Amtsgericht: 48-jähriger Lagerverwalter aus Bad Oeynhausen bot fremde Schuhe als Restposten an. - © dpa
Amtsgericht: 48-jähriger Lagerverwalter aus Bad Oeynhausen bot fremde Schuhe als Restposten an. | © dpa

Löhne/Bad Oeynhausen Lagerverwalter verkaufte 20 Paletten mit fremden Schuhen

Die Staatsanwaltschaft geht von 2.380 Euro Schaden aus. Einem Löhner Schuhgroßhändler sind dadurch wohl 30.000 Euro durch die Lappen gegangen

Ulf Hanke

Löhne/Bad Oeynhausen. Ein Lagerverwalter aus Bad Oeynhausen hat Schnäppchenjäger im Internet mit heißer Ware bedient. Der 48-Jährige verkaufte übers Internet-Auktionshaus eBay palettenweise nagelneue Schuhe aus Fernost, die ihm nicht gehörten. Die Ware stammte wohl zum Großteil aus dem Lagerbestand eines Schuh-Großhändlers aus Löhne. Laut Anklage handelte es sich etwa um eine Lastwagenladung voll neuwertiger Schuhe: 20 Paletten mit diversen Resten, Mustern und Einzelstücken im Wert von 2.380 Euro, die der Angeklagte an einen einzigen Kunden verkauft haben soll. Während der Verhandlung vor dem Amtsgericht Bad Oeynhausen wurde jedoch deutlich, dass der Schaden bei der betroffenen Firma womöglich deutlich höher ausgefallen ist. Der Firmenchef bezifferte den Verkaufspreis der Schuhe mittlerer Qualität aus Leder und Kunstleder auf 20.000 bis 30.000 Euro. Zum Schaden befragt, sagte der Unternehmer, der bei seiner Zeugenvernehmung selbst Markenschuhe von Tommy Hilfinger trug, "mindestens 1.000 Euro pro Palette". Mitarbeiter seiner Firma Schuhwerk aus Löhne-Melbergen hätten den Schaden erst bei einer Inventur bemerkt. Der Verkaufsleiter der Firma hatte sich darüber gewundert, dass die Auslieferung eines wichtigen Großauftrags immer wieder vom Lagerverwalter hinausgezögert wurde und gefährlich nahe an den Liefertermin rückte. Der Lagerverwalter war nach eigener Auskunft als selbstständiger Kleinunternehmer für die Kommissionierung von Waren zuständig und arbeitete nicht nur für die Firma Schuhwerk, sondern auch für andere Unternehmen, die in dem Lager in Löhne Waren aufbewahrten. Bei der Schuh-Inventur wurde sogar ein Warenfehlbestand im Wert von 92.000 Euro ermittelt, erklärte der Firmenchef vor Gericht. Ob dieser Schaden komplett auf das Konto des Lagerverwalters aus Bad Oeynhausen geht, ist unklar. Die Staatsanwaltschaft war davon überzeugt, dem Angeklagten Unterschlagung von Waren im Wert von 2.380 Euro nachweisen zu können. Der Angeklagte wollte sich dazu erst gar nicht äußern und stritt ab, dass auf den 20 Paletten überhaupt Schuhe waren. Vielmehr habe es sich teilweise um Textilien und Rückläufer gehandelt, die er selbstständig im Internet habe verkaufen dürfen. Zudem habe es mehrere Schlüssel zum Warenlager gegeben, er sei nicht der einzige Mitarbeiter mit Zugang gewesen. Erst nach mehreren Hinweisen des Richters und der Anklagevertreterin, dass sich ein Geständnis strafmildernd auswirken würde, ließ sich der Bad Oeynhausener auf ein Teilgeständnis ein: Etwa die Hälfte der Paletten sei womöglich mit fremden Schuhen bestückt gewesen. "Halbe, halbe", sagte der Angeklagte. Er lebt von Sozialhilfe und sucht Arbeit. Das Gericht sprach den Mann schließlich wie von der Staatsanwaltschaft gefordert wegen Unterschlagung schuldig. Der Lagerverwalter habe die angeklagten Vorwürfe "im Großen und Ganzen eingeräumt". Der 48-jährige Bad Oeynhausener hatte keine Vorstrafen und das wird nach dem Urteil so bleiben. Der Richter verhängte eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 15 Euro (900 Euro) und blieb damit unter der Eintragungsgrenze von 90 Tagessätzen. Da auf eine Revision verzichtet wurde, ist das Urteil rechtskräftig.

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