Gemeinsamer Unterricht: In Grundschulen werden auch Kinder mit erhöhtem Förderbedarf unterrichtet. Das führt oft zur Überforderung aller Betroffenen. - © dpa
Gemeinsamer Unterricht: In Grundschulen werden auch Kinder mit erhöhtem Förderbedarf unterrichtet. Das führt oft zur Überforderung aller Betroffenen. | © dpa

Löhne Inklusion: Eltern kämpfen für ihren Sohn

Die Eltern von Max waren schon kurz nach der Einschulung sicher, dass ihr Sohn auf der Regelschule nicht angemessen unterrichtet werden kann. Lange mussten sie für einen Schulwechsel kämpfen

Dirk Windmöller

Löhne. Die Beyblades flitzen durch die Kampfarena. Max (Name von der Redaktion geändert) lässt gerade zwei seiner Lieblingskreisel gegeneinander antreten. "Gegen Mama und Papa habe ich schon oft gewonnen", sagt er. Der sieben Jahre alte Junge unterhält sich mit dem Reporter, erzählt von Kampfkreiseln und den Abenteuern, die er und sein Freund mit ihnen erleben. Ganz so wie andere Jungen in diesem Alter einem von einem tollen Spiel berichten würden. Doch Max hat auch Phasen, in denen es ihm gar nicht gut geht. Harte Grundschulzeit Der Junge leidet an einer Form von Autismus. Weil das nach Überzeugung seiner Eltern zu spät erkannt wurde, schon im Kindergarten gab es Probleme, ist er im Sommer in eine Löhner Grundschule eingeschult worden. Erst nach langen Kämpfen und mit Einschaltung eines Anwalts ist es den Eltern gelungen, Max auf einer Förderschule anzumelden. Im Sommer 2016 wurde Max eingeschult. Eineinhalb Schuljahre verbrachte er in der Grundschule. "Das war ein harte Zeit", sagt seine Mutter. Wenn es um das Schreiben und Lesen ging, dann sei es immer besonders schwierig gewesen. "Die Hausaufgaben haben zwei Stunden gedauert", sagt Max' Vater. Es hätten sich oft schlimme Szenen am Küchentisch der gemütlichen Dachgeschosswohnung abgespielt. Der Junge habe geweint und geschrien, wenn es an die Hausaufgaben ging. Antrag auf Schulwechsel abgelehnt Die Eltern fühlten sich von Pädagogen und Schulamt völlig alleine gelassen. "Uns war von Anfang an klar, dass Max auf dieser Schule nicht angemessen gefördert werden kann", sagt seine Mutter. Dort sei er zwar in einer Förderklasse gewesen. Doch die geringfügige Unterstützung durch Fachkräfte habe noch nicht einmal im Ansatz ausgereicht. "Wir haben den Wechsel auf eine Förderschule beantragt." Das Schulamt des Kreises Herford habe das abgelehnt. "Max wurde lediglich zugestanden, weniger Hausaufgaben zu machen. Doch weniger war immer noch zuviel", sagt sein Vater. Die Eltern wollten sich damit nicht zufrieden geben. Sie wechselten den Kinderarzt und hätten das wahrscheinlich schon vor Jahren tun sollen. Der ehemalige Kinderarzt hat bei Max keine besonderen Auffälligkeiten erkannt. Dennoch hat er ihm 62 Einheiten-Ergo-Therapie verschrieben, ohne daraus weitere Schlüsse zu ziehen. "Ein Kind, das im Alter von sieben Jahren 62 Mal Ergo-Therapie gehabt hat, bei dem stimmt etwas nicht", hat der neue Kinderarzt zu den Eltern gesagt, als sie ihn dort vorstellten. Wahrnehmungsstörung diagnostiziert Dem neuen Arzt zeigten die Eltern auch ein Video, das sie von Max aufgenommen hatten, als er Hausaufgaben machte. Schreiend und weinend sitzt er in dem Film am Tisch. "Er hat ihn an das Sozialpädiatrische Zentrum des Johannes-Wesling-Klinikum in Minden überwiesen", sagt die Mutter. "Bei Max wurde eine visuelle Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung diagnostiziert", heißt es in dem medizinischen Bericht des Zentrums. "Es hat sich außerdem durch einen Gentest herausgestellt, dass Max eine Form von Autismus hat", ergänzt seine Mutter. Reaktion des Schulamtes enttäuschte die Eltern Die Folgen dieser Störungen seien erhebliche Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben. "In Folge dessen hat Max große Schulprobleme sowie Verhaltensauffälligkeiten entwickelt", schreibt die Medizinerin. Empfohlen wird, dass Max eine Förderschule besuchen soll. Darüber hinaus sei es unabdingbar, dass er eine Therapie in Form eines speziellen Visualtrainings erhalte. Das sei effektiv und nachhaltig. Die Reaktion des Schulamtes auf den Befund fiel aus Sicht der Eltern enttäuschend aus. "Die haben angeboten, dass Max die 1. Klasse wiederholen kann. Damit ist ihm aber nicht geholfen", sagt der Vater. Die Eltern schalteten den Anwalt Stefan Schlüter ein. Erst dann kam Bewegung in den Fall. "Ohne den hätten wird das nicht geschafft." Er erreichte, dass Max seit dem 8. Januar die Pestalozzi-Schule, eine Förderschule, in Bünde besucht. Dort gefällt es ihm und er blüht auf, hat sich sogar zum Geburtstag ein Buch gewünscht. "Wenn er länger auf der anderen Schule hätte sein müssen, dann hätte er bleibende psychische Schäden davon getragen, die über seine Krankheitssymptome hinausgegangen wären", ist sich seine Mutter sicher.

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