Fündig werden im Netz: Anja Lindemeier erklärt Georg Hartelt und den anderen Besuchern im Rabeneck-Haus in Hiddenhausen, wie sie auf der Internetpattform finden, wonach sie suchen. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Fündig werden im Netz: Anja Lindemeier erklärt Georg Hartelt und den anderen Besuchern im Rabeneck-Haus in Hiddenhausen, wie sie auf der Internetpattform finden, wonach sie suchen. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Hiddenhausen/Kreis Herford Familienforscher können im Internet nach ihren Ahnen suchen

Immer mehr Menschen interessieren sich für die Historie des eigenen Clans

Friderieke Schulz

Hiddenhausen/Kreis Herford. Einmal im Monat wird das Gemeindehaus Rabeneck in Hiddenhausen zum Forschungszentrum. Knapp 50 Forscher aus der Region kommen hier regelmäßig zusammen. Ihr Interesse ist dasselbe und doch nicht das Gleiche. Denn sie alle forschen in eigener Sache auf den Spuren ihrer Ahnen. Interessiert schauen die Besucher auf die Leinwand, an die Anja Lindemeier aus Lübbecke gerade die Internetseite "Archion" wirft. Seit etwa einem Jahr können Forschende dort gegen eine Gebühr Einblicke in die Kirchenbücher nehmen und sich diese auch herunterladen. Es ist eines der Angebote, die zu einer immer größeren Beliebtheit der Ahnenforschung führen. "Früher war die Forschung der Vorfahren mit viel mehr Zeit und Umständen verbunden. Denn hilfreiche Quellen fand man nur in Archiven", erzählt Lindemeier. Die neuen Internetplattformen und das Ahnenforscherforum erleichtern die Arbeit. "Man kann viel von Zuhause aus suchen. Im Forum erhält man viele Tipps, Ideen und oftmals auch Hilfe bei der Recherche", erzählt die 49-Jährige. Dem Klischee des Alte-Leute-Hobbys scheint Ahnenforschung also nicht gerecht zu werden. Auch viele junge Menschen interessieren sich für ihre Wurzeln. Und die lassen sich länger zurückverfolgen, als man denkt. "Ab dem 30-jährigen Krieg (1618 bis 1648, Anm. d. Red) wurden Kirchenbücher geführt, da ist die Quellenlage gut", erzählt Irmtraud Tiemann, Vorsitzende des Arbeitskreises Familienforschung Osnabrück, dem die Herforder Gruppe angeschlossen ist. Als weitere Quellen dienen Steuerregister und Akten damaliger Grundherren. "Ob Beerdigung, Hochzeit oder Taufe - man musste ja für alles zahlen. Die Bücher sind mehr oder weniger gut geführt, besonders gut sind meist die der Landesherren", weiß Tiemann. Breche die Spur jedoch irgendwo ab, sei es nur schwer möglich, wieder einen Anschluss zu finden - außer in Adelshäusern.Wie so oft gibt es auch bei den meisten Ahnenforschern ein Schlüsselmoment, der das Interesse auf die Erforschung der eigenen Wurzeln lenkte. "Das erste Mal bei meiner Abschlussarbeit in der Schule 1969. Wir hatten die Wahl zwischen den Themen Lieblingsberuf und Vorfahren", erklärt Vorsitzende. Das zweite Moment war ein Dachbodenfund um das Jahr 2000. "Ich fand ein Foto aus Missouri (Vereinigte Staaten) mit einer männlichen Person, die ich nicht kannte und die die tiemannsche Nase hatte", erinnert sich Tiemann. Während der Suche entstand dann durch Zufall der Kontakt zu Barbara, die auf der selben Suche war - auch sie eine geborene Tiemann. Georg Hartel aus Leopoldshöhe forscht seit 15 Jahren in eigener Sache. "Entstanden ist das durch den Fund von Unterlagen aus der Hitlerzeit - die berühmten Ariernachweise. Seit bin ich auf den Spuren meiner Familie", erzählt der 55-Jährige. Bis in Jahr 1600 konnte er die meisten Zweige aufarbeiten. Aber warum interessiert ausgerechnet die Familienforschung? "Weil es irgendwie Sinn macht. Ich erforsche meine Wurzeln und zugleich ein Stück lokale oder regionale Geschichte. Denn jeder hinterlässt Spuren." Gerade erst auf die Spur gekommen ist Jürgen Ploghaus aus Bünde. "Ich habe in der Zeitung davon gelesen und interessiere mich schon eine Weile dafür", sagt er und erzählt, dass sein Moment der Anruf eines Namensvetters vor zwei Jahren war: "Ich kannte ihn nicht und war erstaunt. Er bat mich um Hilfe, denn er ist bereits am forschen." Seit dem frage auch er sich, wo seine Wurzeln liegen. "Wo sind die Geschwister meines Großvaters geblieben?", fragt er sich. Gestärkt mit vielen Tipps und dem Wissen, dass er hier im Austausch mit anderen erlangt hat, plant er den Start seiner eigenen Forschung: "Vielleicht nicht direkt heute Abend aber auf jeden Fall bald."

realisiert durch evolver group