Kirchlengern Warum der Korb beim Pilzsammeln leer bleibt

Der bislang sehr trockene Herbst sorgt für einen kargen Saisonauftakt. Experte Hans-Dieter Wolf macht auf einem Spaziergang im Doberg trotzdem das ein oder andere Exemplar aus

Meiko Haselhorst

Kirchlengern. Dass am Ende der Exkursion kein voller Korb mit leckeren Pilzen auf dem Küchentisch stehen würde, ist schon vorher klar. Erstens hat Hans-Dieter Wolf gar keinen Korb mitgenommen, zweitens darf man im Naturschutzgebiet Doberg nichts für die Pfanne sammeln. Drittens - und das ist derzeit des Pilzesammlers Hauptthema - ist der Herbst bis jetzt zu trocken. "Kein Regen, keine Pilze", lautet die einfache Gleichung. Aber die Augen des "Pilzfreunde-Herford"-Gründers sind geübt. "Irgendwas werden wir schon finden", sagt er und marschiert drauflos. Wolf hat mit seinem Vater schon als Dreikäsehoch Steinpilze gesammelt. Er ist an der einstigen innerdeutschen Grenze aufgewachsen. Viel Wald, viel Natur - für Pilzfreunde ein Eldorado. Die Leidenschaft hat ihn sein Leben lang begleitet, auch "in die Bücher geguckt" habe er zwischendurch immer wieder. Zum Fachmann ist er aber erst nach seiner beruflichen Laufbahn geworden. 2007 besuchte er einen Vortrag zum Thema "Pilze im Winter" - und stellte fest, dass in puncto Expertise noch Luft nach oben war. Wolf machte seinen Pilzberaterschein, gründete zunächst einen Stammtisch - und dann besagten Herforder Verein. Einige Pilze sind schwierig zu bestimmen "Da haben wir doch schon was", sagt er nach ein paar Metern Spaziergang und zeigt auf ein Grüppchen Pilze, die in einem Bilderbuch für Kinder den perfekten Regenschirm für die Schnecke Schnörkel abgäben. Wolf schaut auf die Lamellen und auf den Stiel. Der verrät ihm: ein Faserling, nicht genießbar. Ein paar Meter weiter steht am Rande einer kleinen Pfütze ein weiteres Pilz-Grüppchen im Matsch. "Das könnten Schwindlinge sein", sagt Wolf. "Sind aber nicht ganz einfach zu bestimmen - auch nicht für einen, der was davon kennt." Fest steht jedenfalls: Auch dieser Pilz ist nicht für den Verzehr bestimmt. Wieder ein paar Schritte weiter stehen ein paar richtig dicke Brummer im Laub. Diesmal fällt die Bestimmung nicht schwer: Es ist der "Kahle Krempling". Als "Speckpilz", erzählt Wolf, sei er in Notzeiten früher häufig verspeist worden - allein schon durch seine Größe gab er eine ordentliche Mahlzeit ab. Mittlerweile, so der Herforder, gebe es aber mindestens sechs nachgewiesene Todesfälle durch den Verzehr des Kahlen Kremplings, weshalb er heute definitiv zu den Giftpilzen gehöre. Steinpilze wachsen erst bei viel Feuchtigkeit Apropos: Der Giftigste unter den Giftpilzen ist in Deutschland der Grüne Knollenblätterpilz - der schönste wohl zweifellos der rot-weiße Klassiker aus dem Märchen, der Fliegenpilz. Und wie sieht's mit essbaren Klassikern aus, mit Steinpilzen zum Beispiel? "Dafür müsste die Feuchtigkeit schon etwas tiefer ins Erdreich vorgedrungen sein", erklärt Wolf. Das bisschen Regen der letzten Tage reiche dafür nicht aus. Und Champignons? "Denen reicht tatsächlich schon ein bisschen Feuchtigkeit an der Oberfläche - aber die findet man nur auf der Wiese, nicht im Wald", sagt Wolf. Wenn's heute Abend Pilze geben soll, wird Wolf wohl an den Vorratsschrank gehen müssen. Aber das hatten wir ja schon. Regen erwünscht Dass es mit dem Pilzesammeln in diesem Jahr noch nicht so richtig rund läuft, grämt Hans-Dieter Wolf nicht weiter. Er hat noch weitere Hobbys. Außerdem habe er auch schon mal am zweiten Weihnachtstag sehr erfolgreich gesammelt. Solange es nicht richtig friert, sagt der Sammler, bestehe noch Hoffnung. "Wenn es jetzt mal ein oder zwei Wochen am Stück regnet, kommen auch ganz schnell die Pilze", sagt Wolf. Ein Wetterwunsch, mit dem er sich wohl von allen Nicht-Pilzfreunden abheben dürfte.

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