Spielt besonders gerne den Bösewicht: „Das sind die charakterstarken Rollen“, sagt Schauspieler Christian Redl. Der 69-Jährige mit der eindrucksvollen Stimme kommt nach Löhne in die Werretalhalle, um wahre Kriminalgeschichten aus dem Magazin Stern Crime vorzulesen. - © Jim Rakete
Spielt besonders gerne den Bösewicht: „Das sind die charakterstarken Rollen“, sagt Schauspieler Christian Redl. Der 69-Jährige mit der eindrucksvollen Stimme kommt nach Löhne in die Werretalhalle, um wahre Kriminalgeschichten aus dem Magazin Stern Crime vorzulesen. | © Jim Rakete

Löhne Christian Redl liebt düstere Rollen und liest in Löhne wahre Krimigeschichten

"Das Böse leuchtet mehr", findet der Schauspieler. Die Rollen seien eben besonders charakterstark. Im TV spielt Redl im Spreewaldkrimi den Kommissar, nach Löhne kommt er mit zwei wahren Kriminalgeschichten

Susanne Barth

Herr Redl, ob als Hammermörder, der Meister in Krabat, oder der Verdächtige im Tatort Bienzle und der Taximord, Sie schlüpfen oft in die Rolle des düsteren Mannes. Was fasziniert Sie daran besonders? Christian Redl: Vorab, Sie sprechen übrigens gerade mit der Stimme des Grauens. Mit der Stimme des Grauens? Redl: Ja, das hat eine Zeitung über mich getitelt. Furchtbar (lacht). Aber generell faszinieren mich die Abgründe des Menschen. Es gibt den wunderbaren Satz „das Böse leuchtet mehr". Für mich als Schauspieler sind es schlichtweg die interessanteren Charaktere. Das darf man moralisch nicht beurteilen, aber von der Struktur her, ist die dunklere Charakterrolle immer interessanter. Nervt es Sie denn, immer als Bösewicht dazustehen? Redl: Ich hatte über Jahrzehnte dieses Image. Auf der Bühne war es nie so, aber im Fernsehen ist man schnell in einer Schublade drin. Das kümmert mich aber nicht mehr. Ich habe jetzt zwischenzeitlich so viele andere Rollen gespielt, da bin ich schmerzfrei. Sie spielen unter anderem den Kommissar Thorsten Krüger in den Spreewaldkrimis. Redl: Wenn man als Schauspieler den Kommissar spielt, dann hast du es geschafft (lacht). Das ist ja sozusagen der Alters-Adelsschlag in Deutschland. Es waren eigentlich nie die interessantesten Rollen, doch das hat sich mit den neuen Tatorten gewandelt. Da sind es oft die Kommissare, die die stärksten Neurosen haben. Damit wird das Bild des herkömmlichen Kommissars aufgebrochen. Ich habe das Glück im Spreewald zu agieren, in einem märchenhaften Wald in dem es etwas unheimlich zugeht. Da werden seltsame Geschichten von seltsamen Leuten erzählt. So tief wie möglich in den Abgrund der Seele eintauchen Allein die Kulisse ist schon traumhaft.Redl: Die Kulisse spielt im Grunde auch immer die Hauptrolle. Der Wald ist der Hauptdarsteller und die Menschen, die sich darin bewegen, spielen die Nebenrolle. Bevor Sie mit dem Fernsehfilm „Der Hammermörder" 1990 im TV den Durchbruch hatten, waren Sie auf den Theaterbühnen Deutschlands unterwegs und haben etliche komödiantische Rollen verkörpert. Ist die Vielfalt der Rollen das Spannende am Schauspielerdasein? Redl: Das ist das große Privileg, die riesen Chance. Als Schauspieler erleben man einiges und lernt ganz viel über den Menschen, da man sich mit den unterschiedlichesten Verhaltensweisen beschäftigt. Welche Tat klären Sie als Kommissar am liebsten auf? Redl: Die Schlimmsten vom Schlimmsten wie die von Serienmördern. Dabei tauche ich so tief wie möglich in den Abgrund der menschlichen Seele, in das Dunkle, ein. In Löhne lesen Sie am 22. Februar aus dem Stern-Magazine Crime. Wie kam es dazu, dass Sie das Gesicht der Lesung geworden sind? Redl: Der Stern hat mich direkt gefragt. Sie kannten mich, wussten was ich mache und wollten diese Stimme und das ich die Texte physisch präsentiere. Als etwas älterer Mann, der schon einiges hinter sich hat (lacht). Krimis bannen die Menschen Was mögen Sie an dieser Zeitschrift?Redl: Die Crime ist nichts anderes als eine Reise in die Finsternis der menschlichen Seele, wie abartig Menschen handeln können. Ich habe damit nichts zu tun, aber es fasziniert mich. Die Anlage haben wir glaube ich alle, ob wir es ausleben, ist eine zweite Frage. Wie dürfen wir uns den Crime-Abend vorstellen? Redl: Es ist die einfachste Situation, Tisch, Stuhl, eine kleine Lampe, der Text und ich. Dann fange ich an zu lesen, zusätzlich gibt es ein paar Diaprojektionen, die die Menschen, um die es sich dreht, und die Tatorte zeigen. Um die Lesung zu strukturieren, gibt es Zensuren mit Musik. Aber der Abend lebt vom Text. Und den muss ich auf eine Art und Weise präsentieren, dass mir die Zuschauer gebannt folgen. Wie kam es zur Auswahl der Geschichten? Redl: Die beiden Geschichten die ich vortrage, durfte ich selbst auswählen. Es gibt ja reichlich Material. Können Sie schon was verraten? Redl: Das möchte ich nicht. Aber so viel kann ich sagen. Die ersten Sätze führen einen genau hin, man braucht keine zusätzlichen Erklärungen. Die Geschichten erzählen das, was erzählt werden muss. Spannend ist, was der Text mit einem macht. Was gruselt Sie persönlich? Redl: Richtig gruselt mich eigentlich nichts. Ich habe zu meinen Rollen und den Geschichten einen Abstand. Ich bin nur der Überträger der schlimmen Botschaft. Was mich daran fasziniert, ist das Unvollstellbare, das Böse wozu ein Mensch fähig ist. Das scheint auch ein Gros der Gesellschaft zu bannen. Redl: Stimmt. Nicht umsonst gibt es eine Flut von Krimis im Fernsehen. Es ist ein Format, dass die Menschen am meisten interessiert. Man kann sich ein bisschen gruseln, Anteil nehmen, aber bleibt eben doch auf Distanz. Die Geschichten der Crime gehen da noch einen Schritt weiter. Redl: Das ist der eigentliche Clou der Crime. Es sind wahre Geschichten, die eben so passiert sind. So ist der Schrecken noch ein bisschen größer. Diese Geschichten muss man schon verdauen, das ist nicht so einfach. Hier gibt's Tickets: Christian Redl liest am Donnerstag, 22. Februar, wahre Kriminalgeschichten in der Werretalhalle vor. Karten gibt es bei der Neuen Westfälischen, Lübbecker Straße 9, beim Kulturbüro oder unter erwin-event.de

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