Nadeln statt Werkzeug: Kfz-Meister Marc Pilgrim näht in seiner Freizeit Körnerkissen und Co. - © Vivien Tharun
Nadeln statt Werkzeug: Kfz-Meister Marc Pilgrim näht in seiner Freizeit Körnerkissen und Co. | © Vivien Tharun

Hiddenhausen Hiddenhauser KFZ-Meister näht für eigene Marke "Männernaht"

Hauptberuflich arbeitet Marc Pilgrim in einem Autohaus - in seiner Freizeit sitzt er lieber an der Nähmaschine

Vivien Tharun

Hiddenhausen. Mia hat ein neues Oberteil. Als sie die Ganztagsbetreuung ihrer Schule betritt, habe sie sofort viele Komplimente gehört: „Das ist aber schön, das hat deine Mutter toll genäht." „Das war aber mein Papa", antwortet Mia dann. Für ihre Antwort erntet die Achtjährige mitunter ungläubige Blicke. Eigentlich ist ihr Vater Marc Pilgrim ja Kfz-Mechanikermeister. Seit dem Jahr 2015 näht er leidenschaftlich gern. Sein etwas anderes Männerhobby kommt mittlerweile bei Freunden und Bekannten so gut an, dass er ein Kleingewerbe angemeldet hat. Er näht Puppenkleidung, Krabbeldecken oder Körnerkissen und auch sonst alles. „Allerdings schicke ich Freunde, die ihre Hose kürzer möchten, zum Änderungsschneider. Da sind die Nähte doch genauer als bei mir", sagt Pilgrim. Eine seiner rustikaleren Nähten gab dem Kleingewerbe seinen Namen: „Männernaht" heißt die Marke. Die neue Persenning war der Auslöser „Angefangen hat die Sache mit dem Nähen, als ich mir 2015 ein Motorboot gekauft habe", sagt Pilgrim. Zum Boot gehörte eine Abdeckung (Persenning), die allerdings völlig porös war. „Mir wurde gesagt, dass eine neue, gleichwertige Persenning zwischen 1.500 und 2.000 Euro kostet. Da dachte ich: ,Für den Preis kann ich mir lieber eine Nähmaschine kaufen, und die Abdeckung selber machen’." Und das tat er dann auch. Nachdem der Schonbezug für das Boot fertig war, machte er mit dem Nähen einfach weiter. Erste Erfahrungen an der Maschine hatte er in der Schule gesammelt. Mit einem Nähkursus und Videos aus dem Internet frischte er das alte Schulwissen wieder auf und erweiterte es. Dann kam ihm die nächste Idee. „Ich hatte noch Stoff von der Persenning und fing an, für Autoschlüsselkarten Taschen zu machen", sagt der Hiddenhauser. Pilgrim arbeitet hauptberuflich für ein Renault-Autohaus. Für Neuwagen gibt es keine Standardschlüssel mehr, sondern Karten. „Die Markentaschen für diese Karten kosten circa 50 Euro. Meine gibt es für 15 Euro", sagt er. Sein Chef habe ihm freundlicherweise erlaubt, die Täschchen im Autohaus zu verkaufen. Neue Maschinen mussten her Weitere Aufträge und Anfragen gingen an ihn und Pilgrim musste aufrüsten: Eine Freiarm-, eine Sattler- und eine Overlocknähmaschine (zum Säumen) sowie eine Stickmaschine mussten her. Sein Hobby bringe ihm allerdings noch kein Geld. Er nähe einfach, um abzuschalten; manchmal bis 3 Uhr in der Nacht. Einen geeigneten Raum hat er sich geschaffen: Wo andere sich ein Miniatureisenbahnparadies schaffen, hat der Kfz-Mechaniker alles für seine Leidenschaft. Die Maschinen stehen in einem professionell eingerichteten Keller. Darin sind, neben den Maschinen, ein Schneidertisch, ein Garnregal und eines für Stoffbahnen. In seinem Bekanntenkreis hätten alle mit Verwunderung auf seine Freizeitbeschäftigung reagiert, als Pilgrim zum ersten Mal davon erzählte. Das sei doch eher etwas für Frauen, fanden einige. Jetzt sind alle begeistert. In der Vorweihnachtszeit bestellten sie bei ihm Körnerkissen. Deren Weizenfüllung lässt sich in der Mikrowelle erwärmen. Dann funktioniert das Kissen ein bisschen wie eine Wärmflasche mit angenehmem Duft. Seine Stücke kommen sogar so gut an, dass fünf seiner Freunde bei ihm in privater Männerrunde das Nähen lernen möchten. Dann können auch deren Kinder in der Schule sagen: „Das hat mir mein Papa genäht." www.maennernaht.jimdo.com

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