Schleimig: Mit dem Stock hat eine Spaziergängerin einen Pilz-Brocken aus dem Wasser gehoben. - © Foto: NW
Schleimig: Mit dem Stock hat eine Spaziergängerin einen Pilz-Brocken aus dem Wasser gehoben. | © Foto: NW

Rödinghausen Abwasserpilz überwuchert Bach

Verschmutzung: Von einer Biogasanlage ist verunreinigtes Wasser in den Bursieksbach geflossen und hat einen Abwasserpilz verursacht. Der Kreis Herford hat ein Strafverfahren eingeleitet, die Staatsanwaltschaft ermittelt

Anne Webler

Rödinghausen. In der Nähe des Rödinghauser Freibads hat sich in der vergangenen Woche in einem Nebenarm des Bursieksbach ein Abwasserpilz entwickelt: Über eine Länge von 500 Metern überwuchert er das Bachbett, überzieht alle Steine und Äste im Bach. Verursacher sei eine nahegelegene Biogasanlage, von deren Siloplatte verunreinigtes Regenwasser in den Bach geflossen sei. Das teilte der Kreis Herford auf Anfrage mit. Er hat ein Strafverfahren gegen den verursachenden Landwirt eingeleitet, die Polizei ermittelt im Auftrag der Staatsanwaltschaft Bielefeld. Der Nebenarm fließt westlich der Bruchmühlener Straße und nördlich des Luskampwegs in den Bursieksbach, dieser mündet kurz darauf in den Kilverbach, der wiederum fließt in Bruchmühlen in die Else. "Am stärksten ist es im Wäldchen" Spaziergänger hatten den Abwasserpilz entdeckt und meldeten sich bei der NW, er erstrecke sich über fast einen Kilometer, sagten sie. Der Wasserpilz beginnt bei der Kreuzung Walske Bruch/Im Dicken Busche, von hier aus fließt der Bach Richtung Freibad, unter diesem durch ein Rohr und tritt jenseits der Bruchmühlener Straße wieder an die Oberfläche. An der Straße Am Freibad fließt der Bach durch ein Wäldchen. Hier sei der Pilz am stärksten gewachsen, berichtet die Spaziergängerin. Auch eine Mitarbeiterin des Kreises hatte ihn durch Zufall entdeckt, als sie vergangene Woche vor Ort war. Uwe Klitsch, Wasserbauingenieur des Kreises Herford, schritt den pilzbefallenen Bach ab, sprach mit dem verursachenden Landwirt und ordnete eine sofortige "behelfsmäßige Abdichtung" an, damit nicht weiter verunreinigtes Wasser in den Bach fließen kann. Das Bakterium des Pilzes sei sowieso im Wasser vorhanden, erklärt Uwe Klitsch. Gelangten landwirtschaftliche Abwässer in den Bach, nutze das Bakterium die in der Gülle oder Jauche enthaltenen Nährstoffe und beginne zu wuchern. Es bilde sich ein "biologischer Rasen", der alles überzieht. Der Pilz verzehrt den Sauerstoff im Wasser Der Pilz verzehre den Sauerstoff im Wasser, was für die Fische problematisch werden kann. Wie viel Schaden der Pilz anrichtet und ob Fische sterben, hänge davon ab, wie lange das verunreinigte Wasser in den Bach fließe, sagt Klitsch. In diesem Fall habe er keine toten Fische gesehen. Der Pilz sei "vor allem ein optisches Problem: Er wächst und überwuchert alles." Sei die Ursache abgestellt, zerfalle der Pilz schnell, innerhalb weniger Tage. Der Landwirt sei sofort tätig geworden. "Glücklicherweise" sei ein Wasserpilz kein häufiges Phänomen. In der Regel passiere es aus Versehen, dass mit Gülle oder Jauche verunreinigtes Wasser in einen Bach eingeleitet werde, durch Unachtsamkeit oder einen technischen Defekt, erzählt Klitsch. Manchmal sei auch menschliches Versagen verantwortlich. Nach Informationen der Neuen Westfälischen hat der Landwirt in den vergangenen Jahren schon mehrfach einen Wasserpilz verursacht. Die NW berichtete im November 2011 über einen Wasserpilz an der Stelle. Da das Verfahren laufe, könne er sich dazu nicht äußern, sagte Klitsch. Ein Wasserpilz sei in dem Bach schon zwei-, dreimal vorgekommen, aber auch durch andere Landwirte verursacht worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt Es handele sich nicht um eine Ordnungswidrigkeit, sondern um einen Straftatbestand, deshalb habe der Kreis den Fall an die Staatsanwaltschaft Bielefeld weitergeleitet, sagte Udo Busse, Leiter des Umweltamtes des Kreises Herford. Der Kreis hat auch die Bezirksregierung Detmold informiert, die als Überwachungsbehörde für die Biogasanlage zuständig ist. "Die Bezirksregierung ist im Austausch mit dem Landwirt, hat auf den ordnungsgemäßen Betrieb der Anlage hingewiesen und wird von dem Landwirt die Optimierung der Anlage fordern", schrieb die Bezirksregierung auf Anfrage. Das Gewässer müsse noch untersucht werden.

realisiert durch evolver group