Mit Spaß dabei: Günter Niermann (vorne) und Helga Neumärker (2. v.r.) teilen sich eine große afrikanische Trommel. Bewegung und Auseinandersetzung mit Musik und Rhythmus aktivieren das Gedächtnis von Demenzkranken. - © Ulrich Finkemeyer
Mit Spaß dabei: Günter Niermann (vorne) und Helga Neumärker (2. v.r.) teilen sich eine große afrikanische Trommel. Bewegung und Auseinandersetzung mit Musik und Rhythmus aktivieren das Gedächtnis von Demenzkranken. | © Ulrich Finkemeyer

Lippinghausen Trommeln hilft als Therapie bei Demenz

Workshop mit afrikanischen Trommeln im Stephanus-Seniorenheim begeistert Alt und Jung

Ulrich Finkemeyer

Lippinghausen. Bereits im Eingangsflur des Stephanus-Seniorenheims im Ortsteil Lippinghausen ist das rhythmische Wummern von Trommelinstrumenten so intensiv zu vernehmen, dass der interessierte Besucher gar nicht nach dem Ort des Workshops zu fragen braucht. Beinahe vierzig fröhliche Gesichter und ein temperamentvoller Uwe Pacewitsch, freiberuflicher Rhythmiker und Workshop-Leiter, begrüßen den Neuankömmling. Sie seien bereits in der dritten Stunde ihrer rhythmischen Reise nach und durch Westafrika, und schon ziemlich gut drauf, sagt das gebürtige Nordlicht, der aus Freiburg stammende, schon länger in Ostwestfalen lebende Uwe Pacewitsch. "Das ist - Trommelwirbel - Spitze", fordert der 52-Jährige seinen gemischten Kurs auf, es ihm gleichzutun, wie einst Hans Rosenthal. Dann lässt Pacewitsch das westafrikanische "Goma-goma-goma-he" folgen. "Mit diesen Einwürfen können Erinnerungen bei unseren dementen Workshopteilnehmern nach oben gebracht werden, denn Trommeln, sei es mit Stöcken oder den Händen, schafft Erfolgserlebnisse, schult das Körpergefühl und regt das Gedächtnis an", sagt der erfahrene Rhythmiker Pacewitsch, der einen pädagogisch-therapeutischem Berufshintergrund hat und an diesem Tag auch Animateur ist. Die Kraftquellen in der Demenz sind Inklusion pur Indes freut sich Einrichtungsleiterin Manuela Schock, dass diese vierte Auflage aus der Reihe "Kraftquellen in der Demenz" wieder gut angenommen worden ist, von ihren dementen und nicht dementen Heimbewohnern und deren Angehörigen, von Menschen mit und ohne Behinderung, von Gästen des Generationen-Treffs Enger und Schülern der Johannes-Falk-Schule. "Das hier ist Inklusion pur", sagt Leiterin Manuela Schock. Mit "he, jamga ho, jamga he, jamga", wird der rhythmische afrikanische Gesang, den Pacewitsch intoniert, von trommelnden Händen und Schlagstöcken begleitet. Der Workshop nähert sich dem Ende. "Da muss man noch eine Spitze setzen, vor dem langsamen Abklang. "Wir sind gut, wir sind gut, wir sind heute richtig gut" - jede Silbe ein Schlag auf die Trommeln. Günter Niermann vom Generationen-Treff Enger hat eine richtig große afrikanische Trommel vor sich, ähnlich einer Pauke. Er teilt sie sich mit der Nachbarin zur rechten Seite. Helga Neumärker schlägt vorsichtig mit einem kleinen Schlaginstrument, Biermann die "Pauke" mit einem angemessen großen Trommelstock. Er sei zum vierten Mal hier, weil es ihm viel bringe, sagt der Engeraner - Helga Neumärker weiß es nicht genau. "Rhythmik und Leben" heißt das Konzept, mit dem Freiberufler Uwe Pacewitsch vor allem an Schulen und therapeutischen Einrichtungen unterwegs ist. "Das Trommeln aktiviert den Kreislauf, schult das Körpergefühl und regt das Gedächtnis an", weiß er. Die ersten Workshop-Teilnehmer zeigen am Ende der dritten Stunde - nach sieben Aufgaben - ein paar Ermüdungserscheinungen. Sie haben schwere Arme, die Hände brennen ein wenig. Aber alle haben ein zufriedenes Lächeln im Gesicht, als der pädagogisch-therapeutsche Entertainer den Vormittag beschließt, an dem ihnen Trommeln Freude und Energie gaben.

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