Gute Ernte: Die Pflücker (von links) Mihail Cloudiu Truseo, Ileana Roseulete, Obstbauer Karsten Otte und Nutica Boyroktor freuen sich über den guten Ertrag. Momentan herrscht Hochbetrieb auf den Erdbeerfeldern, denn die Früchte müssen schnell verkauft werden, damit sie frisch auf den Tisch kommen. - © Alexander Jenniches
Gute Ernte: Die Pflücker (von links) Mihail Cloudiu Truseo, Ileana Roseulete, Obstbauer Karsten Otte und Nutica Boyroktor freuen sich über den guten Ertrag. Momentan herrscht Hochbetrieb auf den Erdbeerfeldern, denn die Früchte müssen schnell verkauft werden, damit sie frisch auf den Tisch kommen. | © Alexander Jenniches

Hiddenhausen Erdbeerernte läuft auf Hochtouren

Erdbeersaison: Auf dem Obsthof Otte ist viel zu tun. Die Erdbeerernte ist sehr gut, und die Früchte sollen schnell zum Kunden. Inhaber Karsten Otte muss viel koordinieren in den sogenannten Agrarsportwochen

Alexander Jenniches

Hiddenhausen. Obstbauer Karsten Otte hat prächtige Laune. Die Erdbeerernte ist sehr gut, und die Pflücker auf seinen Feldern sind geschäftig. Jetzt gilt es, die Früchte schnell auf den Markt und in den Versand zu bringen. Denn das Ziel ist, sie spätestens am Tag nach dem Pflücken auf dem Tisch zu haben. Die rumänischen Arbeiterinnen und Arbeiter wissen jetzt, was zu tun ist. Jeder Handgriff sitzt: Die Pflückerin und Gruppenleiterin Iulia Banciu geht mit einer Registriermaschine durch die Felder und erfasst jeden mit Erdbeeren gefüllte Kasten. Karsten Otte: "An die Kästen kommen Schilder mit einer Nummer der Pflücker und der Gruppenleiter. Beide sind für die Qualität der gepflückten Erdbeeren mitverantwortlich. Wenn sich dann mal in seltenen Fällen ein Kunde beschwert, können wir nachvollziehen, wo etwas schiefgelaufen ist. Richtig gut Erdbeeren pflücken kann nicht jedermann. Dafür muss man geschult werden und ein Händchen entwickeln." Otte beschäftigt bis zu 250 Pflücker Bis zu 250 Pflücker für sein Obst beschäftigt Karsten Otte das gesamte Jahr über. Sie bekommen den Mindestlohn von 8,84 Euro plus eine Leistungsprämie für besonderen Fleiß. Otte sieht sich auch in einer sozialen Pflicht. Die Helfer aus Rumänien lassen für die Obstsaison ihre Familien daheim zurück und leben in Häusern, die Otte für sie gekauft und ausgebaut hat: "Das Internet ist für unsere Mitarbeiter wie auch für uns alle sehr wichtig, um in Kontakt mit Angehörigen zu bleiben. Deswegen installieren wir in unseren Unterkünften momentan auch Internetanschlüsse und Satellitenfernsehen, damit die Helferinnen und Helfer sich mit ihren Familien austauschen und rumänisches Fernsehen schauen können." Karsten Otte produziert auf elf Feldern in der Umgebung zwölf verschiedene Erdbeersorten. Sie heißen Flair, Ines oder Dream. Welche Sorte beim Verbraucher letztendlich im Körbchen landet, kann der Kunde nicht entscheiden. Verkauft werden stets Mischungen verschiedener Sorten. Deswegen kann es auch manchmal sein, dass die Erdbeeren aus den Körbchen an einem Tag süß und am anderen Tag ein wenig herb schmecken. Reif und von hoher Qualität sind sie alle, nur die Sorten variieren. Wenn man sie im Supermarkt oder an einem der Stände gekauft hat, sollten sie direkt in den Kühlschrank gebracht werden. Denn dort bleiben sie frisch. Was momentan auf den Feldern passiert, nennt Otte "die Agrarsportwochen" Karsten Otte: "Nicht gut ist es, die Erdbeeren zu waschen, und dann in die Kühlung zu legen. Das ist dann in etwa so wie ein kalter Frühlingsschauer, der uns die Ernte vermiesen kann. In beiden Fällen geschieht eine Osmose, ein Ausgleich des Wasserhaushalts: Die Frucht zieht das Wasser von der Oberfläche in sich hinein, bis die Haut platzt. Und dann hat man eine matschige Beere. Waschen also bitte erst kurz vor der Verkostung." Was momentan auf den Feldern passiert, nennt Otte "die Agrarsportwochen". Alles geschieht in hohem Tempo und oft zur gleichen Zeit: Wetter im Auge behalten, Früchte pflücken, Verkauf und Versand organisieren und mit dem Personal kommunizieren. Otte: "Da komme selbst ich mit einem 14-Stunden-Tag schon an meine Grenzen." Im August, wenn die Verbraucher dann satt von den Beeren sind, ist ein bisschen Luft - aber auch wirklich nur ein bisschen. Denn dann ist Pflaumen- und Zwetschenzeit. Und ab September steht die Apfelernte ins Haus. Für Vitaminfreunde hat Karsten Otte einen Tipp: "Nicht Orangen haben den höchsten Vitamin-C-Gehalt, sondern Erdbeeren. Wer sich versorgen will, der sollte jetzt ordentlich zugreifen." Selbst pflücken kann man bei Otte auch, und zwar an der Unteren Talstraße und an der Mühlenstraße in Hiddenhausen.

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