Solistin: Gemeinsam mit den Musikern des Kammerorchesters "Chambers" brachte Sängerin Beate Windmann unter anderem "Gabriella's Song" zu Gehör. - © Noah Wedel
Solistin: Gemeinsam mit den Musikern des Kammerorchesters "Chambers" brachte Sängerin Beate Windmann unter anderem "Gabriella's Song" zu Gehör. | © Noah Wedel

Hiddenhausen Konzert: Gospelchor Injoy begeistert mit Kammerorchester

Marcus Linnemann und der Gospelchor überzeugen mit einem ungewöhnlichen Projekt

Philipp Tenta

Hiddenhausen. Die Konzerte des Hiddenhausener Gospelchors Injoy sind immer ein ganz besonderes Ereignis. Verkehrschaos rund um die sonst beschauliche Eilshausener Kirche, akuter Sitzplatzmangel im Inneren der Kirche vor Beginn des Konzerts und ein mitgerissenes, enthusiastisches Publikum sobald der Chor die Bühne betritt sind bereits Tradition. Man könnte natürlich die These aufstellen, dass die Begeisterung des Publikums programmiert sei, schließlich scheint das gesamte Publikum mit dem Chor befreundet zu sein. Aber vermutlich besteht die beeindruckende Kunst des Chors gerade darin ein Gefühl von freundschaftlicher Verbundenheit bei den Zuhörern entstehen zu lassen. Für ihr Konzert am vergangenen Samstag hatte Chorleiter Marcus Linnemann ein besonderes Projekt vorbereitet. Als Gastensemble wurden nicht Gospelsänger oder eine Blues-Band eingeladen, wie man es bei einem Gospelchor erwartet hätte, sondern ein junges, klassisches Kammerorchester. Die international zusammengestellten Chambers setzen sich aus Mitgliedern der Jungen Philharmonie Köln zusammen. Sie demonstrierten auf beeindruckende Weise wie auch eine sehr traditionelle Formation frischen Wind in ein Konzert bringen kann. Eleanor Rigby mit Groove und Nostalgie Zum Auftakt des Konzert intonierten sie in einer sehr persönliches Bearbeitung den Beatles Klassiker Eleanor Rigby, punktgenau und präzise aber gleichzeitig auch mit dem nötigen Groove und Gefühl von Nostalgie. Mit dem Walzer aus der Jazz-Suite von Dmitri Schostakowitsch präsentierten sie den sonst oft spröden, anspruchsvollen russischen Komponisten als schelmischen Unterhaltungsmusiker. Nach einer Eigenkomposition des jungen Konzertmeisters Artem Kononov, einem unwiderstehlich gut gelauntem Virtuosenstück in bester Tradition des 19. Jahrhunderts, übergaben die jungen Musiker das Publikum an den Gospelchor. Injoy ist schon seit langem kein reiner Gospelchor mehr. "Gospel and more" ist die Devise von Chorleiter Marcus Linnemann, der auch einen Großteil des Repertoires selbst für seinen Chor bearbeitet hat. Im ersten Teil des Programms zeigten sie sich aber sattelfest mit einem traditionellem Gospelrepertoire. Schwung und Lebensfreude Unterstützt von Michael Klomfaß an Gitarren und Keyboard sowie dem Chorleiter am Piano, aber auch A Capella kann Injoy immer wieder überzeugen. Man erlebte einen gut gelaunten, selbstsicheren Chor, dem es gelingt, Schwung und Lebensfreude zu vermitteln. Ausgezeichnete Solisten, wie etwa Anita Wehrmann als stilsichere Gospelsängerin, oder Beate Windmann, die mit ihrer Version von "Gabriella's Song" begeisterte, taten das ihre, um das vielköpfige Publikum zu verzaubern. Im zweiten Teil des Abends verließ Injoy die Welt des Gospels und zeigte mit Songs von U2 und Roger Hodgson sowie einer Komposition von Marcus Linnemann die volle Bandbreite seiner musikalischen Ausdruckskraft. Die Chambers beeindruckten wiederum mit dem "Danse macabre" von Camille Saint-Saëns. Bereits vor der Pause musizierten die beiden sehr unterschiedlichen Musikensembles gemeinsam Scarborough Fair und Gabriella's Song aus dem Film "Wie im Himmel". Mit einem gemeinsamen Halleluja von Leonard Cohen verabschiedeten sich Injoy und die Jungen Chambers vom Publikum.

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