Kleines Kunstwerk: Heinz Steinmeier und seine Koreakarte aus den frühen 50ern. Sehr schön zu erkennen sind die innerkoreanische Grenze und die wenigen Eisenbahnstrecken in den beiden Ländern. - © Meiko Haselhorst
Kleines Kunstwerk: Heinz Steinmeier und seine Koreakarte aus den frühen 50ern. Sehr schön zu erkennen sind die innerkoreanische Grenze und die wenigen Eisenbahnstrecken in den beiden Ländern. | © Meiko Haselhorst

Kirchlengern Wie sich Geschichte wiederholt

Korea-Krise: Heinz Steinmeier (78) hat eine Karte aufgehoben, die er als Schüler in den frühen 50ern zu dem Thema malen musste. Sein Fazit: Der Mensch lernt nichts dazu

Meiko Haselhorst

Kirchlengern. Etwas vergilbt sind die Ränder, ansonsten hat sich das Blatt Papier tadellos gehalten. Dass es fast 70 Jahre alt ist, sieht man ihm nicht an. Zumal sich darauf eine Abbildung befindet, die in diesen Tagen brandaktuell ist: eine Landkarte von Nord- und Südkorea, nebst Nachbarländern. Zurzeit wieder eine Krisenregion. Vor knapp sieben Jahrzehnten war das nicht anders. "Die Karte war eine Hausaufgabe von Lehrer Tiemeyer", erinnert sich Heinz Steinmeier, der von 1946 bis 1954 die Volksschule in Klosterbauerschaft besucht hat. So richtig hat er?s nicht mehr vor Augen, "aber ich werde wohl nachmittags oder abends an dem Tisch gesessen haben, an dem meine Mutter Zigarren drehte - so wie immer". Die Arbeit ist ihm gut gelungen: Mit dem Lineal gezogene Breiten- und Längengrade, darauf die Umrisse der erwähnten Länder, ausgemalt mit Wasserfarbe. Der 38. Breitengrad, die innerkoreanische Grenze, erzählt Steinmeier, sei ihm auch nach 65 Jahren noch im Gedächtnis geblieben. "Da mussten wir einen dicken roten Strich ziehen", sagt er. Außengrenzen und Eisenbahnschienen sind ebenfalls zu Papier gebracht. "Der Koreakrieg beschäftigte die Menschen damals sehr. Immerhin war der Weltkrieg gerade erst vorbei - da hatte man Angst vor dem nächsten", so der 78-Jährige weiter. Über Radio und Tageszeitung habe man sich auf dem Laufenden gehalten. Die Lehrer gaben ebenfalls ihr Bestes, den Schülern den Sachverhalt zu erklären. Ganz einfach war das nicht: Ab 1894 war das Kaiserreich Korea unter die Vorherrschaft Japans geraten und 1910 von Japan annektiert worden. Nach der Kapitulation Japans 1945 wurde Korea nicht befreit, sondern unter den Siegermächten des zweiten Weltkriegs in zwei Besatzungszonen geteilt. Der Koreakrieg war dann eine Auseinandersetzung zwischen der kommunistischen Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) mit der Volksrepublik China auf einer Seite und der westlich geprägten Republik Korea (Südkorea) mit Truppen der Vereinten Nationen - unter Führung der USA - auf der anderen. Nordkorea wollte damit die Wiedervereinigung Koreas unter eigener Führung erzwingen. Die Angst der Deutschen vor einem Dritten Weltkrieg Als am 25. Juni 1950 nordkoreanische Truppen Südkorea angriffen, leisteten zunächst amerikanische Streitkräfte den südkoreanischen Truppen die erbetene Hilfe. Nachdem auch UN-Truppen in die Kämpfe einstiegen, erweiterte sich der Konflikt zum Krieg mit internationaler Beteiligung. Insbesondere in Deutschland löste der Konflikt Befürchtungen aus, es könne zum Dritten Weltkrieg kommen. Nicht zuletzt, weil US-Präsident Harry S. Truman unverhohlen mit dem Einsatz einer Atombombe gegen China drohte. Eine Drohung, die man ernst nehmen konnte - Truman hatte ja nur wenige Jahre zuvor den Abwurf der Atombomben über Japan befehligt. Nach zähen Verhandlungen wurde am 27. Juli 1953 jedoch ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen, das den Vorkriegsstatus weitgehend wiederherstellte. Bis dahin waren 940.000 Soldaten und etwa drei Millionen Zivilisten getötet worden. Nach dem Krieg scheiterten Bemühungen um die Wiedervereinigung Koreas - vermutlich verfestigte die militärische Auseinandersetzung die Teilung des Landes sogar noch zusätzlich. Chinesische Truppen blieben bis 1958 in Nordkorea, US-Truppen sind bis heute in Südkorea stationiert. Einen Friedensvertrag gibt es nicht. Im Moment scheint er ferner denn je: In Korea rasselt ein wahnsinniger Diktator mit dem Nuklearsäbel - und dem US-Präsidenten fällt nichts Besseres ein, als mit "Wut und Feuer, wie es die Welt noch nicht gesehen hat" zurück zu drohen. Die Protagonisten heißen heute Donald Trump und Kim Jong-un. "Ansonsten hat sich nicht viel geändert - der Mensch lernt nicht wirklich dazu", lautet Heinz Steinmeiers ernüchterndes Fazit.

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