Neuer Bleibe: Das Haus an der Langen Brede 72 in Hiddenhausen wird bald renoviert. Es hat einen riesigen Garten und wird das neue Zuhause für Kinder, die nicht das Glück haben, in einem intakten Zuhause leben zu können. - © Isabelle Helmke
Neuer Bleibe: Das Haus an der Langen Brede 72 in Hiddenhausen wird bald renoviert. Es hat einen riesigen Garten und wird das neue Zuhause für Kinder, die nicht das Glück haben, in einem intakten Zuhause leben zu können. | © Isabelle Helmke

Schweicheln-Bermbeck Wohngruppe für Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen kommt

Die Von-Laer-Stiftung schafft in Schweicheln-Bermbeck eine Einrichtung zum betreuten Wohnen für Kinder

Isabelle Helmke

Schweicheln-Bermbeck. Nicht jedes Kind hat das Glück, in einem behüteten, liebevollen und geordneten Zuhause aufzuwachsen. In einigen Fällen ist eine Erziehungshilfe von außen nötig. Bei besonders schwierigen familiären Verhältnissen kann es jedoch für alle Beteiligten sinnvoller sein, wenn das Kind außerhalb seines Elternhauses lebt. Als Trägerin verschiedener Einrichtungen der Jugendhilfe unterstützt die Von-Laer-Stiftung Familien durch Erziehungshilfen und betreute Kinderwohngruppen. Das alte Anwesen an der Langen Brede ist perfekt Bereits seit zwei Jahren laufen die Planungen zur Einrichtung einer solchen Wohngruppe an der Langen Brede 72 in Schweicheln-Bermbeck. Nun sind die Kaufverträge für die Immobilie unterschrieben und alle Formalitäten erledigt, so dass einer Eröffnung zum Jahresende nichts mehr im Wege steht. „Das alte Anwesen an der Langen Brede ist perfekt", sagte Joachim Liebe-Freund, der bei der Stiftung die geschäftsführende Gesamtleitung innehat. Das Haus ist 400 Quadratmeter groß und steht auf einem Grundstück mit einer Gesamtfläche von 5.000 Quadratmetern. Damit sei das Anwesen nicht nur von der Größe her ideal. Auch der Grundriss des Gebäudes eigne sich besonders gut zur WG-Gründung: Eine große Küche, viele Gemeinschaftsräume und mehrere Badezimmer – aber besonders überzeugen die bereits vorhandenen acht Kinderzimmer. Dazu kommt die eingeschossige Bauweise mit Atrium. „Das Haus ist nicht verschachtelt oder verwinkelt. Damit ist es sehr überschaubar und ideal für die Kinderbetreuung", so Liebe-Freund. Bereits vor zwei Jahren hatte Karl Fordemann, der mit seinen Eltern und sieben Geschwistern in dem Haus aufwuchs, die Stiftung auf das Anwesen aufmerksam gemacht. Bis jetzt lebte dort Fordemanns Schwester, die das Haus geerbt hatte. Interesse bestand sofort, und die Stiftung wollte sowohl Haus als auch Grundstück erwerben. Bei dem Grundstück handelte es sich jedoch um ein Erbpachtgrundstück der Warsteiner Brauerei, so dass sich die Kaufabwicklung verlängerte. Neun Kinder können einziehen Das Konzept der betreuten Wohngruppe richtet sich an Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren. In das Anwesen an der Langen Brede können neun Kinder einziehen. Sie werden von Jugendämtern aus ganz OWL vermittelt. In der WG erwartet sie ein eigenes Zimmer, und sie bekommen Taschengeld. Insgesamt sechs Betreuer werden im Schichtdienst sieben Tage und Nächte in der Woche für die Kinder da sein. Tagsüber sind in der Regel immer zwei Erzieher anwesend und nachts mindestens einer. Die Wohngruppe wird von der Von-Laer-Stiftung getragen und in Kooperation mit dem Kreisjugendamt betrieben. Die Kinder bekommen in der Wohngruppe einen geordneten Tagesablauf. Der beginnt mit dem Schulbesuch und anschließender Erledigung der Hausaufgaben. Je nach individuellem Lernstand haben die Kinder danach Freizeit oder erhalten zusätzlichen Förderunterricht. Abwägen, was den Bedürfnissen am besten gerecht wird Ein wichtiger Teil des Erziehungskonzeptes sei der Kontakt zu den Eltern. „Die Eltern werden für immer die Familie der Kinder sein. Wir möchten mit ihnen zusammen arbeiten, um die bestmögliche Betreuung für das Kind zu ermöglichen", sagte Liebe-Freund. Dabei sollen die Kinder in keinem Fall in einen Loyalitätskonflikt gegenüber ihren Eltern und den Betreuern geraten. Wer in die Wohngruppe einziehen kann, hänge von verschiedenen Faktoren ab. Neben einer stimmigen Geschlechterverteilung und einer ausgewogenen Altersstruktur, spiele die Gruppenharmonie eine entscheidende Rolle. „Wir müssen abwägen, wie wir den Bedürfnissen der Kinder am besten gerecht werden. Sie sollen sich in ihrem neuen Zuhause wohlfühlen", so Liebe-Freund. Die Schlüsselübergabe zu dem Anwesen findet am 1. August statt. Danach stehen Renovierungsarbeiten auf der Agenda, so dass das Haus Ende des Jahres bezugsfertig sein soll.

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