahn ist, sondern der Familie Di Fede gehört. „Da müssen aber doch alle Bahnkunden durch", empört sich Hans-Wilhelm Bökamp, der für den Verein Löhne umsteigen aktiv ist. Auch eine automatische Öffnung der Eingangstür würde sich der Verein wünschen. „Wir werden dafür kämpfen", kündigt Bökamp an. Für Wolfgang Linnemann, der auf eine Gehhilfe angewiesen ist, stehen die Aufzüge im Fokus. „Wir Behinderten wollen eine Teilhabe am Leben haben und da ist Mobilität ein wichtiger Gesichtspunkt." Wichtig ist für den Löhner außerdem seine Selbstständigkeit. Mit dem Auto kommt er von A nach B, doch im Bahnhof ist für ihn im Tunnel Endstation. „Wir müssen immer alles genau planen, spontan geht es für uns nicht", sagt Linnemann. "Investition in die Zukunft" Denn auch wenn er nach Herford fährt, um dort via Aufzug auf den Bahnsteig zu gelangen, ist er noch nicht im Zug. „Wir müssen immer erst einen mobilen Hilfsdienst anrufen", sagt Brandt-Brüggemann, die diesen für ihren Sohn, der im Rollstuhl sitzt, anfordern muss. Denn auch die meisten Züge haben Stufen. Auch das soll sich zumindest beim RRX ändern. Bahnsteigkante und Zugeingang sollen künftig auf einer Höhe liegen. „So sollen wir direkt reinfahren können", resümiert Brandt-Brüggemann aus dem Gespräch mit der Bahn. Dafür muss der Bahnsteig in Löhne auf eine Höhe von 76 Zentimetern angehoben werden. Sowohl die Arbeitsgruppe als auch die Stadt favorisiert den Umbau, der nur durch den neuen Zug zustande kommt. Starten sollen die Arbeiten 2019, bis Ende des Jahres sollen sie fertig gestellt sein. Linnemann: „Es ist eine Investition in die Zukunft, für alle. Nicht nur für Menschen mit Handicap. Wir werden schließlich immer älter und die Mobilität hört dann ja noch nicht auf."

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