Löhne Löhne fehlt das Geld für alle Brücken

Notwendige Sanierung und Neubau kostet 688.250 Euro / Kämmerer stellt 150.000 Euro bereit

Diese Stützmauer entlang der Oeynhausener Straße an der Nordbahn hat nur die Note 3,8 bekommen und muss dringend saniert werden. Kostenpunkt: 14.280 Euro.
Diese Stützmauer entlang der Oeynhausener Straße an der Nordbahn hat nur die Note 3,8 bekommen und muss dringend saniert werden. Kostenpunkt: 14.280 Euro.

Löhne. Brückenprüfer Dr. Wolfgang Tiemann richtete deutliche Worte an Politik und Verwaltung: "Sie haben über Jahre nichts getan", sagte der Ingenieur bei seinen Erklärungen zu den Prüfergebnissen am Mittwochabend im Bauausschuss. Der Grund: Die Stadt hat kein Geld und kein Personal, um die Brücken zu unterhalten. Inzwischen sind mehr als ein Drittel aller Brücken der Stadt marode und dringend sanierungsbedürftig. Tiemann: "Zwei Bauwerke müssten sofort geschlossen werden."

Dabei handelt es sich um den Durchlass des Sudbaches unter der Goethestraße und den Durchlass des Löhner Schulbaches unter der Brunnenstraße. Beide Brücken sind durch die Prüfung gerasselt und haben die schlechteste Note, eine 4,0, bekommen. Die Brücken dürfen nur deshalb noch befahren werden, weil Baudezernent Wolfgang Helten Sofortmaßnahmen eingeleitet hat. Der Bauausschuss stimmte zu.

Diese Brücke über den Sudbach führt von der Weihestraße zum alten Gohfelder Bahnhof und hat nur die Note 3,8 bekommen. Ein Neubau würde 36.500 Euro kosten.
Diese Brücke über den Sudbach führt von der Weihestraße zum alten Gohfelder Bahnhof und hat nur die Note 3,8 bekommen. Ein Neubau würde 36.500 Euro kosten.

In den nächsten Tagen wird die verbleibende Tragfähigkeit der Bauwerke ermittelt, um auf der Grundlage aktueller Verkehrszählungen weitere Entscheidungen zu fällen. Je nachdem, zu welchem Ergebnis die Statiker kommen, darf künftig weniger Verkehr oder weniger Gewicht über die Brücke rollen. Möglicherweise kann die Stadt die Brücken aber auch mit Behelfsstützen über die Zeit zur Sanierung retten.

Weil Löhne kein Geld in der Kasse hat, um die Sanierungen aus eigener Tasche zu bezahlen, will Baudezernent Helten Fördermittel vom Land anzapfen, um die beiden Bauwerke vor der Sparkasse in Gohfeld und vor dem Markant-Markt in Löhne-Ort zu finanzieren. Löhne könnte aber erst im Jahr 2016 in ein entsprechendes Förderprogramm rutschen, erklärte der Baudezernent nach Rücksprache mit der Bezirksregierung. Helten: "Bis dahin müssen wir uns mit den Maßnahmen Luft verschaffen."

Kämmerer Bernd Poggemöller muss derweil 150.000 Euro für Sofortmaßnahmen an den verbleibenden 21 Brücken in den Haushalt einplanen. Eigentlich wäre für die dringendsten Sanierungen eine Summe von 382.250 Euro nötig, hat Brückenprüfer Tiemann errechnet. Hinzu kommen seinen Angaben nach 304.000 Euro für notwendige Neubauten. Der Bauausschuss beschloss, dass die Verwaltung einen Sanierungsplan für die nächsten fünf Jahre vorlegt, um die dringendsten Schäden zu beheben.

Diese Brücke über die Südbahn hat die Note 3,0 bekommen. Die Sanierung kostet 57.400 Euro. - © FOTOS: DIRK WINDMÖLLER
Diese Brücke über die Südbahn hat die Note 3,0 bekommen. Die Sanierung kostet 57.400 Euro. | © FOTOS: DIRK WINDMÖLLER

Es ist absehbar, dass weitere Kosten auf die Stadt zu kommen. Von 65 Brücken in Löhne sind nur 13 in gutem oder sehr gutem Zustand. Die Bestnote bekommt die Jüngste, die Adolf-Blomeyer-Brücke über die Werre am Gymnasium. Aber 23 Brücken kommen auf die Note ausreichend und 23 Brücken sind marode.

Auch auf der Aqua Magica hat Tiemann einen Kandidaten fürs Durchfallen entdeckt: die Dschungelbrücke auf der Allee des Weltklimas. Dort seien zwei Quadratmeter Holz bereits verfault. "Sie sollten sich überlegen, ob Sie weiter auf Holz setzen", sagte Tiemann auch mit Blick auf andere Brücken in der Stadt. "Brücken brauchen Unterhaltung", sagte Tiemann. "Und Sie haben kein Personal." Die Folge: "Die Brücken versiffen." Der Prüfer empfahl dem Ausschuss drei Alternativen: Brücken aufgeben (wie bereits beschlossen die Brücke am Brautkamp über den Mittelbach); Brücken sanieren oder abstufen (wie am Klärwerk über den Rehmerloh-Mennighüffener Mühlenbach) oder Brücken neu bauen.

Horst-Martin Büttner (CDU) nannte das Prüfergebnis "eine Klatsche" und CDU-Fraktionschef Florian Dowe wollte die vorherigen Ergebnisse wissen, um den Verfall bewerten zu können. Doch die lagen dem Baudezernent am Mittwoch nicht vor. Helten vor dem Ausschuss: "Und die sind auch nur unvollständig vorhanden."

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