Gäste und Gastgeberin: Skender Drijaj und sein Sohn Siljan (links) waren auf Einladung Anna von Consbruchs in die Alte Werkstatt gekommen. Von Consbruch ist Vorsitzende des Vereins, der das Café an der Maschstraße betreibt. - © Klara Meyerbröker
Gäste und Gastgeberin: Skender Drijaj und sein Sohn Siljan (links) waren auf Einladung Anna von Consbruchs in die Alte Werkstatt gekommen. Von Consbruch ist Vorsitzende des Vereins, der das Café an der Maschstraße betreibt. | © Klara Meyerbröker

Hiddenhausen Albanische Familie erzählt im Café Alte Werkstatt von ihrer Flucht

Besucher kommen mit Vater und Sohn ins Gespräch

Klara Meyerbröker

Hiddenhausen. Nervös steht Skender Drijaj vor dem Ofen im Café Alte Werkstatt und schaut in gespannte Gesichter. Neben ihm steht sein 15-jähriger Sohn Siljan. „Ich bin Skender Drijaj. Ich komme aus Albanien", beginnt der Albanier seinen Bericht. Er ist der Erste von vier Flüchtlingen, die an den Adventssonntagen von 14 bis 17 Uhr Interessierten ihre Lebensgeschichte erzählen. Den Zettel mit den Notizen nimmt ihm sein Sohn weg. „Du sagst es mir und ich übersetze", sagt Siljan in flüssigem Deutsch. Er beginnt mit dem Bericht und den Gründen, warum sein Vater und seine Familie nach Deutschland gekommen sind. In Albanien ging Drijaj als „privater Polizist" arbeiten, also als eine Art Wachmann. Nach einem Überfall soll einer der Täter behauptet haben, Drijaj habe auf ihn geschossen. „Der Räuber hat auch gesagt, dass er sich an ihm rächen werde", gibt Siljan die Worte seines Vaters wieder. Damals jedoch habe sein Kollege auf den Täter geschossen. Nach dem Vorfall seien Drijaj und seine Familie verfolgt worden, berichten Vater und Sohn. „Dabei hatten wir ein gutes Leben in Albanien", wiederholt Siljan auf Deutsch. Sie erhalten eindeutige Drohungen. Nach drei Monaten der Angst und der Ungewissheit beschließt die Familie nach Deutschland zu flüchten. Das ist zwei Jahre her. Siljan besucht inzwischen die Olof-Palme-Gesamtschule und nimmt zusammen mit deutschen Schülern am Unterricht teil. „Ich helfe den Lehrern manchmal beim Übersetzen", sagt der 15-Jährige. Albanien gehört allerdings im deutschen Asylrecht zu den sicheren Herkunftsländern. Daher hat die Familie erst einmal kein Recht auf Asyl. Einen Antrag habe sie bereits gestellt, doch sie warte seit zwei Jahren auf Rückmeldung. Grund dafür ist, dass erst die unterschiedlichen Zuständigkeiten durch die Behörden geprüft werden, bevor ein Verfahren in Gang gesetzt wird. Mittlerweile unterstützt ein Rechtsanwalt die Familie. Dadurch, dass der Asylantrag bisher nicht bewilligt wurde, dürfen Skender Drijaj und seine Frau weder arbeiten noch zu Sprachkursen gehen. Ein bisschen Deutsch haben sie in einem Kurs gelernt, den Ehrenamtliche organisieren. Dass Drijaj nicht arbeiten darf, sei schrecklich für ihn. Integrationsratsvorsitzender Hussien Khedr (SPD) unterstützt die Familie aus Albanien. Er bestätigt die Aussage der Drijajs: „Viele Flüchtlinge würden gern für die finanziellen Leistungen, die sie von der Gemeinde Hiddenhausen bekommen, arbeiten gehen." Auf die Frage, ob die Familie in Deutschland bleiben möchte, folgt eine klare Antwort: „Ja, wir wollen hier bleiben", übersetzt Siljan den Wunsch seines Vaters. Neben seinem 15-jährigen Sohn hat er noch zwei Töchter. Die Dreijährige spreche bereits so gut Deutsch, dass sie die albanische Sprache langsam verlerne, sagt der Vater mit Wehmut in der Stimme. Um den Nachmittag ruhig ausklingen zu lassen, spielten zwei syrische Flüchtlinge im Anschluss an den Dialog orientalische Musik, zu der später die Geflüchteten gemeinsam mit den deutschen Besuchern tanzzen.

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