Langer Einsatz: Carsten Niestrat (links) und Ilhan Ay vom Bauhof der Gemeinde Hiddenhausen laden am "Müllerweg" in Schweicheln-Bermbeck Müllsäcke mit Bauschutt auf ihren Lkw. Der gesamte Einsatz inklusive Entsorgung dauert rund drei Stunden. Die Kosten dafür trägt die Allgemeinheit. - © Alexander Jenniches
Langer Einsatz: Carsten Niestrat (links) und Ilhan Ay vom Bauhof der Gemeinde Hiddenhausen laden am "Müllerweg" in Schweicheln-Bermbeck Müllsäcke mit Bauschutt auf ihren Lkw. Der gesamte Einsatz inklusive Entsorgung dauert rund drei Stunden. Die Kosten dafür trägt die Allgemeinheit. | © Alexander Jenniches

Hiddenhausen Dreist: Ungewöhnlich viel wilder Müll in Schweicheln

Umweltschutz: In Schweicheln haben Unbekannte ungewöhnlich viel Müll, Bauschutt, Matratzen und Schränke in die Natur geschmissen. Die Gemeinde ermittelt nun

Alexander Jenniches

Hiddenhausen. Wilder Müll ist in der Gemeinde Hiddenhausen kein unbekanntes Thema. Das, was sich dem Betrachter allerdings vor ein paar Tagen bot, war schon ungewöhnlich. Man könnte auch sagen: Diejenigen, die am Müllerweg in Schweicheln-Bermbeck ihren Bauschutt entsorgt haben, waren mehr als dreist. Der Müllerweg ist eine kleine Straße, die vom Bermbecker Friedhof in Richtung Kirchlengern führt. Idyllisch gelegen, zwischen zwei Wiesen schlängelt sich die schmale Straße dahin. Perfekt zum Wandern, Skaten und Radfahren. Und die Ruhe hat wohl auch diejenigen angezogen, die dort illegal ihren Baumüll entsorgt haben. Denn so ein bisschen im Nirgendwo - vielleicht noch bei Nacht oder in der Dämmerung - ist die Gefahr, erwischt zu werden, nahe Null. Müll wird vor Ort getrennt, die Suche nach Tätern beginnt Carsten Niestrat und Ilhan Ay vom Bauhof - der Straßenmeisterei der Gemeinde Hiddenhausen - müssen mit einem Lkw inklusive Bagger anrücken, um die Säcke voller Dämmmaterial und den Bauschutt abzutransportieren. Niestrat: "Wir trennen hier vor Ort jetzt erstmal grob per Hand und bringen den Müll dann zu unterschiedlichen Entsorgern. Probleme machen uns stets Teerpappen von Dächern. Denn das ist Sondermüll, und den nimmt nicht jeder Entsorger einfach so an." Einen Teil des Mülls bringen die beiden zum lokalen Entsorger Firma Berg. Der Sondermüll geht auf die Mülldeponie nach Kirchlengern. Jennifer Oberbremer vom Umweltamt der Gemeinde ist ebenfalls vor Ort am Müllerweg. Sie sucht nach möglichen Spuren der Verursacher. Auf einem Pappkarton findet sie die Adresse einer Firma, die den Umweltsündern möglicherweise eine Waschmaschine verkauft hat. Zum Bußgeld kommen weitere Kosten Das wäre ein Ansatzpunkt. Eine Adresse derer, die ihren Bauschutt dort verklappt haben, findet sie jedoch nicht: "Wir müssen jetzt mal schauen, was wird da herausfinden. Im vergangenen Jahr konnten wir diejenigen, die Müll am Straßenrand entsorgt haben, tatsächlich ermitteln." Sollte das diesmal wieder der Fall sein, droht dem Täter oder den Tätern nicht nur ein Bußgeld. Die gesamte Reinigung mitsamt Entsorgung wird zwischen 500 und 1.000 Euro kosten. Je nachdem, wie hoch die Rechnungen der beiden Müllentsorger werden, zu denen die Mitarbeiter des Bauhofs den Schutt und die schwarzen Säcke gebracht haben. Dazu kommen noch der Stundenlohn von Carsten Niestrat und Ilhan Ay und die Betriebskosten des Lkw, der im Einsatz war. Die Gemeinde sucht über ihre Facebookseite nun nach Zeugen, die die heimliche Müllverklappung beobachtet haben. Kosten trägt die Allgemeinheit Illegale Müllentsorgung ist ein Aufreger für die Bürger in Hiddenhausen und das nicht nur wegen der Umweltverschmutzung. Denn die Kosten dafür trägt die Allgemeinheit, weil sie aus dem Müllabfuhr-Budget der Gemeinde bezahlt werden. Im Jahr 2015 hat die Beseitigung wilden Mülls allein dem Bauhof Kosten in Höhe von 12.107,55 Euro verursacht. 2016 waren es 12.562,21 Euro und 2017 gar 14.668,80 Euro. Die Rechnungen, die die Müllentsorgungsfirmen gestellt haben, sind darin noch nicht enthalten. Abfallkalender und Wertmarken für günstige Entsorgung Dabei muss legale Müllentsorgung gar nicht so teuer sein, wie manch einer vielleicht denkt. Es ist zumindest billiger, als erwischt zu werden. Die Gemeinde gibt jährlich gegen Ende eines Jahres den sogenannten Abfallkalender heraus. Er wird an alle Haushalte per Post verteilt. Auf dem Kalenderblatt für Oktober sind sämtliche Sperrmülltermine des Jahres aufgelistet. Sie liegen meist am Monatsende. Dazu haben sich die Mitarbeiter des Umweltamtes ein System ausgedacht. Jennifer Oberbremer: "Wer Sperrmüll zu Haus hat, kann bei uns Wertmarken erwerben. Eine Marke kostet einen Euro. Daumenregel: Was man allein tragen kann - zum Beispiel einen Stuhl - kostet eine Marke. Wozu man zwei Personen braucht - einen Tisch beispielsweise - kostet zwei Marken." Kühlschränke und Waschmaschinen zu entsorgen, kostet zehn Euro. Es gibt keine allgemeine Sperrmüllabfuhr. Die Mitarbeiter des Entsorgers Firma Berg fahren Haushalte gezielt an.

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