Das Löhner Klärwerk: Der Bau eines weiteren Faulturms ist durch die Entscheidung des Betriebsausschusses nicht erforderlich. - © Jens Reddeker
Das Löhner Klärwerk: Der Bau eines weiteren Faulturms ist durch die Entscheidung des Betriebsausschusses nicht erforderlich. | © Jens Reddeker

Löhne Innovative Technik fürs Klärwerk

Investition: Die neue Anlage zur Bearbeitung von Klärschlamm kostet 1,96 Millionen Euro. Durch sie wird jedoch Geld gespart, weil der Bau eines neuen Faulturms zu deutlich höheren Kosten führen würde

Dirk Windmöller
Ulf Hanke

Löhne. In die Kläranlage wird kräftig investiert. Einstimmig votierte der Betriebsausschuss für den Bau einer neuen Anlage, die den Klärschlamm mit einer hochmodernen Methode bearbeitet. "Thermisch-chemische Klärschlammdesintegration" heißt die Technik, die bisher in nur wenigen Klärwerken zum Einsatz kommt. Sie hat nach Darstellung des Planers Johannes Müller-Schaper von der PFI Planungsgemeinschaft viele Vorteile gegenüber dem herkömmlichen System. Die Investition fällt jedoch um 460.000 Euro höher aus als geplant. Die Gesamtkosten liegen jetzt bei 1,96 Millionen Euro. Wie von der NW berichtet, liegt das an deutlich gestiegenen Baukosten. "Allerdings ist jeder Euro gut angelegt. Sie haben sich für ein sehr innovatives System entschieden", betonte Ingenieur Johannes Müller-Schaper. Die Alternative wäre gewesen, einen weiteren Faulturm zu bauen. "Wir sind wegen neuer Auflagen dazu gezwungen, zu handeln", sagte Georg Busse. Er war zum letzten Mal in einer Sitzung des Betriebsausschusses. Mitte des Monats wechselt er als Beigeordneter zur Stadt Bad Oeynhausen. Dass dringend etwas geschehen muss, betonte auch der Experte. "Der Faulbehälter ist schon jetzt überlastet. Noch mehr Schlamm geht gar nicht", sagte Müller-Schaper. Einen weiteren Faulbehälter zu errichten wäre aber aus Sicht des Fachmanns keine zukunftsfähige Lösung. Man könnte dann zwar mehr Klärschlamm lagern, allerdings sind die Entsorgungskosten für den Schlamm in den letzten Jahren massiv gestiegen. Das zeigt auch die Gegenüberstellung der Kosten für den neuen Faulbehälter und die Klärschlammdesintegration. Bei der Entscheidung für den weiteren Faulbehälter hätte man mit Jahreskosten von rund 79.000 Euro kalkulieren müssen. Bei der thermisch-chemischen Desintegration fallen Jahreskosten von lediglich 3.500 Euro an. Das liegt an der erheblich geringeren Menge an Klärschlamm. Das neue System führt alleine im Jahr 2018 zu Einsparungen bei der Entsorgung in Höhe von rund 70.000 Euro. Die Entsorgungskosten sind massiv gestiegen. 2017 mussten 48 Euro pro Tonne gezahlt werden. 2018 ist der Preis auf 85 Euro pro Tonne gestiegen. Und so lohnt sich trotz der gestiegenen Kosten für die innovative Anlage die Investition, der alle Mitglieder im Ausschuss zustimmten. In dieser "thermisch chemischen Klärschlammdesintegration" wird der Klärschlamm auf 60 bis 70 Grad Celsius erhitzt und mit Natronlauge behandelt. Der Schlamm wird so "zu einer joghurt-ähnlichen Masse verdichtet und gleichzeitig pumpfähig gemacht", erläuterte Geschäftsbereichsleiter Hans Kleine auf Nachfrage der Neuen Westfälischen. So passe mehr Klärschlamm in den alten Faulturm. Im Detail habe sich gezeigt, dass der Klärschlamm am besten über zwei Anlagen vorbehandelt wird. Dazu sind jedoch größere Umbauten nötig. Mit Blick auf künftige Erweiterungen soll deshalb auch die betriebseigene Trafostation versetzt werden. Außerdem muss die Maschinenhalle von 70 auf 110 Quadratmeter vergrößert und Tankanlagen sowie der Natronlaugetank an neue gültige Vorschriften des Wasserhaushaltsgesetzes angepasst werden. Im Löhner Klärwerk werden nicht nur die Abwässer der Werrestadt geklärt. Auch die Gemeinde Kirchlengern ist an das Klärwerk angeschlossen.

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