Aufgehoben: Karten, Postsparbücher – und der Grundriss des Gebäudes, das im Jahr 1941 auch das Wohnhaus der Bekemeiers war. - © Meiko Haselhorst
Aufgehoben: Karten, Postsparbücher – und der Grundriss des Gebäudes, das im Jahr 1941 auch das Wohnhaus der Bekemeiers war. | © Meiko Haselhorst

Kirchlengern Anekdoten von der alten Post

Längst Geschichte: Die Geschwister Anneliese und Gerd Bekemeier waren so nah dran, wie kein anderer – und möchten die Erinnerung an ihre Eltern und an die Vergangenheit des Dorfes hochhalten

Meiko Haselhorst

Kirchlengern. Anneliese und Gerd Bekemeier waren nie richtige Postler. „Höchstens mal als Aushilfe“, sagen die Geschwister. Eine enge Beziehung zur Post haben sie trotzdem. Das hat Gründe: Die erste Poststelle im Dorf Klosterbauerschaft wurde 1938 in ihrem Wohn- und Elternhaus eingerichtet. Vater Hermann, später auch Bürgermeister der Gemeinde Klosterbauerschaft, war als Posthalter ein wichtiger Mann. Drei Jahre lang, erzählt der 83-jährige Gerd Bekemeier, sei die Poststelle gar im eigenen Wohnzimmer untergebracht gewesen, Ende November ’41 – also mitten im Krieg – sei das Haus dann umgebaut und zur „Poststelle 1“ aufgewertet worden. Jetzt konnten hier alle Postgeschäfte erledigt werden: Briefe, Pakete, Postbank, Telegrammdienst und Telefongespräche. „Die gab es aber nur mit Voranmeldung“, erinnert sich Bekemeier und lacht. „Die Leute haben oft stundenlang bei uns in der Wohnung gewartet und sich mit Oma unterhalten.“ Das an der Telefonzelle prangende „Fasse Dich kurz“ wurde sehr dehnbar interpretiert. Gerd Bekemeier kann sich noch gut daran erinnern, dass in den letzten Kriegstagen die Nazis an der Haustür des Postamts klopften – das ja seit 1943 gleichzeitig die Wohnung des Bürgermeisters war. „Die suchten ein Nachtquartier“, erzählt der Mann, der damals zehn Jahre alt war. Sein Vater habe sich geweigert. „20 Kilometer weiter stehen schon die Panzer der Engländer, ich kann Euch kein Quartier geben“, habe er argumentiert. „Er hat recht, lasst uns lieber zusehen, dass wir hier verschwinden“ Zunächst sollte Bekemeier auf der Stelle erschossen werden. Dann habe sich ein „hohes Tier“ eingemischt: „Er hat recht, lasst uns lieber zusehen, dass wir hier verschwinden“, habe der Mann gesagt – und verhindert, dass Klosterbauerschafts Posthalter und Bürgermeister eines der letzten Nazi-Opfer wurde. Hermann Bekemeier starb neun Jahre später bei einem Verkehrsunfall. Seine zweite Frau Lieselotte führte die Poststelle bis zur Rente weiter, auch als sie 1958 verlegt wurde. Anfang 1995 wurde die Post in Klosterbauerschaft geschlossen. 57 Jahre Postgeschichte gingen damit zu Ende. ´ Selbst die Namen der Klosterbauerschafter Postzusteller sind nicht vergessen: Gustav Oberbremer, Fritz Ramöller, Wilhelm Hempelmann, Hermann Ellerbrok, Fritz Schläger, Hermann Kaase, Wilhelm Lücking, Heinz Bültermann

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