Symbolfoto. - © picture alliance/dpa
Symbolfoto. | © picture alliance/dpa

Löhne/Bad Oeynhausen Deutschrusse prügelt im Suff Epileptikerin

Amtsgericht: Mann (46) aus Löhne war angeblich eifersüchtig auf seine Lebensgefährtin (32). Ein Gutachten soll nun klären, ob der Alkoholsüchtige längere Zeit in eine Entziehungsanstalt muss

Ulf Hanke

Löhne/Bad Oeynhausen. Eine, vielleicht zwei Flaschen Wodka am Tag trinke er normalerweise, erzählte der 46-jährige Mann dem Richter. "Sonst nichts." An diesem Sommerabend im August 2017 waren es "drei, vielleicht vier Flaschen". So genau wusste er das nicht mehr, nur noch, dass er wohl eifersüchtig war. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft jedenfalls stimmten, gestand er ein. Demnach hat der Mann aus Russland kräftig mit seiner Lebensgefährtin auf dem Bischofshagen gebechert. Der Streit verlief stets gleich: Die beiden tranken, zankten und dann prügelte der Mann seine Freundin blutig. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld klagte ihn wegen Körperverletzung und Bedrohung im April und August 2017 an. Ein Streit der beiden am 3. August 2017 fand direkt vor den Augen und Ohren der Nachbarn statt. Das Ehepaar von nebenan schilderte am Dienstag dem Amtsgericht Bad Oeynhausen, was sie auf der Nachbarterrasse unfreiwillig miterleben mussten: "Sie haben uns manche schöne Sommernacht versaut", sagte der Nachbar: "Aber das war so drastisch, dass wir die Polizei gerufen haben." Der Nachbar schilderte, wie der Mann auf die Frau einschlug. Erst, als er das Fenster öffnete und "ey" schrie, habe der Mann von seiner Freundin abgelassen. Die Freundin des Prügelnden erlitt damals eine Platzwunde am Kopf, Schürfwunden und Prellungen durch weitere Tritte. Die Polizei stellte über drei Promille bei dem Mann und über zwei Promille Blutalkohol bei der Frau fest. Einmal soll er auch gedroht haben: "Ich schlage dich kaputt!" Zwei Tage nach dem August-Streit verstieß der Mann offenbar auch gegen ein Rückkehrverbot in die gemeinsame Wohnung. Das Verfahren über diesen Vorwurf wurde jedoch aus Mangel an Beweisen vorläufig eingestellt. Polizei und Rettungsdienst eilten häufiger auf den Bischofshagen, um das hochprozentige Paar zu trennen. Die beiden versöhnten sich jedoch immer wieder und leben noch zusammen. Inzwischen haben beide eine Wohnung in Herford angemietet, der Mann hat eine Arbeitsstelle in Aussicht. Die Bewährungshelferin des Mannes, der 2012 wegen Trunkenheitsfahrten bereits zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden war, beschreibt die Beziehung der beiden Alkoholiker als geradezu symbiotisch. Seine 32-jährige Freundin erklärte vor Gericht, dass sie auf den Mann angewiesen sei, weil er mit ihrer Epilepsie umgehen könne: "Ich will mich nicht trennen." Sie habe sonst niemanden. Unklar blieb, ob die Frau wegen ihres Alkoholkonsums Krämpfe bekommt oder die Anfälle eine andere Ursache haben. Den Tiefpunkt ihrer Beziehung erlebte das Paar laut Bewährungshelferin an Silvester 2017. Da wurden beide aus der gemeinsamen Alkoholtherapie geworfen und standen obdachlos auf der Straße. Vor Gericht rechtfertigten sich beide: Sie hätten Silvester "wie in Russland üblich" bereits am 30. Dezember gefeiert - und mit Alkohol begossen. Das Gericht vertagte eine Entscheidung. Zuvor soll ein Gutachter klären, ob der Mann - allein - längerfristig in eine Entziehungsanstalt eingewiesen wird. Nach Rücksprache mit seiner Verteidigerin erklärte sich der Angeklagte mit der Begutachtung einverstanden.

realisiert durch evolver group