Gut erhalten: Hans-Joachim Bulthaup (l.) und Christa Gante mit dem Hochzeitsanzug. Er soll in der Museumsschule ausgestellt werden. Fotos: Ingrun Waschneck - © Ingrun Waschneck
Gut erhalten: Hans-Joachim Bulthaup (l.) und Christa Gante mit dem Hochzeitsanzug. Er soll in der Museumsschule ausgestellt werden. Fotos: Ingrun Waschneck | © Ingrun Waschneck

Hiddenhausen Über 100 Jahre alte Andenken an eine Hochzeit entdeckt

Alte Schätzchen kommen zu neuen Ehren

Ingrun Waschneck

Hiddenhausen. Wer ein Haus erbt, hat zunächst einmal viel Arbeit. Dass sich aber auch wahre Schätzchen in ihm verbergen können, die indirekt Familiengeschichte erzählen können, hat Hans-Joachim Bulthaup jetzt erlebt. Das erste Schätzchen ist ein Vertiko. "Ich fand es in der Garage", erzählt Bulthaup. "Es war hellgrün lackiert. Schmuckleisten und Füße waren allerdings entfernt worden." Bei Aufräumarbeiten fand er in einem Gewächshaus noch den dazugehörigen Aufsatz, der war schwarz bemalt. Er entschied sich, das gute Stück mitzunehmen und selbst zu restaurieren. "Mit Abbeizer habe ich eine Türkassette und die Schublade bearbeitet, darunter kam helles, schön strukturiertes Nadelholz hervor", sagt der langjährige, zweite Vorsitzende des Heimatvereins. "Es war sehr mühsam und das Abbeizmittel war unangenehm zu riechen." So entschloss sich Bulthaup, das gute Stück zu einem Restaurator ins niedersächsische Melle zu bringen. Dort zerlegten es die Fachleute in seine Einzelteile und legten diese in ein Tauchbad zum Abbeizen, berichtet Bulthaup. "Dann wurde das Holz behandelt und erhielt einen Schutzanstrich. Auch die fehlenden Schmuckleisten und Füße wurden von einer Restauratorin neu angefertigt und angebracht", sagt der 83-Jährige. "Als das Vertiko fast fertig war, habe ich die Beschläge ausgesucht." Jetzt steht das Möbelstück auf einem Ehrenplatz in Bulthaups Haus. Zwischenzeitlich hatte er recherchiert und herausgefunden, dass das Vertiko ein Hochzeitsgeschenk war, das sein Urgroßvater Caspar Heinrich Läge für seine Stieftochter Marie-Luise und deren Ehemann Friedrich Siekmann 1907 hatte anfertigen lassen. "Marie-Luise war meine Großmutter." Das zweite Schätzchen, das Bulthaup bei den Aufräumarbeiten im Haus seines Erbonkels fand, war ein schwarzer Anzug. Aber nicht irgendeiner, sondern genau der, den Friedrich Siekmann am 16. Mai 1907 bei seiner Hochzeit mit Marie-Luise trug. "Der Anzug mit Gehrock, Weste und Hose ist gut erhalten und so kam mir die Idee, ihn der Museumsschule in Schweicheln-Bermbeck zur Verfügung zu stellen, damit Kinder sehen können, wie die Kleidung vor über 100 Jahren ausgesehen hat", sagt Bulthaup. Er fragte Christa Gante, stellvertretende Vorsitzende des Museumsschulvereins, ob sie das Kleidungsstück ausstellen würde. "Der Anzug ist bis auf zwei, drei Mottenlöcher völlig in Ordnung", sagt sie. "Ich habe ihn mit Mottenspray besprüht, jetzt lüftet er erst mal aus und wird dann ins Schlafzimmer der Lehrerwohnung gehängt." Dort gebe es zwar schon Anzüge von Lehrer Schmücke, aber ein Hochzeitanzug sei nicht dabei. Jetzt kommen die beiden Schätzchen, das Vertiko und der Hochzeitsanzug, zu neuen Ehren und erfreuen nach 109 Jahren wohl junge und alte Betrachter gleichermaßen.

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