125 Jahre alt: Das Dokument von 1892, aus dem Hans Beinkämpen interessante Infos zum Bünder Bahnhof herausgefiltert hat. - © Meiko Haselhorst
125 Jahre alt: Das Dokument von 1892, aus dem Hans Beinkämpen interessante Infos zum Bünder Bahnhof herausgefiltert hat. | © Meiko Haselhorst

Bünde Als in Bünde noch richtig Dampf drin war

Eisenbahngeschichten: Hans Beinkämpen hat ein Buch zusammengestellt, das interessante Einblicke ins goldene Zeitalter des Bünder Bahnhofs bietet

Meiko Haselhorst

40 Jahre lang war er Eisenbahner. „Das war noch eine ganz andere Zeit“, sagt Hans Beinkämpen. Vor ihm auf dem Tisch liegt ein Stapel schwerer Bücher, Bilder und kopierter Seiten. Gesammelt im Laufe der Jahre. „Hat alles mit Eisenbahn zu tun“, sagt der 75-Jährige. Und stammt aus einer Zeit, die noch ein gutes Stück weiter zurückliegt – vieles aus dem 19. Jahrhundert. Beinkämpen zieht ein Buch aus dem Stapel. „Bahnhof Bünde im Wandel der Zeit“, lautet der Titel. Oben ein leicht verschwommenes Bild, das den Bünder Bahnhof in grauer Vorzeit zeigt – unten ein gestochen scharfes und relativ aktuelles Bild vom selben Gebäudekomplex. „Hab’ ich mal nur so aus Spaß und nur für mich zusammengestellt“, sagt der Bünder. „Können Sie ja mal durchblättern.“ Gleich auf der ersten Seite erfährt der Leser: „Am 21. November 1855 pfiff die erste Lokomotive in Bünde.“ Sie war unterwegs von Osnabrück nach Löhne, eine Strecke, die an diesem Tag eröffnet wurde – und an die sich die legendäre Köln-Mindener Eisenbahn anschloss. Die „Königlich Hannoversche Eisenbahn-Direction“ lud für diesen Tag zu einer Feier, „zu welcher die ganze Bürgerschaft eingeladen ist“. Es ist davon auszugehen, dass viele Bünder dieser Einladung folgten.19 Arbeiter standen im Bahnhof in Lohn und Brot Wer das Buch durchblättert, sieht jede Menge Schwarz-Weiß-Fotos aus dem 19. und aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aber auch Farbfotos mit 70er-Jahre-Gelbstich und schicken Lokomotiven von damals – und fast aktuelle Aufnahmen aus den 2000er Jahren. Besonders aufschlussreich und geradezu spektakulär im Vergleich zu heutigen Verhältnissen sind aber einige kopierte Seiten aus der „Beschreibung und Statistik der Stationen des Eisenbahn-Directions-Bezirks Hannover“. Die Übersicht wurde 1892, also vor genau 125 Jahren herausgegeben. In altdeutscher Schrift und in alphabetischer Reihenfolge sind sämtliche Stationen mit ihren bedeutenden gewerblichen Anlagen verzeichnet. Bünde – damals laut Dokument eine kleine Stadt mit 2.916 Einwohnern – ist auch dabei.Dienstwohnungen für die wichtigsten Mitarbeiter Interessant ist unter Punkt III: „Uneingeschränkter Tages- und Nachtdienst für die Personenabfertigung, Beleuchtung durch Petroleum, zwei „Wasserkrähne“ , Trinkwasser aus dem Stationsbrunnen.“ Fast noch erstaunlicher ist die Anzahl der Menschen, die 1892 am und im Bahnhof arbeiteten: „Ein Stations-Vorsteher, zwei Stations-Assistenten und zwei desgleichen für den Expeditionsdienst, sowie zwei Hülfsbeamte, zwei Weichensteller, zwei Hülfsweichensteller, vier Güterbodenarbeiter, drei Stationsarbeiter und ein Hülfsnachtwächter.“ Für den Stationsvorsteher, so ist dem Text zu entnehmen, stand eine Dienstwohnung direkt im Stationsgebäude zur Verfügung. Heute würde es wohl niemand mehr als Privileg empfinden, so nahe an den Bahngleisen zu leben. In einem Nebengebäude wohnten auch die zwei Weichensteller. Alle Wohnungen, so ist ferner vermerkt, verfügten auch über „Dienstland“. Der Bahnhof von Bünde als Wohnraum und Arbeitgeber für 19 Menschen – heute nur schwer vorstellbar. Um es mit Beinkämpens Worten zu sagen: „Das war noch eine ganz andere Zeit.“

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