Kalt und in luftiger Höhe: Stefan Szonn vom Bauunternehmen Goldbeck zieht mit einem Drehmomentschlüssel die Schrauben an den Stahlträgern der Halle der Firma MBS im Mahner Feld fest. - © Dirk Windmöller
Kalt und in luftiger Höhe: Stefan Szonn vom Bauunternehmen Goldbeck zieht mit einem Drehmomentschlüssel die Schrauben an den Stahlträgern der Halle der Firma MBS im Mahner Feld fest. | © Dirk Windmöller

Löhne Dauerfrost sorgt für eisige Arbeitsplätze

Harte Jobs: Auch bei strengem Dauerfrost lässt sich im Freien arbeiten. Bei Löscheinsätzen können die eisigen Temperaturen für die Feuerwehr ein Problem werden

Dirk Windmöller
Susanne Barth

Löhne. Das Thermometer im Auto zeigt minus acht Grad. Im eisigen Ostwind ist es noch kälter. Für Menschen, die draußen arbeiten, sind die Temperaturen eine Herausforderung. Das gilt auch für Löscheinsätze der Feuerwehr. Unterdessen warnt das Ordnungsamt vor dem Betreten von Eisflächen. Stefan Szonn von der Firma Goldbeck hält einen armlangen Drehmomentschlüssel in seinen Händen. Er zieht die Schrauben fest. Die verbinden die Stahlträger im Neubau der Produktionshalle der Firma MBS im Gewerbegebiet Mahner Feld. Der Mann vom Bau steht in einem Steiger an der Kante des künftigen Dachs - in luftiger Höhe, der eisige Wind pfeift. Dicke Kleidung, Mütze und Kapuze schützen ihn. "Bei dieser Arbeit wird mir auch bei extremen Minustemperaturen warm", sagt er. Schwieriger wird es, wenn Arbeiten gemacht werden, die weniger Bewegung erfordern. "Da kommt es vor, dass wir uns nach einer halben Stunden aufwärmen müssen", sagt sein Kollege Jörg Neumann. Das Problem seien die kalten Finger. "Die Handschuhe dürfen nicht zu dick sein, sonst können wir nicht arbeiten." Schon lange haben die Männer von Goldbeck nicht mehr bei so kalten Temperaturen draußen gearbeitet. "Vor acht Jahren haben wir bei Minus 20 Grad ein Parkhaus gebaut", erinnert sich Stefan Szonn. Schlechtwetter gibt es für die Bauarbeiter auch bei eisigen Temperaturen nicht. "Wir können zwar wegen der Kälte keine Betonarbeiten machen, aber mit dem Stahl lässt sich arbeiten." In der kommenden Woche soll es deutlich wärmer sein. "Dann ist es auf der Baustelle für einige Tage sehr matschig, weil die Erde taut. Das ist aber angenehmer, als in der Kälte zu arbeiten", sagt Neumann. Sein Kollege Szonn nickt zustimmend. Probleme mit der extremen Kälte kann es auch bei Einsätzen der Feuerwehr geben. Die Bildung von Glatteis durch Löschwasser lässt sich nicht vermeiden. "Es kann auch passieren, dass das Wasser in den Schläuchen gefriert", sagt Thomas Arning, Löschgruppenführer der Löschgruppe Löhne-Ort. Dazu könne es kommen, wenn mit einem Schlauch gelöscht wurde und die Arbeiten unterbrochen wurden, um nach Brandnestern zu suchen. Darum müsse das Wasser bei starkem Frost für die Dauer eines Einsatzes immer durch die Schläuche fließen. Ein weiteres Problem ist das Zufrieren von Hydranten. "Dafür hat die hauptamtliche Wache Propanbrenner in den Fahrzeugen, oft reicht es aber mit einem Hammer nachzuhelfen", sagt Arning. Der Feuerwehrmann ist im Hauptberuf Geschäftsbereichsleiter Service bei den Wirtschaftsbetrieben Löhne. Dort ist er für den Einsatz der Mitarbeiter zuständig. Auch bei Temperaturen um minus zehn Grad sind sie mit Pflegearbeiten an den Straßen- und Wegrändern beschäftigt. "Wir haben die Kollegen mit guter Kleidung und sehr warmen Winterstiefeln versorgt." Und in den Pausen, da könne man sich in den Fahrzeugen, die mit einer Standheizung ausgerüstet sind, gut aufwärmen. Auch für den Winterdienst sind die Wirtschaftsbetriebe zuständig. "In den letzten Tagen haben wir viel Salz verbraucht", sagt Arning. Etwa 100 Tonnen waren es in diesem Winter. Er hat 50 Tonnen nachbestellt, um auf den Temperaturumschwung mit Glatteis vorbereitet zu sein. Die Mitarbeiter bei Schulten und Sohn sind ebenfalls schon auf den Straßen, wenn andere noch im warmen Bett schlummern. "Ab 3 Uhr nachts ist unser Winterdienst unterwegs", sagt Inhaber Hans Hermann Schulten. Bis in den Vormittag befreien sie auch bei Eiseskälte Schnee und Eis von den Wegen. Lange Unterhose, Handschuhe und Mütze ist bei den meisten Standard. "Bei dieser Jahreszeit bekommen unsere Mitarbeiter auch besondere Winterjacken als Arbeitskleidung gestellt." Die Mitarbeiter der Müllabfuhr starten um 6 Uhr morgens. Das Gute am System von Schulten und Sohn ist, dass vom Wagen aus gearbeitet wird. "Die Müllabfuhr wird mit einem Joystick geregelt", sagt Schulten. Aufwärmen können sich die Frauen und Männer bei heißen Getränken und nach der Schicht auch bei einer Dusche im Unternehmen. Schulten: "Und warme Gedanken helfen auch."

realisiert durch evolver group