Relikt aus Zeiten des Kalten Krieges: Die Sirene auf dem Feuerwehrgerätehaus in Eilshausen. In Kirchlengern hat die Gemeinde die stationären Sirenen in den vergangenen Jahren abgebaut. - © Foto: Frank-Michael Kiel-Steinkamp||
Relikt aus Zeiten des Kalten Krieges: Die Sirene auf dem Feuerwehrgerätehaus in Eilshausen. In Kirchlengern hat die Gemeinde die stationären Sirenen in den vergangenen Jahren abgebaut. | © Foto: Frank-Michael Kiel-Steinkamp||

Kirchlengern Die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) will wieder Sirenen einrichten

Der Gemeinderat diskutierte den Antrag, entschied aber noch nicht. Zuerst wollen die Fraktionen darüber beraten

Anne Webler

Kirchlengern. Viele erinnern sich an den Klang der Sirenen: Früher heulten sie jeden Samstag um 12 Uhr zur Probe. Seit einigen Jahren schweigen sie, nach Ende des Kalten Krieges hat die Gemeinde Kirchlengern sie wie viele andere Kommunen abgebaut. Die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) würde sie gerne wieder installieren. Inzwischen installierten viele Kommunen wieder ein Sirenensystem, um die Bürger bei Gefahr warnen zu können, schreibt der UWG-Fraktionssprecher Michael Schmale in seinem Antrag, den der Rat der Gemeinde Kirchlengern in seiner jüngsten Sitzung diskutierte. Das Land NRW unterstütze diesen Wiederaufbau des Sirenensystems. Der laute und schrille Ton einer Sirene sei ein effektives Mittel, das zumindest die Existenz einer Gefahr für die Menschen in der Umgebung deutlich hörbar anzeige, schreibt Schmale. Nur wer von der Gefahr wisse, könne sich dann über die Medien weitere über die Gefahrenlage informieren. "Kalter Krieg ist Bundesthema" "Wir investieren jedes Jahr eine halbe Million Euro in die Feuerwehr. Da ist es am schlauesten, das Sirenenalarmsystem wieder aufzubauen und dafür 50.000 Euro in den Haushalt einzustellen", sagte Schmale in der Ratssitzung. Der Kreis Herford erstelle derzeit ein Warnkonzept für den gesamten Kreis Herford, schreibt die Verwaltung in ihrer Stellungnahme. Ziel des Konzeptes sei ein umfassendes, reaktionsschnelles und zentral steuerbares Warnsystem im Kreis. Die Kommunen seien zudem "nur" für die örtliche Gefahrenlage wie den Brandschutz zuständig. Der Kalte Krieg sei ein Bundesthema, für zivile Katastrophen sei das Land zuständig, sagte Bürgermeister Rüdiger Meier. Die Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Kirchlengern verfüge über zwei mobile Sirenenanlagen. Darüber hinaus können sich Bürger zwei kostenlose Apps ("Nina" und "Katwarn") auf ihr Handy laden, über die sie bei Gefahren gewarnt werden. Der Neuaufbau von stationären Sirenen sei "nicht zielführend". "Land und Bund sollten die Kosten übernehmen" Die mobilen Sirenen in Verbindung mit den vorhandenen Smartphone-Apps warnten und informierten die Bevölkerung effektiv. Sollten Bund und Land der Auffassung sein, dass der Aufbau von stationären Sirenen für überörtliche Gefahrenlagen zwingend erforderlich sei, sollten sie auch die Kosten übernehmen, so die Verwaltung. Derzeit würden stationäre Sirenen nur zum Teil bezuschusst, so dass der Gemeinde für eine flächendeckende Ausstattung derzeit Kosten von etwa 50.000 Euro für die Neuanschaffung zuzüglich Wartungs- und Unterhaltungskosten entstünden. "Bei einer Dreifachverglasung hör ich die Sirene nicht", sagte Meier. Die stationären Sirenen kosteten "viel Geld" und zeigten "wenig Wirkung". Besser sei die Alarmierung über das Smartphone. "Bei digitalem Terrorismus nutzen uns Apps nichts mehr" Zwei Dinge störten ihn am Antrag der UWG, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Oliver Lücking: "Erstens sind wir nicht zuständig, und zweitens reichen moderne Kommunikationsmittel aus, um die Bürger zu warnen." Allerdings: "Bei digitalem Terrorismus nutzen uns die Apps nichts mehr." Deshalb ergebe die analoge Technik wieder Sinn. Er schlug vor, den Antrag der UWG zurückzustellen. Die stationären Sirenen würden digital über Funk gesteuert, gab Meier zu bedenken. "Bei einem Cyber War funktionieren sie auch nicht." Die CDU könne das Thema in der Ratssitzung nicht abschließend entscheiden, sagte der Fraktionsvorsitzende Detlef Kaase. Sie hätten den Antrag zu kurzfristig vor der Sitzung erhalten. Er schlug vor, das Thema in den Fachausschuss und in die Fraktionen zu geben. Er sehe die Dringlichkeit nicht, das sofort zu entscheiden. Auch Burkhard Scheiding, Sprecher der Grünen-Fraktion, sprach sich dafür aus, den UWG-Antrag in einen Ausschuss zu verweisen, eventuell den Feuerwehrausschuss. Er finde 50.000 Euro keine immens hohe Summe, sagte Schmale. Die Stadt Duisburg und andere Kommunen wechselten wieder auf analoge Sirenen. "Das hat seinen guten Grund." Der Rat entschied einstimmig bei einer Enthaltung, den UWG-Antrag zur Beratung in die Fraktionen zu verweisen.

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