Rechtsprechung: Das Gericht hat sich vertagt. - © DPA
Rechtsprechung: Das Gericht hat sich vertagt. | © DPA

Rödinghausen/Bünde Zum Einbruch in eigenen Friseursalon angestiftet

Prozess: Die Verteidigung bestreitet die Vorwürfe und spricht von „Rundumschlag aus Rache“ / Hof in Rödinghausen war Lagerort für Diebesgut

Rödinghausen/Bünde. Eigentlich sollten in der Scheune Autos geparkt oder repariert werden. Als die Polizei nach einem Hinweis die Tore des auf einem Hof in Rödinghausen stehenden Fachwerkhauses öffneten, stießen die Beamten indes auf Reifen, Fitnessgeräte und Trockenhauben, die offenbar bei Einbrüchen gestohlen wurden. Zugeordnet wurden die gefundenen Güter dem 34-jährigen Marcel F. (Name von der Redaktion geändert), der sich jetzt vor dem Herforder Schöffengericht für gewerbsmäßigen Einbruchsdiebstahl und Versicherungsbetrug verantworten musste. Die Polizei bekam den entscheidenden Tipp von der Ex-Freundin Den entscheidenden Tipp hatte die Polizei von der ehemaligen Lebensgefährtin des Angeklagten erhalten, die ihn auch vor Gericht als Zeugin schwer belastete. F. soll laut der Anklage zwischen März 2015 und August 2016 bei mehreren Einbrüchen sowohl unmittelbar als Täter als auch als Anstifter reichlich Beute gemacht haben. Heimgesucht wurden neben einer Autowerkstatt auch ein Fitnessstudio und Friseursalons – darunter auch ein von F. selbst betriebenes Haarstudio. Bei letzterer Tat soll es dem Angeklagten vor allem darum gegangen sein, die Versicherung um die beim Einbruch entstandene Schadenssumme zu betrügen. F. äußerte sich selbst nicht zu den Vorwürfen. Statt dessen stellte sein Rechtsanwalt, der Bielefelder Strafverteidiger Peter Wüller, fest, dass der Angeklagte die Taten abstreite. F. sei nicht der Mieter der Scheune gewesen, zudem seien die Einlassungen der ehemaligen Lebensgefährtin „mit Vorsicht zu betrachten". „Einlassungen sind mit Vorsicht zu betrachten" Diese habe sich erst zu einer Aussage gegen seinen Mandanten entschlossen, als sie ihn wegen eines Seitensprunges verlassen habe. „Sie rannte los und erstattete eine Strafanzeige nach der nächsten", so Wüller, der von einem „Rundumschlag aus Rache" sprach. Die Zeugin, die in dem Friseursalon des Angeklagten gearbeitet hatte, widersprach dieser Darstellung. Sie sei in den zweieinhalb Jahren ihrer Beziehung „durch die Hölle gegangen", sei unter Druck gesetzt, ausgenutzt und auch körperlich misshandelt worden. Sie bekräftigte ihre Aussagen und räumte ein, bei den Einbruchsdiebstählen Mitwisserin gewesen zu sein und auch bei der Polizei bezüglich des Einbruchs im eigenen Salon eine Falschaussage gemacht zu haben. An Details, wie, wann und wo ihr der Angeklagte von den Einbrüchen berichtet hatte, konnte sie sich indes nicht mehr erinnern. Sie habe sich schließlich nach einem Zusammenbruch einer Freundin anvertraut, die ihr zu einer neuen Aussage geraten habe. Da noch weitere Zeugen gehört werden sollen, wurde der Prozess vertagt.

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