Rote Hände: Büsra Kaya (l.) und Paul Siemens von der Erich-Kästner-Gesamtschule zeigen mit ihrem roten Handabdruck, dass sie keine Kindersoldaten wollen. - © Carina Hörstemeier
Rote Hände: Büsra Kaya (l.) und Paul Siemens von der Erich-Kästner-Gesamtschule zeigen mit ihrem roten Handabdruck, dass sie keine Kindersoldaten wollen. | © Carina Hörstemeier

Kirchlengern Rote Hände für Kindersoldaten

Red-Hand-Day: Am 12. Februar findet ein internationaler Gedenktag für Kindersoldaten statt. An der Erich-Kästner-Gesamtschule wurden fleißig Handabdrücke gesammelt

Carina Hörstemeier

Kirchlengern. Rund 250.000 Kindersoldaten gibt es weltweit. Die Erich-Kästner-Gesamtschule nahm am "Red-Hand-Day" teil, um so mit roten Handabdrücken gegen minderjährige Soldaten zu protestieren. Die Abdrücke sollen Politikern überreicht werden, damit sie etwas unternehmen. "Hier sind Leute, die zeigen wollen, dass sie keine Kindersoldaten wollen", sagt Larissa Semelka, stellvertretende Sprecherin des Volksbundes OWL. Die Abiturientin war bis zum vergangenen Jahr selbst Schülerin der Gesamtschule in Kirchlengern und hat diesen Aktionstag organisiert. Dabei erhielt sie Unterstützung von Lehrkräften, der Unicef-AG vom Bünder Gymnasium am Markt und der Jugendgruppe von Amnesty International aus Bünde. Die Organisationen waren mit Infoständen in der Pausenhalle vertreten. Für die zehnten Klassen gab es anfangs eine Infoveranstaltung im Forum der Schule. Es wurde ein Film gezeigt und darauf aufmerksam gemacht, dass Deutschland viele Waffen exportiert, mit denen sich Kinder in anderen Ländern gegenseitig töten. Der Film zeigt russische Kinder, die in Camps zu Elitesoldaten ausgebildet werden. Diese sind zum Teil erst neun Jahre alt. Sie werden im Umgang mit Waffen und im Nahkampf praktisch und theoretisch geschult. Schusswaffen, Granaten und Sprengstoff gehören zum Alltag der Jugendlichen. Wenn sie 17 Jahre alt sind, ist ihre Ausbildung beendet und sie ziehen in den Krieg. Überlebenstrainings sollen die Kinder abhärten In dem Film heißt es, dass Patriotismus und Vaterlandsliebe von Kindesbeinen an trainiert werden müssen, damit wieder ein starkes und großes Russland entstehen könne. Die Ausbilder der Kinder haben bereits in Afghanistan gekämpft. Überlebenstrainings im Freien sollen die jungen Soldaten abhärten. Nur zwei von zehn Kindern schaffen die anspruchsvolle Ausbildung. "Die Kinder können jetzt kämpfen. Das wichtigste aber ist, dass sie den Wunsch haben, zu dienen", so ein Sprecher im Film. An dieser Art Camp nehmen Kinder aus ärmlichen Verhältnissen teil. Für sie ist es die einzige Chance, einen guten Lebensstandard zu erreichen. Nach dem Film weist Lehrerin Gabriele Schminke ihre Schüler darauf hin, dass die Bilder im Film nicht die wahre Kriegssituation zeigen und dass diese bedeutend grausamer ist. "Wenn diese Kinder danach in den Krieg ziehen und überleben sollten, kommen sie mit schweren Verletzungen und psychischen Erkrankungen zurück. Sie sind danach kaum in der Lage, ein normales Leben zu führen", erklärt Schminke. "Das ist einfach nur schrecklich" Diese Szenen wurden den Zehntklässlern erspart. Die Botschaft war dennoch deutlich: "Wenn man zu so etwas gezwungen wird, ist das einfach nur schrecklich", sagt Schüler Aaron Sudeck. Anschließend bekamen die Schüler der zehnten Klassen Laufzettel mit Fragen zu dem Thema. Diese sollten sie mithilfe der Vertreter von Amnesty International, Unicef und dem Volksbund beantworten. Alle anderen Schüler hatten in der großen Pause die Möglichkeit, ein Zeichen zu setzen. Viele erstellten mit Fingerfarbe einen roten Abdruck ihrer Hand und schrieben ein Statement dazu.

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