Fröhliche Kunde: Die Drei Heiligen Könige nähern sich dem Stall in Bethlehem. Sie haben Geschenke für den Gottessohn mitgebracht. Die Schafe liegen draußen im Stroh. - © Corina Lass
Fröhliche Kunde: Die Drei Heiligen Könige nähern sich dem Stall in Bethlehem. Sie haben Geschenke für den Gottessohn mitgebracht. Die Schafe liegen draußen im Stroh. | © Corina Lass

Hiddenhausen Haus Stephanus: 20 Jahre alte Krippe wieder aufgestellt

Werner Schulz hat alle Figuren für die Einrichtung selbst gefertigt. Gestern hat er sie zusammen mit Martin Richter wieder aufgebaut

Corina Lass

Eilshausen/Lippinghausen. Zuverlässig wie die Eieruhr sind Werner Schulz und Martin Richter. Jedes Jahr, kurz vor dem 1. Dezember, melden sie sich im Haus Stephanus zum Krippenaufbau. Vor ziemlich genau 20 Jahren hat Schulz den Stall aus Tannenholz gefertigt und die 18 bis 20 Figuren aus Porzellan gegossenen. Ein Jahr zuvor hatte Schulz mit dem Krippenbau begonnen. Der Ernährungswissenschaftler, der unter anderem Wirtschafter in den deutschen Botschaften in Kanada und England war, hatte eine Krippe gesehen, die ihm so gar nicht gefiel. Lackiert war die und fein herausgeputzt. „Eine Krippe muss arm aussehen", sagt der 83-Jährige. „Maria und Josef waren auch nicht reich." Wie er’s besser machen sollte, wusste Schulz zunächst nicht. Pfarrer Ulrich Rottschäfer schenkte ihm damals ein Buch über den Krippenbau in Tirol. Damit hatte er eine Vorlage. Und schon seine ersten Krippen müssen beeindruckend gewesen sein: Als Rottschäfer Besuch aus den USA bekam, nahmen die Amerikaner gleich zwei davon mit – und bestellten später weitere Figuren nach. Die waren anfangs ein Problem, denn die Schnitzerei war nichts für Schulz. Im Internet entdeckte er allerdings Gießformen. Das Porzellan brannte er fortan im eigenen Brennofen, dann bemalte er es mit feinem Pinselstrich. „Die erste Figuren waren nicht so schön", räumt er ein. Nach und nach bekam er Routine. Schulz hat bislang 40 bis 45 Krippen selbst gebaut, schätzt er. Einige hat er verkauft, andere verschenkt, unter anderem an das Haus Stephanus, wo er als Ehrenamtlicher tätig war, und die Lebenshilfe. Großen Anklang fanden in der Gemeinde auch die Engel. 300 bis 400 Stück habe er auf dem Weihnachtsbasar in Hiddenhausen verkauft, sagt er. Die Krippe für das Haus Stephanus entstand 1996. Seither sorgt sie dort jedes Jahr für weihnachtliche Atmosphäre. „In modernen Haushalten gibt es so etwas heute ja nur noch selten", sagt Heimleiterin Manuela Schock. Steine und Rinde, die Accessoires der Krippe, stammen aus der Prignitz in der Mark Brandenburg. Dorther stammt Schulz’ Ehefrau, und dorthin zieht es die beiden immer wieder. Den Krippenbau hat der 83-Jährige inzwischen jedoch aufgeben müssen: Schulz sieht nur noch sehr eingeschränkt. „Ich fühle, was ich mache", sagt er, während er eine Figur platziert. Seinem Humor hat das nicht geschadet: „Ich hab hier deinen Bruder", sagt er augenzwinkernd, während er Martin Richter einen Esel reicht. Der 80-jährige unterstützt ihn seit zwölf Jahren beim Auf- und Abbau. Die beiden kennen sich aus der Stephanus-Gemeinde. Dort richtet Schulz auch den Männerfrühstückskreis aus, allerdings nicht mehr so vollverantwortlich wie früher. „Das geht mit ganz schön ab", sagt er. „Aber ich muss das annehmen, was der liebe Gott mir gegeben hat." Am 5. Januar werden Schulz und Richter die Krippe wieder einpacken, damit sie der Hausmeister auf dem Dachboden verstauen kann. Bis zum nächsten Jahr, wenn sie – vermutlich pünktlich wie die Eieruhr – die Kisten am 1. Dezember wieder auspacken.

realisiert durch evolver group