Zeigt Präsenz in der Gemeinde: Polizist Dirk Tiemann hat sein Büro im Rathaus. - © Foto: Meiko Haselhorst
Zeigt Präsenz in der Gemeinde: Polizist Dirk Tiemann hat sein Büro im Rathaus. | © Foto: Meiko Haselhorst

Kirchlengern Landrat lehnt Polizeiwache ab

Sicherheit: Gemeinderat hat sich für Einrichtung einer Wache eingesetzt, die 24 Stunden am Tag besetzt ist. Dafür ist es in Kirchlengern jedoch zu sicher

Stefan Boscher

Kirchlengern. Der Wunsch des Gemeinderates war einstimmig: Man brauche mehr Polizeipräsenz in Kirchlengern. Darum wurde der Landrat als Dienstherr der Kreispolizeibehörde per Antrag der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) aufgefordert, eine 24-Stunden-Wache zu prüfen. Nun liegt die Antwort von Landrat Jürgen Müller vor: Er könne den Wunsch durchaus nachvollziehen, erfüllen könne er ihn jedoch nicht. Müller betont in seinem Schreiben an Bürgermeister Rüdiger Meier, das es aktuell drei durchgängig besetzte Polizeiwachen im Kreisgebiet gebe: In Herford, Bünde und Löhne. Zwei weitere Standorte in Enger und Vlotho seien zudem unter der Woche im Zwei-Schicht-Betrieb und am Wochenende zusätzlich mit einem Nachtdienst besetzt. "Kirchlengern befindet sich zwischen den durchgängig besetzten Polizeiwachen Bünde und Löhne", so Müller. Vorrangig zuständig sind die Beamten aus Bünde, bei so genannten Eilfällen käme auch zügig Unterstützung aus Herford, über die B239 sei "Ihre Gemeinde schnell zu erreichen", schreibt Müller. Kein Kriminalitätsschwerpunkt Zudem sei es nicht so, dass es keine Polizeipräsenz in Kirchlengern gebe. Im Rathaus ist der Bezirksdienst untergebracht, der unter anderem als Ansprechpartner für Anfragen von Anwohnern fungiert. Die durchgängig besetzten Wachen seien "unter polizeitaktischen Erwägungen gewählt", so der Landrat. Bedeutet: In den größten Städten gibt es die meisten Einsätze für die Beamten, also macht es Sinn, dort auch die Hauptwachen zu installieren. Kirchlengern gehört nicht in die Kategorie der Kriminalitätsschwerpunkte. Auch darauf weist der Chef der Polizei im Kreis Herford hin. So sei die Zahl der bekannt gewordenen Straftaten im vergangenen Jahr im gesamten Kreis Herford um knapp drei Prozent zurückgegangen. Den größten Rückgang mit knapp 19 Prozent verzeichnet die Gemeinde Kirchlengern. Und weiter: "Aus der Kriminalitätshäufigkeitszahl ergibt sich, dass Kirchlengern im Jahr 2017 in Bezug auf die Kriminalitätsgefährdung im Kreis Herford hinter Herford, Bünde, Löhne, Hiddenhausen und Vlotho auf dem fünften Platz steht. Nur die Kommunen Enger, Rödinghausen und Spenge sind weniger gefährdet." 12,6 Polizeibeamte müssten dafür eingesetzt werden Ebenso sicher sei es in Bezug auf die Gefahren im Straßenverkehr. Hier zeigt die Statistik für das vergangene Jahr, dass die Unfallbelastung nur in Rödinghausen und Spenge geringer ist als in Kirchlengern. Zwar könne er den Wunsch des Rats nach einer durchgehend besetzten Polizeiwache nachvollziehen, so Müller, dagegen sprächen jedoch "die vergleichsweise geringe Kriminalitäts- und Verkehrsunfallgefährdung und die günstige geografische Lage zwischen den drei 24-Stunden-Wachen in Bünde, Herford und Löhne". Auch die "angespannte Personalsituation" innerhalb der Kreispolizeibehörde müsse er berücksichtigen, so Müller. Nach Angaben von Polizist und Ratsmitglied Christian Bobka müsste man rechnerisch 12,6 Polizeibeamte einsetzen, um eine durchgängig besetzte Polizeiwache in Kirchlengern zu realisieren. rotz des ablehnenden Bescheids aus dem Kreishaus wird sich der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung am kommenden Donnerstag, 17. Mai, noch einmal mit dem Thema beschäftigen. Die Sitzung ist öffentlich, Beginn ist um 19 Uhr im Rathaus.

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