Kirchlengern Wie junge Igel durch den Winter kommen

Katharina Peitzmeier hat einen abgemagerten Igel im Garten gefunden

Meiko Haselhorst

Kirchlengern. Raschel, raschel, schnauf, schnauf - in dem großen Papierhaufen im Karton tut sich was. Eine kleine schwarze Rüsselnase kommt zum Vorschein, danach ein stacheliger Körper. "Da ist ja mein Igelchen", sagt Katharina Peitzmeier. "Igelchen" war ihr am 12. November im Garten begegnet, in denkbar schlechtem Zustand. Hungrig verschlang er das hingestellte Katzenfutter. Sofort war klar: Ohne Hilfe schafft es dieser Winzling nicht durch den Winter. Peitzmeier - die gelernte Fußpflegerin hatte zuvor noch nie mit den Stacheltieren zu tun gehabt - machte sich erst mal im "Igelhotel" in Lübbecke schlau. Pflege ist ja nicht gleich Pflege, Igel sind keine Füße. Nach ausgiebiger telefonischer Beratung und Anleitung entstand dann im heimischen Heizungskeller ein improvisiertes Igel-Lazarett. Ganz wichtig war zunächst ein geräumiger Karton, der mit Zeitungsseiten ausgelegt wurde. Als Versteck und Bett kam ein Haufen aus zerknüllten Zeitungsseiten in die Papp-Behausung. "Wofür die Neue Westfälische nicht alles gut ist", sagt die Frau aus Südlengern-Dorf mit einem leicht süffisanten Grinsen. Beim Thema Ernährung kann man viel falsch machen - das ist nicht nur beim Menschen so. Dass Igel keine Milch trinken sollten, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Aber was dann? "Gekochtes Hühnchen und Katzenfutter", lautet Peitzmeiers Antwort. Jeden Tag stelle sie ihrem Schützling davon einen Teller voll in den Karton. "Manchmal auch Rührei, zur Abwechslung." Nachts verlässt Igelchen dann seinen Papierhaufen und macht sich über das Essen her. "Und Wasser ist auch ganz wichtig", ergänzt Peitzmeier. Um Durchfall zu vermeiden, bekommt Igelchen ein spezielles Pulver ins Essen. "Sonst ist die Schweinerei im Karton noch größer als ohnehin schon", erklärt Peitzmeier. "Die Zeitungen müssen auch so schon sehr regelmäßig ausgetauscht werden." Vitamine, so Peitzmeier, würden ebenfalls in Pulverform unter das Essen gemischt. "Und gegen Flöhe, Läuse und Zecken haben wir hier ein Spray", sagt sie und holt eine Dose hervor. Um nicht den Überblick zu verlieren, führt sie eine Liste, in der sie jeden Tag alles einträgt, was in punkto Igelchen von Belang ist. Ende November ist da selbstredend auch der Besuch der NW vermerkt . . . Igelchen hat einen gesegneten Appetit. "Muss er auch haben", sagt die Igelmama. "Als ich ihn gefunden habe, wog er 180 Gramm - der passte locker auf eine Hand." Viel zu leicht und zu klein für einen jungen Igel im November. Peitzmeier vermutet, dass der sehr warme September die hiesigen Igel zu späten Nachwuchsplänen verführt hat. "Und dann war auf einmal der Herbst da und die Igel waren noch viel zu klein, um durch den Winter zu kommen." Wahrscheinlich, so Peitzmeier weiter, habe Igelchen noch weitere Geschwister. "Ich schaue schon immer im Garten nach, ob da noch welche rumlaufen." Igelchen macht jedenfalls gute Fortschritte. "Jetzt hat er knapp 400 Gramm", erzählt Peitzmeier mit Blick auf die alte Küchenwaage, die sie für Igelchen spontan zweckentfremdet hat. Mittlerweile muss sie ihren Schützling schon in zwei Hände nehmen. Im Moment wird das volle Pfund angepeilt. "Und wenn er dann 600 Gramm draufhat, ist er über den Berg - zu Weihnachten ist es hoffentlich soweit." Nach draußen geht's dann aber noch nicht. Den Winter über kommt Igelchen in die Garage, bei Wasser und Trockenfutter. Erst im Frühling geht's zurück in den Garten. Katharina Peitzmeier glaubt, dass sie es mit einem Weibchen zu tun hat - einen Zipfel im Bauchbereich konnte sie jedenfalls nicht entdecken. "Und wenn sie dann selbst Familie hat", so ihre leise Hoffnung, "schaut sie ja vielleicht mal mit den Kindern vorbei."

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