Familienausflug: Renate Dreyer (v. l.) sowie Smilla, Lotta und Berit Leye haben als Urschweichelnerinnen zwar keine Zuwanderungsgeschichte, kommen aber trotzdem darüber ins Gespräch, wie früher das Leben ausgesehen hat. - © Ralf Bittner
Familienausflug: Renate Dreyer (v. l.) sowie Smilla, Lotta und Berit Leye haben als Urschweichelnerinnen zwar keine Zuwanderungsgeschichte, kommen aber trotzdem darüber ins Gespräch, wie früher das Leben ausgesehen hat. | © Ralf Bittner

Hiddenhausen Beim Internationalen Museumstag ist auch Europa ein Thema

In der Kulturwerkstatt endet die Kunstausstellung zum Thema Insekten

Ralf Bittner

Hiddenhausen. Die Klänge eines "Halleluja" klingen durch die Räume der Museumsschule Schweicheln. Gespielt wird es von Theresa auf dem Harmonium im Klassenzimmer. Ihre Geschwister Simon und Lorenz assistieren ihr, ziehen die Register und versorgen das Instrument mit der zur Tonerzeugung nötigen Luft. "Das Harmonium stand nicht immer hier", sagt Christa Gante vom Museumsschul-Verein, "sondern wurde vom Pastor Manfred Walter gespendet." Sie vermute aber, dass Dorflehrer Schnücke auch so ein Instrument besessen hat. Dorflehrer mussten ein Instrument spielen können, und Schnücke habe erst spät versucht Geige zu lernen. Die drei Schülern gehören zu den Besuchern, die sich am Internationalen Museumstag auf den Weg in die Museumsschule gemacht haben. Da sich das Museum am Europäischen Kulturerbejahr beteiligt, spielt auch das Thema Zuwanderung eine Rolle. Auf einer Landkarte können Besucher mit Fahnen ihre Herkunftsländer markieren. Am frühen Nachmittag dominieren deutsche Fahnen, neben polnischen und einer ukrainischen. Mit Renate Dreyer, Berit Leye und ihren Töchtern Lotta und Smilla hat sich eine aus drei Generationen von Urschweichelnerinnen bestehende Familie auf den Weg ins Museum gemacht. Auch ohne Zuzugsgeschichte bringt der Besuch die Generationen miteinander ins Gespräch. Plötzlich geht es um die Frage von Hausgeburt, Geburt im Krankenhaus und die Hebamme Ellersiek. "Die wohnte auf dem Sundern und fuhr Motorrad", erinnert sich Dreyer. Neben der Kulturwerkstatt, wo die Kunstausstellung zum Thema Insekten zu sehen ist, hat auch das Holzhandwerksmuseum im Ortsteil Hiddenhausen geöffnet. Da anfangs nur wenige Besucher kommen, kann sich Heinz Willer intensiv um Leon kümmern, der mit Säge, Hobel und Leim ein Holzschiffchen baut. Währenddessen öffnet Karl Marting eine Vitrine und zeigt Leons Vater Gregor einige besondere Stücke aus der Sammlung, darunter ein Auftragsbuch aus den Jahren von 1929 bis 1941, und ein Brett, in dem ein großkalibriges Projektil steckt. Marting vermutet, dass es kurz vor oder nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in die Region kam. Damals wurde viel Holz aus den Ardennen verarbeitet, wo eine der letzten großen deutschen Offensiven stattgefunden hatte. Geschosse im Holz habe es durchaus häufiger gegeben. So erinnert der Museumstag daran, dass Frieden in Europa nie selbstverständlich war.

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