Lustige Anekdote: Egon Schäffer erzählt, wie einst beim Fußball ein Holsken durch ein Schaufenster flog. - © Foto: Vivien Tharun
Lustige Anekdote: Egon Schäffer erzählt, wie einst beim Fußball ein Holsken durch ein Schaufenster flog. | © Foto: Vivien Tharun

Hiddenhausen Beim Erzählcafé Sundern ging es um "Holsken" - die Holzschuhe der Nachkriegszeit

30 Menschen erinnern sich im Holzhandwerksmuseum an ihre harten Kinderschuhe und was sie in diesen erlebt haben

Hiddenhausen. Das zweite Erzählcafé-Treffen der Saison fand dieses Mal im Holzhandwerksmuseum statt. Das Thema des Nachmittags war "Auf Holsken unterwegs". In den Nachkriegsjahren hatte die Landbevölkerung kein Geld für Lederschuhe. So wurden meist Holzschuhe, Plattdeutsch "Holsken", getragen, die wesentlich günstiger waren. Die rund 30 Teilnehmer sprachen darüber, was sie als Kinder in Holsken erlebt haben und Günter Meyer zur Heide erklärte die Herstellung der harten Schuhtracht. Egon Schäffer hatte einige Anekdoten dabei: "Wir spielten sogar Fußball in diesen Schuhen. Einmal flog ein Holsken im hohen Bogen in ein Schaufenster." Weil die Schuhe recht unbequem waren, liefen viele im Sommer barfuß. Im Winter stopften sie Zeitungspapier oder Stroh in ihre Holzschuhe, um keine kalten Füße zu bekommen. Schäffer erinnerte sich daran, wie er 1946 einmal zu spät zur Schule kam, weil er und sein Bruder zuvor mit der Straßenbahn nach Westerenger fuhren, um in einer Holzschuhfabrik für die Familie einzukaufen: "Erst gab es riesigen Ärger vom Lehrer. Er fragte, warum wir so spät zum Unterricht gekommen sind. Als er erfuhr, dass wir in der Fabrik gewesen sind. beruhigte er sich." Der Lehrer erlaubte den Kindern bei Bedarf wieder zur Fabrik zu fahren - unter einer Voraussetzung: "Wir sollten ihm Schuhe mitbringen. Er hatte Größe 48", lachte Schäffer. Marita Schäffer erinnerte sich, dass es ihr unangenehm war, in Holsken zur Schule zu gehen, weil es Schuhe für ärmere Leute waren. Meyer zur Heide zeigte den Anwesenden grob vorgeschlagene Rohlinge, die Eisenwerkzeuge, mit denen die vorgeformten Schuhe ausgehöhlt wurden, und zeigte einen Film zum Thema. Im Holzhandwerksmuseum stehen Werkbänke, an denen man Holsken herstellte. Pastor Kai-Uwe Spanhofer hatte die Idee zum Erzählcafé. Der gebürtige Soester ist im Ruhrgebiet aufgewachsen und wollte bei seinem Wechsel nach Hiddenhausen erfahren, was die Menschen dort bewegt. Nun legt jeden Sommer eine Gruppe von Hiddenhausern die Erzählcafé-Themen für die Wintermonate fest. Und das seit fast 15 Jahren. Spanhofer trug zu diesem Termin das erste Mal Holsken. Das nächste Erzählcafé ist am Samstag, 14. Januar, von 15 bis 17 Uhr in der Kirche Sundern. Thema des Nachmittags ist dann "Zum Tanz bei...". Es werden Tänze der 50er und 60er Jahre vorgestellt.

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