Endlich geschafft: Dirk Bödder, Mitarbeiter im Seniorenzentrum Kirchlengern, absolviert eine Umschulung zum Altenpfleger. Die Unterstützung der Agentur für Arbeit, von Bethel und seines Arbeitgebers machen es möglich. - © Agentur für Arbeit
Endlich geschafft: Dirk Bödder, Mitarbeiter im Seniorenzentrum Kirchlengern, absolviert eine Umschulung zum Altenpfleger. Die Unterstützung der Agentur für Arbeit, von Bethel und seines Arbeitgebers machen es möglich. | © Agentur für Arbeit

Bünde/Kirchlengern Trotz Schwerbehinderung: Vom Helfer zur Fachkraft

Umschulung: Dirk Bödder wird zum Altenpfleger ausgebildet. Engagement und Unterstützung machen es möglich

Bünde/Kirchlengern. Schon des öfteren hatte Dirk Bödder, Mitarbeiter im AWO- Seniorenzentrum Kirchlengern, versucht, eine Umschulung zum Altenpfleger genehmigt zu bekommen. Weil er die Voraussetzungen nicht erfüllte, war das bisher nicht möglich. Durch ein Förderprogramm hat es nun endlich geklappt. Dirk Bödder ist schwerbehindert, unter anderem leidet er dadurch an einer Schreibschwäche. Doch der 37-Jährige hat eine besondere Stärke: Motivation und die Liebe für seinen Beruf. Bereits seit 2001 arbeitet er beim AWO-Seniorenzentrum Kirchlengern als Helfer in der Altenpflege. Nach mehreren Versuchen, eine Umschulung zum Altenpfleger zu bekommen, hat es im April 2017 endlich geklappt: Durch das Vertrauen seines Arbeitgebers sowie die Unterstützung von Bethel und der Agentur für Arbeit. "Während eines Förderlehrgangs habe ich damals Praktika in diversen Bereichen absolviert. Da habe ich erkannt, dass ich unbedingt etwas mit Menschen machen will. Leider war ich nach meinem Abschluss erst ein halbes Jahr arbeitslos, über das Integrationsamt konnte ich dann aber die Teilzeitstelle hier im Seniorenzentrum bekommen. Alle waren sehr nett, es war auch eine super Einarbeitungsphase, da das Haus damals noch neu war und wir genauso viele Mitarbeiter wie Bewohner hatten. Deshalb war alles noch sehr ruhig", erinnert sich Bödder. 2017 sollte ihm dann gelingen, eine Umschulung vom Helfer zur Fachkraft anzutreten. Eigeninitiativ hatte er sich bei Bethel für den theoretischen Unterricht beworben, ging auf den damaligen Hausleiter im Seniorenzentrum zu und fragte nach der Möglichkeit einer Umschulung. "Ich hatte von meinen Kollegen gehört, dass so etwas möglich ist und hatte gehofft, dass ich diese Möglichkeit auch nutzen könnte", so berichtet er. Denn: Das Seniorenzentrum der AWO hatte diese Umschulungsförderung der Agentur für Arbeit schon zuvor zwei Mal durchgeführt. "Das Programm bietet uns die Möglichkeit, Mitarbeiter, die wir schon kennen, zur Fachkraft umzuschulen. Wichtig ist aber für die Geförderten besonders die Möglichkeit, auch während der Umschulung weiterhin ihr bisheriges Gehalt zu bekommen - denn so können sie ihren notwendigen Lebensstandard halten", erläutert Anja Dechandt-Herzog, stellvertretende Pflegedienstleitung des Seniorenzentrums. Petra Knirsch, Leitung des Fachseminars Altenpflege bei Bethel, fügt hinzu: "Für viele Menschen, besonders solche mittleren Alters mit familiären Verpflichtungen, sowohl finanziell als auch zeitlich, ist eine Teilzeit-Umschulung oft die einzige realistische Möglichkeit, sich überhaupt weiter zu qualifizieren." Franziska Klage, Mitarbeiterin im Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Herford, erläutert: "Das Programm ist eine Fördermöglichkeit der Agentur für Arbeit, die es uns ermöglicht, die Umschulung von Beschäftigten zu fördern. Konkret bedeutet das, neben individuellen Zusatzleistungen, dass wir die Kosten der theoretischen Ausbildung tragen und dem Arbeitgeber einen Zuschuss zum Lohn des Arbeitnehmers zahlen. Dadurch wird dieser finanziell etwas entlastet, da ja das bisherige Gehalt weitergezahlt wird, auch wenn durch den theoretischen Unterricht Arbeit für den Arbeitgeber ausfällt. Grundsätzlich wird auch die Ausbildungszeit um ein Jahr verkürzt - allerdings gibt es in der Pflege aufgrund des hohen Fachkräftemangels eine Sonderregelung, so dass Dirk Bödder die Umschulung in der regulären Ausbildungszeit absolvieren kann." Doch eins war Dirk Bödder besonders wichtig: Er wollte diese Umschulung auch schaffen. Aufgrund seiner Schreibschwäche war er sich bewusst, dass er den theoretischen Stoff mehr als andere nach- und aufarbeiten muss, das wusste er schon vor Beginn der Umschulung. Deshalb beschloss er, die Umschulung in Teilzeit anzutreten, um genügend Zeit zum Lernen und Üben zu gewährleisten. Die Möglichkeit, den theoretischen Teil einer solchen Umschulung in Teilzeit zu absolvieren, besteht in Bethel: "Erst seit letztem Jahr können wir uns sicher sein, dass wir den Teilzeit-Kurs auch voll bekommen. Es stellt für die Fachseminare ein wirtschaftliches Risiko dar, die Ausbildung in Teilzeit anzubieten, weil die Zielgruppe recht klein ist und die Ausbildung ein Jahr länger dauert als die Vollzeitausbildung. Erstmalig hat der Teilzeitkurs, den wir jetzt zum 1. April anbieten, bereits ausreichend Teilnehmer, so dass wir aktuell eine Nachrückerliste führen", sagt Petra Knirsch. Voraussetzung für den Beginn der Ausbildung ist der Hauptschulabschluss nach Klasse 10.

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