Setzen auf ein Einsehen der Verantwortlichen: Salome Lindner (v.l.), Angela Wehmeier, Andrea Leding und Dilek Zengin mit Liv-Meret, Dominik und Emir Kaan. - © Dirk Windmöller
Setzen auf ein Einsehen der Verantwortlichen: Salome Lindner (v.l.), Angela Wehmeier, Andrea Leding und Dilek Zengin mit Liv-Meret, Dominik und Emir Kaan. | © Dirk Windmöller

Protest vor der Realschule

Ärger: Rund 20 Grundschüler, die gerne auf die Städtische Realschule gehen würden, finden wegen zu vieler Anmeldungen keinen Platz in der Schule. Eltern fordern die Bildung einer dritten Eingangsklasse

Dirk Windmöller

Löhne. In klirrender Kälte stehen sie für das Foto vor dem Schulgebäude. Gleich können sie sich wieder in der Pausenhalle aufwärmen. Nach den Sommerferien würden die Schülerinnen und Schüler der Grundschulen Löhne-Ort, Obernbeck und Löhne-Bahnhof gerne regelmäßig kommen. Doch für längst nicht alle ist Platz auf der Schule. Über 80 Anmeldungen liegen vor, Platz gibt es nur für 60 Schüler in zwei Eingangsklassen. Eine Elterninitiative fordert die Bildung einer dritten Klasse und möchte so erreichen, dass kein Kind abgewiesen werden muss. „Das ist eine ganz frustrierende Erfahrung“, sagt Andrea Leding, die gemeinsam mit Angela Wehmeyer die Eltern der Grundschule Obernbeck vertritt. Sie habe wie viele andere Eltern auch die Informationsveranstaltung besucht, auf der sich die weiterführenden Schulen vorgestellt haben. Anschließend hat sie sich bei verschiedenen Einrichtungen informiert. „Dann waren wir uns sicher, dass die Städtische Realschule die richtige Schule für unser Kind ist.“ Bei der Anmeldung folgte die Enttäuschung. „Als wir in der Schule waren, wurde uns gesagt, dass es nicht sicher wäre, ob wir einen Platz kriegen.“ Das Problem ist, dass es viel zu viele Anmeldungen gibt. Vor wenigen Jahren war die Existenz von zwei Realschulen in Löhne noch gefährdet, in diesem Jahr gibt es einen Anmeldeboom für die Städtische Realschule. Mehr als 80 Kinder möchten diese Schule besuchen. An der Goethe-Realschule gibt es nach Angaben von Schuldezernentin Beatrix Becker rund 60 Anmeldungen. Problemlos lässt sich dort eine Zweizügigkeit einrichten. „Aber mehr Platz haben wir dort leider nicht“, so Becker. So gibt es nach aktuellem Stand für rund 20 Kinder keinen Platz auf einer der beiden Löhner Realschulen. Die Konsequenz daraus wäre, dass diese Kinder nicht auf der Realschule, sondern auf der Bertolt-Brecht-Gesamtschule angemeldet werden. Das lehnen die Eltern ab. „Wo bleibt das Elternrecht auf freie Schulwahl? Wir haben uns ja bewusst entschieden, unser Kind auf der Städtischen Realschule anzumelden“, sagt Salome Lindner (Grundschule Löhne-Ort). Dilek Zengin, deren Sohn noch auf die Grundschule Löhne-Bahnhof geht, ergänzt: „Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Gesamtschule gepusht werden soll.“ „Wir werden dagegen juristisch vorgehen“ Die Eltern fordern jetzt an der Städtischen Realschule die Bildung einer sogenannten Überhangklasse. „Das ist im Schulgesetz geregelt und wenn uns das nicht zugestanden wird, dann werden wir dagegen juristisch vorgehen“, kündigt Angela Wehmeyer (Grundschule Obernbeck) an. Mit ihrem Wunsch haben sie sich an die Stadt und die Parteien im Rat gewandt. Briefe wurden verschickt, eine Unterschriftenliste mit mehr als 100 Namen untermauert die Forderung. Mit Bürgermeister Bernd Poggemöller sprechen die Elternvertreterinnen kommende Woche. Schuldezernentin Beatrix Becker hat Verständnis für den Frust der Eltern und hofft auf eine gute Lösung. „Wir müssen eine Entscheidung mit Augenmaß treffen. Am Montag setzen wir uns mit den Schulleitern zusammen“, kündigt Becker an. Zurzeit gibt es einen Ratsbeschluss, der die Zweizügigkeit der Realschulen festlegt. „Natürlich wäre es auch möglich, die Schule dreizügig zu führen. Das muss aber nicht nur vom Rat, sondern auch von der Bezirksregierung genehmigt werden.“ Eine solche Entscheidung sei erst nach sorgfältiger Prüfung möglich. „Wir müssen die Zukunftsfähigkeit der Schullandschaft mit Blick auf diese Entscheidung beachten“, sagt Becker. So sei es zum Beispiel sehr wichtig, dass die Gesamtschule vierzügig bleibe. „Das liegt daran, dass wir Schülern von den Realschulen oder vom Gymnasium einen Platz bieten müssen, wenn sie nach der Orientierungsphase nicht auf ihrer Schule bleiben“, erklärt die Schuldezernentin. Die Eltern hoffen, dass die Verantwortlichen schnell in ihrem Sinn entscheiden. „Für unsere Kinder ist das eine große Phase der Unsicherheit. Die fühlen sich damit gar nicht wohl“, sagt Andrea Leding.

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