Pilgerin: Claudia Kruse erfüllte sich einen Traum und pilgerte von Eilshausen bis nach Santiago de Compostela in Spanien. 15 Monate war sie unterwegs. - © Isabelle Helmke
Pilgerin: Claudia Kruse erfüllte sich einen Traum und pilgerte von Eilshausen bis nach Santiago de Compostela in Spanien. 15 Monate war sie unterwegs. | © Isabelle Helmke

Eilshausen Eilshauserin wandert 15 Monate lang auf dem Jakobsweg

Spirituelle Reise: Claudia Kruse hat dabei gelernt, im Hier und Jetzt zu leben

Isabelle Helmke

Eilshausen. 5.000 Kilometer, 15 Monate, fünf Länder - eine spirituelle Reise zu sich selbst und Gott liegt hinter Claudia Kruse. Die Eilshauserin schulterte am 13. Juli 2016 ihren Rucksack und machte sich mit dem Pilgerstab in der Hand über den Jakobsweg auf nach Santiago de Compostela in Spanien. Unterwegs hat sie eine Menge erlebt, und ihr sind viele interessante Menschen begegnet, die sie inspirierten. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein normaler Stein aus dem Vorgarten, ist in Wirklichkeit eine versteinerte Jakobsmuschel. Sie ist eine von vielen Andenken, die Claudia Kruse von ihrer Pilgerreise mit nach Hause gebracht hat. Immer den gelben Muscheln auf den blauen Schildern hinterher, legte Kruse bis nach Santiago de Compostela mehr als 3.700 Kilometer zurück. Ob bei Temperaturen von bis zu minus vierzehn Grad in den Pyrenäen oder mehr als 30 Grad während der Sommermonate, durch Regenschauer, Gewitter oder sogar Schneestürme - die Reise war nicht immer einfach oder gar luxuriös. Pro Tag hatte sie zehn Euro einkalkuliert. Das Budget erlaubte also keine Hotels oder Pensionen. Wunderbare Begegnungen und neue Freundschaften So übernachtete die Eilshauserin in spanischen Pilgerherbergen, zeltete in den französischen Wäldern, kam in Gemeindezentren oder Klöstern unter. Hauptsächlich nutzte sie jedoch die Internetplattform "Couchsurfing", bei der Privatleute ihr Sofa zum Übernachten anbieten. "Es gab wunderbare Begegnungen, aus denen neuen Freundschaften entstanden", so Kruse. Losgelöst vom Alltag und beruflichen Leistungsdruck, eröffneten sich Kruse neue Perspektiven. Als studierte Sozialpädagogin war es früher ihr Job, Menschen beizustehen und ihnen zu helfen. "Auf der Reise habe ich gelernt, dass ich nicht fest angestellt sein muss, um dieser Tätigkeit nachzugehen", sagte Kruse. Gelaufen ist sie aber meistens für sich allein und nur selten in einer Gruppe: "Hier entscheidet nicht nur Sympathie, sondern auch ein gemeinsames Lauftempo." Tagesziel: 15 Kilometer Kruses optimales Tagesziel waren 15 Kilometer. "Ich bin viel Zickzack gelaufen. Eigentlich hätte man den Weg bis Santiago de Compostela auch in einem halben Jahr zurücklegen können", meint Kruse. Auf ihrer Reiseroute waren bereits von Anfang an mehrere Zwischenstopps zum Beispiel in Taizé und Cluny eingeplant. Aber auch spontane Abweichungen ergaben sich. "Ich habe gelernt, die Hilfe und Gastfreundschaft anderer Leute anzunehmen und mich auf das Hier und Jetzt einzulassen, den Moment voll auszukosten und das Leben zu leben", erklärt Kruse. Auf ihrem Weg habe sie sich von ihrem Bauchgefühl leiten lassen und auf eine höhere Macht vertraut, die ihr den Weg wies. Ein Highlight ihrer Reise war die Ankunft in Santiago. Für die meisten Pilger ist hier Endstation. Aber Kruse war neugierig auf den Ort, den die Pilger im Mittelalter als das Ende der Welt beschrieben. "Finisterre strahlt eine ganz besondere Energie aus." Danach ging es im Wanderschritt an die portugiesische Algarve, wo sie auf einer ökologischen Farm arbeitete. Der Rückweg führte sie über Italien zurück nach Eilshausen. Das Pilgerfieber hat sie jedoch gepackt: "Als nächstes würde ich gerne von Rom nach Brindisi und dann bis nach Jerusalem reisen."

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