Demokratie als spannender Lernstoff: Lehrerin Jessica Heise (hinten, links) mit ihren Zentklässlern Céline Sophie Rosenberg, Sebastian Jaekel, Jenny Schröder und Henrike Bolle. - © Kristine Greßhöner
Demokratie als spannender Lernstoff: Lehrerin Jessica Heise (hinten, links) mit ihren Zentklässlern Céline Sophie Rosenberg, Sebastian Jaekel, Jenny Schröder und Henrike Bolle. | © Kristine Greßhöner

Hiddenhausen Landtagswahl wird für Zehntklässler zum Planspiel, das für Politik begeistern soll

Bundesweites Projekt soll Lust auf Demokratie machen

Kristine Greßhöner

Lippinghausen. Die Wahlurnen sind noch nicht da. Kein Problem, noch haben die Zehntklässler Zeit für den ersten Wahlgang ihres Lebens. Die OPG nimmt erstmals an einem bundesweiten Projekt teil: Die NRW-Landtagswahl wird dabei zum Planspiel. Jessica Heise und die anderen Lehrer des Faches Gesellschaftslehre sind spürbar gespannt, welches Gesamtpaket der Verein Kumulus ihnen demnächst schicken wird. Seit 1999 führt die Berliner Einrichtung die sogenannte Juniorwahl durch und stellt dafür eine umfangreiche Materialsammlung zur Verfügung - eben auch Wahlurnen und Pappkabinen, die per Post kommen. Das Ganze soll mehr sein als ein Spiel. Davon gehen alle Beteiligten aus. "Alles läuft ab wie bei einer offiziellen Wahl", sagt Lehrerin Heise, die die Bewerbung eingereicht hatte. Die rund 150 Zehntklässler würden postalisch Wahlbenachrichtigungen erhalten, sie müssten dann in einem Wahllokal, einem Raum in der Schule, erscheinen, ihren Wahlzettel abholen, in einer Kabine ausfüllen und sich zuvor ausweisen. Wahlzettel ähneln stark den Originalen für die Landtagswahl "Die Ersatzwahlzettel sehen übrigens genau so aus wie die echten. Daher müssen wir noch auf den Druck der Unterlagen warten." Bevor in Lippinghausen am 10. Mai die Juniorwahl stattfindet (die richtige Landtagswahl NRW ist ja am 14. Mai), kommen die örtlichen Landtagskandidaten für eine Podiumsdiskussion am 29. März in die Aula. Im Fach Gesellschaftslehre, einer Kombination der Fächer Geschichte, Erdkunde und Politik, bereiten sich Schüler und Lehrer derweil darauf vor. Untersuchungen hätten ergeben, dass die Aktion belebende Effekte habe: Die Hemmschwelle, später als Wahlberechtigte wirklich zur Wahl gehen, sinke, betont Lehrer Klaus Droste. Mehr Eltern der beteiligten Schüler würden künftig wählen gehen und die politischen Diskussionen in den Familien nähmen zu. Ihm und seinen Kollegen gefällt das Projekt so gut, dass sie es gern als ständiges, als wiederkehrendes Projekt an der OPG installieren möchten. "Wir planen, uns mit den künftigen, achten Jahrgängen für eine Juniorversion der nahenden Bundestagswahl zu bewerben", sagt Heise. Neben Droste engagieren sich dafür auch ihre Kollegen Christian Klüver, Christina Hartwig und David Beckeherm. Den Schülern gefällt das Projekt, weil sie sich ernst genommen fühlen, eben weil sie noch nicht wahlberechtigt sind, sagt Sebastian Jaekel. Der Zehntklässler nennt den Brexit in Großbritannien als Beispiel dafür, dass junge Mesche mitunter völlig andere Ansichten als ältere hätten. "Wir möchten daher, dass unsere Stimme gehört wird." Sie würde oft zu hören bekommen, dass Jugendliche sich angeblich nicht für Politik interessieren würden - was so nicht richtig sei, sagt wiederum Mitschülerin Céline Sophie Rosenberg. "Wenn die Eltern zum Wählen gehen, das kennt man. Bei der Juniorwahl bekomme ich dagegen einen realistischen Eindruck, wie Wahlen funktionieren. Das ist ein richtiger Anschubser für viele Schüler", sagt Henrike Bolle. Lehrer Droste ist sich überdies sicher: "Die Schüler sind ja die Wähler von morgen. Auf unsere Ergebnisse werden die Politiker sicher interessiert schauen." Wer am 10. Mai beim zehnten Jahrgang der Gesamtschule die Nase vorn hat nach der Wahl, wird wenig später online bekanntgegeben. Laut Heise werden die Ergebnisse zunächst an den Veranstalter der Wahl, den Berliner Verein Kumulus, weitergeleitet.

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