Die 90er feiern sich selbst: Zum Los-Rios-Hit „La Macarena" (natürlich aus den 90ern) feiert sich der Jahrgang selbst, mittendrin Justin Morelli alias Showmaster Thomas Gottschalk. - © Ralf Bittner
Die 90er feiern sich selbst: Zum Los-Rios-Hit „La Macarena" (natürlich aus den 90ern) feiert sich der Jahrgang selbst, mittendrin Justin Morelli alias Showmaster Thomas Gottschalk. | © Ralf Bittner

Lippinghausen Varieté-Abend der Abiturienten: Die letzten Kinder der 90er

Mit grandiosen Lehrerparodien, Show- und Spieleinlagen nimmt der Abiturjahrgang die Zuschauer in der Aula der Olof-Palme-Gesamtschule mit in die 1990er Jahre

Ralf Bittner

Lippinghausen. Ohne Thomas Gottschalk kein Fernsehen in den 1990ern. Und so ist es kein Wunder, dass Gottschalk (Justin Morelli), der als Showmaster von gleich fünf Spielshows glänzt wie der Kragen seines Sakkos, Dreh- und Angelpunkt des Varieté-Abends „Last 90s bABIes – Nach uns kommen nur noch Nullen" auf der Bühne in der Aula der Olof-Palme-Gesamtschule (OPG) ist. Einige Shows wie „Wer wird Millionär", „Wetten dass...?" sind legendär, andere wie „Ruck Zuck" wurden kürzlich reanimiert. „Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) und „Let’s Dance" sind zwar Erfindungen der 2.000er, aber so zeitlos, dass sie sich wie die 90er anfühlen. Das Konzept von Spielshows ist simpel: Zwei Teams meistern im Wettstreit für das Publikum interessante Aufgaben. Auf der OPG-Bühne treten Schüler gegen eine von Schülern gespielte Lehrermannschaft an. Stefan Schmiedeke, Petra Rodeland-Hönig, Alexander Köhler, Klaus Droste und Ingo Thiele haben das sichtliche Vergnügen, ihren Ebenbildern auf der Bühne dabei zusehen zu können, wie sie sich im Wettstreit mit den Schülern schlagen. Schule nicht von Olof Palme gegründet Bei „Wer wird Millionär?" ist im Duell zwischen Schüler Lukas Braksiek und Thiele (Ioannis Christou) Wissen rund um die OPG gefragt. So erfahren die Zuschauer, dass die Schule nicht von Olof Palme gegründet wurde und der Brötchenpreis in der Mensa nicht 9,75 Euro beträgt, aber auch nicht weit darunter zu liegen scheint. Drostes (Luca Mel Markmann) Erklärungen sind ein wenig zu ausschweifend, um beim Temporatespiel „Ruck Zuck" bestehen zu können, Sportlehrer Köhler (Jan Luca Kürten) – „Ein Köhler verliert nicht!" – sichert sich den Sieg bei „Wetten dass..?" über den Schüler Haissam Sleiman mit dem unverblümten Hinweis, dass er auch Herr über dessen Deutschnoten ist. Adelina Meyer bringt Rodelands „Gesangskünste" bei DSDS so beeindruckend über die Bühne, dass Duettpartnerin Thiyaniha Sivansen sichtlich Mühe hat, nicht ebenso wie das Publikum in lautes Lachen auszubrechen. Jurykönig Bohlen (Henryk Kasfeld) erklärt die Schülerin zur Siegerin. Jubel und Szenenapplaus Szenenapplaus für die Darsteller, Jubel für die Tanzeinlagen von Girls- und Boys-Tanzgruppen und die Einradeinlage Kim Hustermanns zeigen, dass sich die Arbeit an dem zweistündigen Programm gelohnt hat. Selbst in der Pause gibt es Musik: Sarah Heide singt im Foyer Songs wie „Losing My Religion" aus den 1990ern. Kein Halten mehr gibt es bei „Let’s Dance". Etwas staksig fällt der Walzer von Elvira Klose (Lena Held) und ihrem Kollegen Schmiedeke (Berke Kalkan) aus. Trotz dessen perfekter Haltung – Bauch raus, Zigarette elegant zwischen den Fingern oder im Mund – kann das Duo die Jury nicht überzeugen. Ganz anders die Schüler Antonia Koch und Timon Michler, die mit dem Mambo zu „Time of My Life" aus „Dirty Dancing" inklusive Flug- und Hebefigur, die Zuschauer und dann die Jury von den Hockern reißen. Kein Zweifel, nach dieser Leistung haben die letzten Kinder der 90er ihr Abitur wirklich verdient. Seit November hatten alle 68 Schüler der Stufe an dem Programm gearbeitet, dessen Motto „Last 90s bABIes" darauf Bezug nimmt, dass der Jahrgang der letzte mit Geburtsdaten wie 1999 oder 1998 ist. „Jetzt kommen nur noch Nullen", sagen Adelina Meyer und Timon Michler vom Organisationsteam augenzwinkernd. Eins ist klar: Dieser 1990er Jahrgang und seine rundum gelungene Show werden in Erinnerung bleiben.

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