Prominenter Hinweis: Das Graffiti an der Wand zwischen Philipp Murday (l.) und Semih Güner zeigt Besuchern gleich, wo sie das kommunale Kino finden. Semih gehört zu den langjährigen Mitarbeitern im Lichtblick, die als Jugendliche selbst in die Vorstellungen kamen. - © Katharina Georgi
Prominenter Hinweis: Das Graffiti an der Wand zwischen Philipp Murday (l.) und Semih Güner zeigt Besuchern gleich, wo sie das kommunale Kino finden. Semih gehört zu den langjährigen Mitarbeitern im Lichtblick, die als Jugendliche selbst in die Vorstellungen kamen. | © Katharina Georgi

Kirchlengern Film-Perlen abseits des Popcorn-Kinos

Bilanz: Im vergangenen Jahr kamen 11.000 Besucher ins kommunale Kino Lichtblick. Weil die Gemeinde das Kino als kulturelles Angebot bezuschusst, ist ein Filmabend für jeden Bürger erschwinglich

Katharina Georgi

Kirchlengern. Einen ganzen Film hat Philipp Murday schon länger nicht mehr gesehen. Trotzdem wird sich so leicht niemand anders in Kirchlengern und Umgebung finden lassen, der sich so gut auskennt, den man mit gutem Gewissen einen Cineasten nennen kann. Denn Murday wählt das Programm für das kommunale Kino Lichtblick aus, schaut unzählige Filmtrailer und liest Kritiken. Damit hat er im vergangenen Jahr 11.000 Menschen in den kleinen Saal im Ortszentrum gelockt. Klein ist in diesem Fall nicht untertrieben: 48 Sitzplätze fasst das kommunale Kino. Blockbuster flimmern dort nur selten über die Leinwand. "Unsere Besucher schätzen Programmkino", weiß er. Und flimmern tut* im Kino auch schon lange nicht mehr: Seit 2006 werden die Filme per digitaler Projektionsanlage auf die Leinwand geworfen. Die Technik wiederum kennt schon den ein oder anderen Blockbuster: "Der digitale Projektor des Lichtblicks lief zuvor auf der Berlinale", erzählt Murday. Im Lichtblick arbeitet man eben mit Profis. "Unsere Mitarbeiter machen alles: Theke, Eintritt, Filmvorführung", zählt Murday auf. Die Mitarbeiterinnen der offenen Jugendarbeit führen Vorstellungen vor. Aber auch Jugendliche sammeln dort ihre erste Job-Erfahrung. Viele von ihnen haben schon als Kind das Kino besucht - wie auch Murday. Bis heute gibt es in den Oster- und Herbstferien das Kinderkino. Kind und Begleitperson zahlen dann jeweils nur 1,50 Euro. Normalerweise liegt der Eintrittspreis bei 5 Euro. Der digitale Projektor lief zuvor auf der Berlinale Wer etwas älter ist, besucht das Kino später mit dem Jugendzentrum oder kommt wegen der Filmauswahl: Vornehmlich europäische Produktionen, viele französische Filme, aber politisch aktuelle Sachen und kritisches. "Wenn der Film ganz ausgefallen ist, sitzen wir auch schonmal nur zu dritt hier", sagt Murday. Deutlich öfter müssen sie Besucher wegschicken, weil der Saal voll ist. Ein kultureller Anspruch ist dem 33-Jährigen wichtig: "Man muss auch mal etwas anderes gesehen haben, als nur Popcorn-Kino", sagt er. Das weiß er aus eigener Erfahrung: Mit 18 Jahren hat er selbst im Lichtblick als Filmvorführer angefangen. Er studierte Medienproduktion in Lemgo und erarbeitete als Abschlussarbeit das Logo seines Kinos neu. Das hat übrigens eine tiefergehende Bedeutung: Als die Filme noch von Rollen abgespielt wurden, musste der Übergang von einer zur nächsten Rolle sauber sein, "sonst saßen die Zuschauer einen Moment im Dunkeln", erinnert sich Murday. In der rechten oberen Ecke gab es damals ein Blendzeichen, das anzeigte, wenn die Rolle gewechselt werden muss. Und eben jenes ist heute das Logo des Kinos, mitsamt dem typischen bunten Spektralfarben am Rand. 11.000 Besucher im vergangenen Jahr Das Lichtblick zeigt Vorstellungen an sechs Abenden pro Woche. "Sondervorstellungen werden ein größerer Bereich", sagt Murday. Vergangenes Jahr gab es beispielsweise eine Reihe über Sexualität. Der Eintritt war für Schüler frei. Denn "Wir sehen uns auch als Bildungseinrichtung." Überhaupt arbeitet das Kino eng mit einer Vielzahl von Vereinen, Interessengruppen, Schulen und anderen Trägern zusammen, "von der Kita bis zu den Landfrauen". Die Kommune weiß ihr Kino zu schätzen: Sie fördert es in diesem Jahr laut Haushaltsplan mit 37.000 Euro. 33.600 Euro hat das Kino im vergangenen Jahr an Umsatz generiert. Heißt: Angenommen, jeder der 11.000 Besucher würde den normalen Eintritt von 5 Euro bezahlen, dann würde die Gemeinde noch einmal rund 3,40 Euro drauflegen. Den Preis entsprechend anzuheben oder gar die Kindervorstellungen teurer zu machen, kommt aber nicht in Frage. "Wir wollen ja, das möglichst viele teilhaben können", sagt Fachbereichsleiter Michael Höke, der in der Verwaltung für das Kino zuständig ist. Und auch Bürgermeister Rüdiger Meier stellt regelmäßig heraus, wie wichtig diese besondere kulturelle Einrichtung als "weicher Standortfaktor" für Kirchlengern ist.

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