Stilecht aus den 60er Jahren: Martin Brosend auf dem Minisofa in seinem Wohnwagen. - © Meiko Haselhorst
Stilecht aus den 60er Jahren: Martin Brosend auf dem Minisofa in seinem Wohnwagen. | © Meiko Haselhorst

Kirchlengern Mini-Wohnwagen: Urlaub auf zwei Metern Länge

Martin Brosend hat sich vor vielen Jahren ein altes DDR-Relikt gekauft und es nach 20 Jahren in der Scheune wieder aufgemöbelt. Die nächste Fahrt ist geplant

Meiko Haselhorst

Kirchlengern. Von der sperrhölzernen Wand blickt schwarz-weiß und ernst wie immer Walter Ulbricht, daneben hängt ein blauer FDJ-Wimpel. "Das sind so Sachen, die habe ich irgendwann mal aufgehängt", sagt Martin Brosend. Ansonsten hat er wenig verändert in seinem Wohnwagen, der weltweit einer der kleinsten seiner Art sein dürfte. Wenn Brosend im Inneren die Arme ausbreitet, kann er mit den Fingerspitzen vorderes und hinteres Ende gleichzeitig berühren. "Und das, obwohl ich nicht sehr groß bin", sagt der 56-Jährige und lacht. "Weferlinger Heimstolz" heißt das Modell, benannt nach der Stadt Wefelingen, in dem es hergestellt wurde. Martin Brosends Exemplar wurde 1969 gebaut. "Gekauft hab? ich ihn mir 1992, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion", erzählt Brosend. Auf einem Käfertreffen sei ihm das Modell zum allerersten Mal begegnet, danach in einer Anzeige einer Fachzeitschrift. "Ich hab? mich dann ganz schnell mit einem Kumpel auf den Weg nach Berlin gemacht, über Nacht", erzählt Brosend. Und es sei nicht bei dem Kauf des Mini-Wohnwagens geblieben. "Mein Kumpel hat bei der Gelegenheit gleich noch einen Buggy mitgenommen", sagt Martin Brosend. Damals, so der gelernte Maurer und spätere Lagerist, habe es nicht lange gedauert und er habe sich auf den Weg in den ersten Urlaub gemacht. "Über die belgische und holländische Küste rüber zur Ostsee, erst ehemalige DDR, dann Polen", skizziert Brosend seine Reiseroute. "Der Wagen liegt ein bisschen zappelig auf der Straße, aber ist ja klar bei der Größe und dem geringen Gewicht", sagt Brosend. Alter VW-Käfer als "Zugmaschine" Als "Zugmaschine" diente dem Oldtimer-Fan ein alter VW-Käfer. "Was für Trabbi gemacht ist, geht auch mit Käfer", sagt Brosend und lacht. Zweieinhalb Wochen sei er damals unterwegs gewesen, und - nicht zuletzt wegen seiner fahrbaren Untersätze - habe er viele Leute kennengelernt. "Vermisst habe ich gar nichts", beteuert er. "Warum auch? Hier ist doch alles drin", sagt er und erklärt kurz die Funktionsweise seines Urlaubsmobils. Das Wichtigste zuerst: "Wenn ich den Tisch nach unten klappe, habe ich ein Bett, das ist 1,95 Meter lang und 1,12 Meter breit - das ist doch voll okay." Wenn der Tisch oben ist, könnten er und sogar eine etwaige Begleitung auf einem Mini-Sofa mit schicken 60er-Jahre Bezügen Platz nehmen. Genügend Stauraum gebe es auch, sagt er und zieht und klappt diverse Schubladen und Türen auf. Selbst den nötigen Platz für einen Gaskocher gebe es hier, sagt Brosend und zeigt auf eine kleine Arbeitsplatte aus Metall und den nach unten offenen Raum für die Gasflasche. Eine Bettpfanne für den Notfall Nur für den Gang zur Toilette müsse er über den Campingplatz gehen. "Für Notfälle habe ich die hier dabei", sagt Brosend und hält lachend eine Bettpfanne in die Luft. "Hab' ich aber erst einmal Gebrauch von machen müssen", sagt er. "Ist auch mehr so als Gag gedacht, wenn ich mit dem Wagen auf Oldtimer-Treffen unterwegs bin." Trotz seiner unverhohlenen Liebe zu dem winzigen Vehikel stand Letzteres bis vor gar nicht allzu langer Zeit eingemottet in einer Scheune. "Ich hatte da noch andere Fahrzeuge stehen und irgendwie verschwand der Wohnwagen immer weiter hinten", erklärt Brosend und zuckt mit den Schultern. 20 Jahre lang. "Stand aber immer schön trocken, die Außenfarbe war abgeschliffen und die Scheiben hatte ich rausgenommen." Als er im vergangenen Jahr mal ein bisschen Ordnung schaffen wollte, sei er wieder auf den Geschmack gekommen und habe das alte Schätzchen fit gemacht und angemeldet. "Und der Plan ist, damit noch mal ein bisschen auf Reisen zu gehen", sagt Martin Brosend und klopft auf das Dach seines alten Weferlingers. Zugmaschine diesmal: Ein ebenfalls sehr zierlicher Nissan Pixo. Weitere Bekanntschaften sind gesichert.

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